Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Siegessäule

Berlin, Siegessäule Im Großen Tiergarten im Berliner Bezirk Mitte steht eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt, die Siegessäule. Hier fand jahrelang die Abschlussparty der Love Parade statt und hier sprach am 24.07.2008 Barack Obama. Eine Viertelmillion Besucher war damals gekommen, um den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten näher kennenzulernen, nachdem diesem eine Rede vor dem Brandenburger Tor verwehrt worden war.
Die Straße des 17. Juni, die Siegessäule und Brandenburger Tor miteinander verbindet, wird für Großdemonstrationen und als Fan- und Festmeile genutzt.

Gehasst, geliebt, verspottet...., aber all das ficht Viktoria nicht an. In luftiger Höhe schwebt sie über den Berlinern, in der linken Hand das Feldzeichen mit dem von Karl Friedrich Schinkel entworfenen Eisernen Kreuz und in der rechten Hand den Lorbeerkranz. Ihr Haupt ist mit einem Adlerhelm bedeckt.

Das nach einem Entwurf von Heinrich Strack entstandene spätklassizistische Denkmal wurde am 2. September 1873 auf dem ehemaligen Königsplatz, dem heutigen Platz der Republik, mit Pomp und Gloria eingeweiht. Kaiser Wilhelm I höchstselbst wohnte diesem Festakt bei.
Ursprünglich sollte das Denkmal nur an die preußischen Feldzüge gegen Dänemark (1864) erinnern, aber noch vor Fertigstellung schloss man die Deutschen Einigungskriege gegen Österreich (1866) und Frankreich (1870/71) mit ein und so zeigen die Sockelreliefs neben der Schlacht bei den Düppeler Schanzen (Entscheidungsschlacht im Deutsch-Dänischen Krieg) auch die Schlacht bei Königgrätz (Entscheidungsschlacht im Deutschen Krieg) und die Schlacht bei Sedan (Deutsch-Französischer Krieg), die mit der Gefangennahme von Kaiser Napoleon III endete.
Während das Bauwerk ursprünglich nur ein Denkmal für die preußischen Siege über Dänemark und Österreich war, wurde es nach dem Sieg über Frankreich und der damit verbundenen deutschen Reichsgründung auch zu einem Denkmal für die nationale Einheit Deutschlands.
So ist es auch zu erklären, dass die Siegessäule nicht nur eine Grundsteinlegung erlebte sondern gleich drei: am 18. April 1865, am 26. Oktober 1869 und die letzte am 31. Dezember 1871.

Im Figurenschmuck der Siegessäule erkennt man einen kleinen Jungen, der einen Kranz aus Kornblumen auf dem Kopf trägt. Dieser Junge ist der spätere Kaiser Wilhelm I. Die Szene soll an Königin Luise erinnern, die nach der verheerenden Niederlage Preußens bei Jena und Auerstedt im Jahre 1806 mit ihren Kindern vor Napoleon und seinen heranrückenden Truppen von Berlin nach Ostpreußen floh.
Die Sockelreliefs stammen von den Bildhauern Alexander Calandrelli, Karl Keil, Moritz Schulz und Albert Wolff.
Der Bildhauer Friedrich Drake, der mit der Bronzefigur der Siegesgöttin Viktoria sein wohl bekanntestes Werk schuf, hatte ein Modell - nämlich seine eigene Tochter Margarethe.
Der Spitzname "Goldelse" kam erst später auf mit der Romanfigur der Zeitschrift "Gartenlaube".
Die Ausführung der Arbeiten oblag dem Kunstgießer Hermann Gladenbeck, der auch für den Bronzeguss am Neptunbrunnen verantwortlich war.

Viel zu kurz war die Säule für die große Figur geraten und so spottete der Volksmund, dass Goldelse die einzige Berlinerin ohne "Verhältnis" sei.....
Da das Denkmal den größenwahnsinnigen Plänen Albert Speers, der aus Berlin die Welthauptstadt "Germania" machen wollte, im Wege stand, wurde es 1938 einfach auf den Großen Stern umgesetzt.
Bei dieser Gelegenheit erhielt die Siegessäule auch eine zusätzliche vierte Trommel, die sie um 7,5 Meter wachsen ließ. Zwar erscheint die Säule im Verhältnis zur Figur noch immer ein wenig zu kurz geraten, aber immerhin.....

Im Jahre 1941 wurden vier Torhäuser fertiggestellt, durch die man unterirdisch die Siegessäule erreichen kann.
Der rote Sockel besteht aus poliertem Granit, während die Säulentrommeln aus Sandstein gefertigt sind. An den Außenseiten der ersten drei Trommeln sind im Krieg erbeutete Geschützrohre eingelassen. Die vierte Trommel wird lediglich von vergoldeten Girlanden geschmückt.
Im Inneren der Säule führt eine Wendeltreppe auf die Aussichtsplattform.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wollten die Franzosen die Säule zunächst sprengen lassen. Da dieses Vorhaben bei den anderen Alliierten auf keinerlei Zustimmung stieß, begnügten die Franzosen sich schließlich damit, drei der marzialischen und kriegsverherrlichenden Bronzereliefs der Siegessäule nach Paris zu "entführen".
Das vierte Relief über den Deutschen Krieg wurde in die Zitadelle in Berlin-Spandau gebracht und dort für Jahrzehnte aufbewahrt.

Aber Viktoria überstand nicht nur die beiden Weltkriege und das "feindselige" Ansinnen der Franzosen sondern auch einen Sprengstoffanschlag der "Revolutionären Zellen" im Jahr 1991. Damals entstand nur ein relativ geringer Sachschaden an der Aussichtsplattform, die allerdings fast ein Jahr lang gesperrt werden musste und so waren lediglich Touristen die Leidtragenden dieses Attentats.

Zur 750-Jahr-Feier Berlins im Jahre 1987 gab François Mitterand die Reliefs an Berlin zurück. Dies war eine versöhnliche Geste und so hat Viktoria nicht nur die Zeiten überdauert, sie hat sich mit den Zeiten gewandelt - aus dem Denkmal, das einst den Krieg verherrlichte, ist inzwischen auch ein Denkmal geworden, das für Verständigung und für Versöhnung steht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Siegessäule zweimal restauriert - eine dritte Verschönerungskur erhielt die alternde Diva erst vor kurzem und so konnte Viktoria am 20. Mai 2011 im alten Glanz erstrahlen.

zurück zur Liste

Seitenanfang


[Home][Geschichte][Über mich][Fotos][Hohenzollern][Sightseeing][Links][Impressum][Sitemap]
Copyright (c) 2009 Brigitte Ferlet. Alle Rechte vorbehalten.