Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Rudolf Virchow

Rudolf Virchow wurde am 13. Oktober 1821 in Schivelbein/Polen geboren und starb am 5. September 1902 in Berlin.
Der Mediziner, Anthropologe, Prähistoriker, Hygieniker, Archäologe, Medizinhistoriker, Dozent, Publizist und Sozialpolitiker war der Begründer der modernen Pathologie.

Die frühen Jahre
Der Politiker
Die Verdienste
Die Irrtümer
Die späten Jahre

Die frühen Jahre
Rudolf Virchow war das einzige Kind des Schlachtermeisters Carl Virchow und seiner Ehefrau Johanna Hesse. Sein Onkel war der in Berlin und Potsdam tätige Hofarchitekt, Maler und Baurat Ludwig Ferdinand Hesse (1795-1876).

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Köslin/Polen erhielt Rudolf Virchow im Jahr 1839 ein Stipendium an der Berliner militärärztlichen Akademie Pépinière, wo er zum Heeresarzt ausgebildet wurde.
1843 schrieb er eine Dissertation über Rheuma und wurde Assistenzarzt an der militärärztlichen Akademie.
Nach bestandenem Staatsexamen im Jahr 1846 war Virchow als Pathologe an der Berliner Charité tätig.
1847 habilitierte Virchow in Berlin mit der Schrift: "De osseficatione pathologica".
Von 1847 bis 1902 war Virchow Mitherausgeber der Fachzeitschrift "Archiv für pathologische Anatomie und Physiologie".

Wegen seines politischen Engagements, wozu auch die Teilnahme an der Märzrevolution 1848 gehörte, verlor Virchow seine Arbeitsstelle in Berlin, übernahm aber bald darauf den Lehrstuhl für pathologische Anatomie in Würzburg.
In Würzburg lernte er auch seine spätere Frau Rosalie Mayer, Tochter eines Geheimen Sanitätsrats, kennen. Das Paar bekam sechs Kinder. Hans, der zweitgeborene Sohn wurde ebenfalls ein namhafter Mediziner sowie Professor an der Kaiser-Wilhelms-Universität.

Der Politiker
1856 kam Virchow mit seiner Familie wieder nach Berlin, wo er nicht nur eine Professur an der Kaiser-Wilhelms-Universität annahm sondern auch an seine alte Arbeitsstelle an der Charité zurückkehrte.
Fünf Jahre später wurde Virchow Gründungsmitglied der Deutschen Fortschrittspartei.

Der Politiker Virchow engagierte sich für den Bau von Krankenhäusern und den Ausbau der öffentlichen Sozialfürsorge. Gemeinsam mit James Hobrecht setzte er sich für die Kanalisation Berlins mit zentraler Wasserversorgung und -entsorgung ein. Er wollte weniger Geld für Waffenkäufe und dafür internationale Schiedsgerichte, um schwelende Konflikte zu befrieden.
Er befürwortete die Einheit Europas und wandte sich gegen den Einfluss der Kirche auf die Politik.
Nach einer hitzigen politischen Debatte und harscher Kritik an den hohen Rüstungsausgaben im Jahr 1865 forderte Otto von Bismarck Virchow zum Duell, was aber nicht stattfand, da Virchow diese Art der Auseinandersetzung als nicht mehr zeitgemäß ablehnte. Ohnehin war das Duellieren in Preußen seit 1794 verboten, was Bismarck aber nicht davon abgehalten hatte, sich bereits 1852 mit dem Parlamentarier Georg von Vincke ein Duell zu liefern.

Ab 1866 gab Virchow die von ihm gegründete "Zeitschrift für Ethnologie" heraus.
1869 gründete Rudolf Virchow zusammen mit weiteren Gelehrten die Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. Alljährlich verleiht diese Institution den Rudolf-Virchow-Förderpreis für herausragende Magister- und Diplomarbeiten aus Berliner und Brandenburger Hochschulen.
Während des Deutsch-Französischen Krieges (1870/71) organisierte Virchow die Ausstattung von Lazarettzügen, um den Rücktransport von Verwundeten nach Berlin zu ermöglichen.

Von 1880 bis 1893 war Rudolf Virchow Mitglied des Deutschen Reichstages, wo er sich insbesondere für den Ausbau der staatlichen Gesundheitsfürsorge engagierte, denn für ihn war der Staat verantwortlich für die medizinische Versorgung seiner Bürger und zwar ohne Ansehen des soziales Status. Von ihm stammt das Zitat: "Der Arzt ist der natürliche Anwalt der Armen".
Von 1872 bis 1902 übernahm Virchow den Vorsitz der Rechnungskommission des Preußischen Landtags.
Auch die kommunale Selbstverwaltung war ihm wichtig. Als liberaler Politiker setzte sich Virchow für die Rechte von Minderheiten ein und wehrte sich entschieden gegen jedwede Form von Antisemitismus.

Die Hälfte seines Lebens war Virchow Mitglied des Berliner Stadtverordnetenhauses und fast ebenso lange des Preußischen Landtages, dreizehn Jahre war er Abgeordneter des Deutschen Reichstages.

Die Verdienste
Als Virchow 1848 eine Typhusepidemie in Oberschlesien untersuchte, kam er zu der Schlussfolgerung, dass diese den schlechten sozialen Verhältnissen zuzuschreiben sei und forderte öffentlich ein politisches Umdenken, eine Reform der Medizin und eine Reform der Gesellschaft.
In der Zeitschrift "Medicinische Reform" machte er sich für eine öffentliche Gesundheitspflege stark.

Als Virchow 1852 wegen einer Typhusepidemie die Elendsquartiere im Spessart inspizierte, kam er wiederum zu der Schlussfolgerung, dass es dringend politischer Veränderungen bedurfte, um den sozialen Missständen nachhaltig entgegenzuwirken. Gründe für die Erkrankungen sah Virchow in schlechter Ernährung und menschenunwürdigen Wohnverhältnissen.

Von 1854 bis 1867 gab Virchow das sechsbändige "Handbuch der speciellen Pathologie und Therapie" heraus.
1859 wurde Virchow Mitglied der Berliner Stadtverordnetenversammlung. Die 43 Jahre, die er diesem Kommunalparlament angehörte, nutzte er u.a. dafür, dass er sich für den Bau von Krankenhäusern, die Kanalisation Berlins und eine zentrale Trinkwasserversorgung sowie die Erhebung medizinischer Daten einsetzte. Auf seine Initiative hin entstanden hygienische Schlachthöfe und eine obligatorische Trichinenschau.
Aber auch international war Virchow ein gefragter Fachmann, wenn es um das Thema Hygiene ging.

Weltruhm brachte ihm das 1858 erschienene Buch "Die Cellularpathologie in ihrer Begründung auf physiologische und pathologische Gewebelehre" ein, denn es widersprach den bis dahin seit der Antike bestehenden ehernen Grundsätzen der Medizin. Zum ersten Mal wurden Krankheiten des Organismus auf krankhafte Veränderungen der Körperzellen zurückgeführt und nicht mehr auf ein Ungleichgewicht der vier Körpersäfte Blut, Schleim sowie gelbe und schwarze Galle.
Dieses Werk machte Virchow zum Begründer der Zellular- und Tumorpathologie.
Außerdem machte sich Virchow um die Erforschung der Thrombose und der Leukämie verdient.

Rudolf Virchow war Mitbegründer mehrerer Berliner Museen, wie dem Märkischen Museum und dem Ethnologischen Museum.

Die Irrtümer
Einer seiner größten Irrtümer war die Bewertung des 1856 entdeckten Skelettes eines Neandertalers.
Virchow, der kein Anhänger der Evolutionstheorie von Charles Darwin war - ein weiterer Irrtum - deutete die morphologischen Besonderheiten des Skelettes nicht als Vorstufe des heutigen Menschen sondern lediglich als degenerierte, krankhafte Veränderungen.
Damit war der Neandertaler über lange Zeit als primitiver Idiot stigmatisiert. Erst durch den Einsatz modernster Technik wissen wir, was Virchow damals nicht wissen konnte - nämlich, dass jeder von uns ein klein wenig DNA-Material des Neandertalers in sich trägt....

Ebenso hartnäckig leugnete Virchow den von dem aus Ungarn stammenden Arzt Ignaz Semmelweis beschriebenen Zusammenhang zwischen unhygienischen Verhältnissen an Krankenhäusern und dem Kindbettfieber.
Die Ursache für Kindbettfieber sah Virchow darin, dass aus Angst vor Erkältungen die Fenster geschlossen blieben und dadurch Miasmen - eine Konzentration übler Dünste - erzeugt wurden, die dieses Übel auslösten.

Aber er war auch ein Gegner von Robert Koch. seinem einstigen Schüler und Entdecker der Tuberkeln als Auslöser der damals schlimmsten Volksseuche. Virchow kommentierte diesen "Bazillenzirkus" mit den Worten:
"Das ist doch Unsinn. Die Leute sterben an Tuberkulose, weil sie schwach sind, das tut doch nicht ein so kleiner Bazillus".
Koch ging aus diesem Disput schließlich als Sieger hervor, erhielt sein eigenes Institut und 1905 sogar den Nobelpreis für Medizin.

Ein fataler Irrtum unterlief Virchow auch in der Diagnose und Behandlung von Kaiser Friedrich III. Er verordnete diesem Bettruhe und verhinderte eine Operation. Den Kehlkopfkrebs indes entdeckte er nicht und so starb der Kaiser am 15. Juni 1888 nach nur 99 Tagen im Amt.

Die späten Jahre
Da Rudolf Virchow auch auf dem Gebiet der Archäologie Forschungen betrieb, begleitete er 1878/79 seinen Freund Heinrich Schliemann bei den Ausgrabungen von Troja und nahm 1888 an Ausgrabungsarbeiten in Alexandria teil.

Anlässlich seines 70. Geburtstags erhielt Virchow die Ehrenbürgerschaft der Stadt Berlin. Gewürdigt wurde sein Engagement, das er als Kommunalpolitiker für eine bessere Hygiene in städtischen Einrichtungen aufbrachte.
Am 4. Januar 1902 verunglückte Virchow, als er aus einer noch fahrenden Straßenbahn sprang und stürzte. Von den Folgen des Oberschenkelhalsbruchs, den er sich dabei zuzog, sollte er nicht wieder genesen und so verstarb er schließlich am 5. September 1902 in Berlin, nur wenige Wochen vor Vollendung seines 81. Geburtstags.
Sein Ehrengrab befindet sich auf dem Alten St. Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg.

Mehrere Denkmäler erinnern heute in Berlin an Rudolf Virchow.
Ein Krankenhaus in Berlin-Wedding und ein Campus der Charité, tragen seinen Namen.
In Berlin-Hellersdorf gibt es eine Rudolf-Virchow-Straße.
1979 wurde ein Mondkrater nach Virchow benannt.
Virchows pathologisch-anatomische Sammlung - bestehend aus 1000 Präparaten - kann heute im Berliner Medizinhistorischen Museum an der Charité besichtigt werden.

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