Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Otto Weidt
(ein "Gerechter unter den Völkern")

Otto Weidt wurde am 2. Mai 1883 in Rostock als Sohn eines Tapezierers und Polsterers geboren und starb am 22. Dezember 1947 in Berlin.
Er ist ein "Gerechter unter den Völkern". Mit diesem Titel ehrt Israel nichtjüdische Personen, die ohne Rücksicht auf ihr eigenes Leben jüdische Mitbürger während der NS-Zeit vor Deportation und Ermordung retteten.

Die Familie Weidt, die in recht bescheidenen Verhältnissen lebte, zog nach Berlin, wo der Sohn Otto in die beruflichen Fußstapfen seines Vaters trat.
1913 heiratete Otto Weidt Marta Koniecny. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor.
Den Ersten Weltkrieg erlebte Weidt als Sanitäter. Wegen eines Ohrenleides blieb dem Kriegsgegner der Dienst an der Waffe erspart.
Als Otto Weidt nach und nach seine Sehkraft verlor und fast völlig erblindete, erlernte er das Handwerk des Bürstenmachers und eröffnete eine Bürsten- und Besenwerkstatt am Hackeschen Markt in Berlin-Mitte.
In seinem Betrieb arbeiteten vorwiegend blinde und taubstumme Arbeiter, von denen die meisten Juden waren.

1936 heiratete Otto Weidt in zweiter Ehe Else Nast. Sie unterstützte ihren Mann bei seinen späteren kostspieligen und nicht ungefährlichen Rettungsaktionen.
56 Juden versteckte Otto Weidt, versorgte sie mit Lebensmitteln und gefälschten Ausweispapieren, organisierte Verstecke und zahlte Bestechungsgelder. Er reiste sogar nach Auschwitz, um einer ehemaligen Mitarbeiterin bei der Flucht aus der Gefangenschaft behilflich zu sein.
Aber nicht allen konnte Otto Weidt helfen, nur 27 seiner Schützlinge überlebten die Nazidiktatur. Wie vielen verfolgten Juden er insgesamt das Leben gerettet hat, ist nicht bekannt.
Als ein jüdischer Spitzel die Verstecke an die Nazis verriet, geriet Otto Weidt vorübergehend in Gefangenschaft, aber er behielt die Nerven und argumentierte, dass er als fast Blinder gar nicht sehen konnte, was um ihn herum geschah. Mit Hilfe von Bestechungsgeldern kam Weidt schon bald wieder auf freien Fuß.
Otto Weidt versorgte die ehemaligen Mitarbeiter, die sich nun im KZ befanden, mit Lebensmitteln, konnte aber nicht verhindern, dass die meisten von ihnen den Gaskammern zum Opfer fielen.

Da Otto Weidt während des Zweiten Weltkrieges die Wehrmacht belieferte, galt seine Fabrik als wehrwichtig. Doch viele der Bürsten und Besen landeten auf dem Schwarzmarkt, denn Otto Weidt brauchte Geld, sehr viel Geld. Immer öfter musste er Bestechungsgelder zahlen, um die Verfolgten vor der Deportation zu schützen oder sie freizukaufen.
Auch noch nach dem Krieg sammelte Otto Weidt Geld- und Kleiderspenden und opferte Hab und Gut, um den Wiederaufbau des jüdischen Kinder- und Altersheimes in Niederschönhausen im Berliner Bezirk Pankow zu ermöglichen und den traumatisierten Menschen, die aus den Vernichtungslagern zurückkehrten, ein neues Zuhause zu schaffen.
Die jüdische Hilfsorganisation "American Joint Distribution Committee" und das Schweizer Rote Kreuz übernahmen die Versorgung der Überlebenden.

Am 22. Dezember 1947 starb Otto Weidt im Alter von 64 Jahren an einem Herzversagen. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof in Berlin-Zehlendorf in der Onkel-Tom-Straße.
Seine Bürsten- und Besenwerkstatt lief unter der Leitung seiner Ehefrau Else zunächst weiter, bis der Betrieb 1952 eingestellt wurde.

Die israelische Gedenkstätte "Yad Vashem" ehrt Otto Weidt seit September 1971 als einer der "Gerechten unter den Völkern".
Berlin hingegen tat sich schwer mit einer Ehrung. Wahrscheinlich wären Otto Weidt und seine uneigennützigen Taten in Vergessenheit geraten, wenn die Journalistin und Schriftstellerin Inge Deutschkron, die selbst in dieser Werkstatt gearbeitet hatte, sich nicht vehement und unermüdlich für ein Gedenken an Otto Weidt eingesetzt hätte. Ihr ist es zu verdanken, dass die Erinnerung an Otto Weidt und sein mutiges Eintreten für Nächstenliebe und Menschlichkeit wachgehalten wurde.
1993 wurde eine Gedenktafel am Haus in der Rosenthaler Straße 39, dem Sitz der Blindenwerkstatt, angebracht.
Auch an seinem letzten Wohnsitz in der Salzachstraße 6 in Berlin-Zehlendorf erinnert eine Gedenktafel an Otto Weidt.
1994 wurde das Grab von Otto Weidt zum Ehrengrab erklärt.
Die ehemalige Werkstatt in den Hackeschen Höfen ist heute ein Museum, das unter dem Dach der "Gedenkstätte Deutscher Widerstand" verwaltet wird.

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