Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Kurt Tucholsky

Kurt Tucholsky wurde am 9. Januar 1890 in Berlin geboren und starb am 21. Dezember 1935 in Hindas bei Göteborg/Schweden.
Er war Journalist, Essayist, Liedertexter, Literatur- und Theaterkritiker, Lyriker, Schriftsteller und Satiriker. Seine zahllosen Artikel veröffentlichte er unter mehreren Pseudonymen: Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger, Ignaz Wrobel, Paulus Bünzly sowie Theobald Körner.
Tucholsky verfasste auch Texte, Lieder und Couplets für das Kabarett, darunter auch für Claire Waldoff und Trude Hesterberg.

Die frühen Jahre
Politisches Engagement
Die Frauen
Die letzten Jahren
Ehrungen

Die frühen Jahre
Tucholsky war der älteste Sohn des jüdischen Bankdirektors Alex Tucholsky und dessen Ehefrau und Cousine Doris Tucholski. Er wuchs mit seinen Geschwistern Fritz und Ellen auf.
Seinen Vater, den er sehr liebte, verlor Tucholsky bereits als Fünfzehnjähriger. Da der Verstorbene ein beträchtliches Vermögen hinterließ, konnte die Familie ohne finanzielle Sorgen leben.
Im Gegensatz zu dem guten Verhältnis zu seinem Vater war das Verhältnis zu seiner dominanten und gefühlsarmen Mutter indes schwierig und konfliktbeladen.

1909 begann Tucholsky ein Jurastudium in Berlin und Genf. Zwar beendete er das Studium ohne die Staatsprüfung abzulegen, promovierte aber an der Universität in Jena mit einer Dissertation zum Thema Hypothekenrecht.
Ab 1911 schrieb er für die SPD-Parteizeitung "Vorwärts" und zog für die SPD auch in den Wahlkampf. Darüber hinaus war er für die sozialdemokratische Parteizeitung "Freiheit", die satirische Wochenzeitschrift "Simplicissimus" und die "Arbeiter-Illustrierte Zeitung" als freier Mitarbeiter tätig.

1912 erschien sein Kurzroman "Rheinsberg - ein Bilderbuch für Verliebte", der ihn einem größeren Publikum bekannt machte. Vorlage für die Figur der Claire war Else Weil, die er ein Jahr zuvor in Rheinsberg kennengelernt hatte.
Ab Januar 1913 arbeitete er für die Zeitschrift "Schaubühne", die 1918 in "Die Weltbühne" umbenannt und 1933 von den Nationalsozialisten verboten wurde.
Der Gründer und Herausgeber, Siegfried Jacobsohn (1881-1926), war ein Lehrer, Förderer und lebenslanger Freund Kurt Tucholksys.
1914 erschien das Buch "Der Zeitsparer - Grotesken von Ignaz Wrobel".

Den Ersten Weltkrieg verbrachte Tucholsky zunächst an der Ostfront, wo er als Armierungssoldat und Kompanieschreiber eingesetzt wurde. Ab 1916 betätigte er sich als Herausgeber der Feldzeitung "Der Flieger".
Damals lernte er auch Mary Gerold kennen, die später seine zweite Ehefrau werden sollte.
Im Sommer 1918 konvertierte er in Rumänien zum protestantischen Glauben. Der jüdschen Gemeinde hatte er bereits im Juli 1914 den Rücken gekehrt.

1918 wurde Tucholsky Chefredakteur der Satire-Zeitschrift "Ulk", die von dem Verleger Rudolf Mosse (1843-1920) herausgegeben wurde.
Im Oktober 1919 veröffentlichte er die Gedichtsammlung "Fromme Gesänge". Seine im selben Jahr erschienene Publikation "Was darf Satire?" ist heute noch ebenso aktuell wie damals.

Politisches Engagement
1920 wurde Tucholsky Mitglied der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD).
Am 3. Mai desselben Jahres heiratete er seine langjährige Freundin, die Ärztin Else Weil.
Im Juli 1920 trat Tucholsky eine neunmonatige Tätigkeit für das politische und antipolnische Hetz- und Kampfblatt "Pieron" an, was ihm seinerzeit viel Kritik einbrachte und beinahe zu einem Parteiausschluss geführt hätte. Er selbst äußerte sich dazu in der Zeitschrift "Die Weltbühne": "....ich hätte es nicht tun dürfen, und ich bereue, was ich getan habe".

Im Jahr 1923, als die Inflation in Deutschland - eine Spätfolge des Ersten Weltkrieges - ihren Höhepunkt erreichte und Tucholsky nicht mehr von seiner gewohnten Tätigkeit leben konnte, arbeitete er vorübergehend als Privatsekretär in dem Berliner Bankhaus Bett, Simon & Co. Ein Jahr später trat er eine Stelle als Auslandskorrespondent für die Weltbühne in Paris an.

Tucholsky, Demokrat, Sozialist und Anhänger der Arbeiterbewegung war einer der bedeutendsten Gesellschaftskritiker des 20. Jahrhunderts. Er verspottete den Obrigkeitsstaat unter Kaiser Wilhelm II ebenso wie später die schwache und kränkelnde Weimarer Republik und er warnte immer wieder laut und eindringlich vor den Nationalsozialisten, in denen er die größte Gefahr jener Zeit erkannte. Der Justiz - meist auf dem rechten Auge blind - und dem Militär misstraute er in hohem Maße. Aber auch das deutsche Judentum blieb von seiner Kritik nicht ausgespart und selbst Parteifreunde sahen sich immer wieder seinen Angriffen ausgesetzt. Der SPD und ganz besonders Friedrich Ebert warf er Versagen und Verrat vor.
Unbeirrt kämpfte er mit der Macht des Wortes gegen soziale und politische Missstände an.
Immer öfter und länger hielt sich Tucholsky nun im Ausland auf. Besonders lag ihm das deutsch-französische Verhältnis am Herzen und so nutzte er seine Zeit als Korrespondent in Paris zur Verbesserung der Verständigung zwischen beiden Völkern.
1926 wurde Tucholsky vorübergehend Herausgeber der "Weltbühne", überließ diesen Posten aber kurz danach seinem Freund Carl von Ossietzky.
1927 erschien "Ein Pyrenäenbuch", das er dem Andenken Siegfried Jacobsohns widmete.

1929 emigrierte Tucholsky nach Schweden, wo seine Satire "Deutschland, Deutschland über alles" erschien, mit der er nochmals eindringlich vor den Nationalsozialisten warnte. Diese Veröffentlichung war eine schonungslose Abrechnung mit seinem Heimatland, aber gleichzeitig auch eine Liebeserklärung.

In der Weltbühne veröffentlichte Tucholsky im Februar 1931 unter dem Pseudonym Theobald Tiger das in Berliner Mundart verfasste Spottgedicht "Joebbels", mit dem er sich über den späteren Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Joseph Goebbels lustig machte.
Unter dem Pseudonym Kaspar Hauser verfasste er noch im selben Jahr mit "Hitler und Goethe - Ein Schulaufsatz" eine Parodie auf den Nationalsozialismus.
Sein Gedichtband "Lerne lachen ohne zu weinen" ist ein Rundumschlag gegen Ignoranz und Intoleranz, gegen Justiz, Bürokratie und Gesellschaft sowie gegen politisches Ränkespiel, Kriegstreiberei und Religion.

Doch all seine Warnungen vor den Faschisten verhallten ebenso ungehört wie seine Plädoyers für die Weimarer Republik, für Demokratie und Menschenrechte. "Ich habe Erfolg, aber keine Wirkung", schrieb der desillusionierte und immer wieder unter Depressionen leidende Tucholsky resigniert.

Die Frauen
Tucholskys Verhältnis zu Frauen war schwierig, all seine Beziehungen waren zum Scheitern verurteilt. Er hatte unzählige Affären und war unfähig, sich dauerhaft an eine einzige Frau zu binden. Mütterliche Liebe, Anerkennung, Warmherzigkeit und Geborgenheit lernte er als Kind nicht kennen und so scheint es, als sei er sein Leben lang auf der Suche gewesen....

Seine 1921 geschlossene Ehe mit Else Weil endete bereits am 14. Februar 1924.
Nach der Scheidung heiratete er am 30. August desselben Jahres die aus Lettland stammende Mary Gerold, die er während des Ersten Weltkrieges kennengelernt hatte. Obwohl diese Frau seine große Liebe war und er mit ihr die schönsten, wenn auch nicht gänzlich ungetrübten Jahre seines Lebens verbrachte, endete auch diese Ehe bereits am 21. August 1933. Dennoch blieb das Paar in Freundschaft verbunden. Nach dem Tod ihres Ex-Ehemannes wurde Mary Gerold nicht nur dessen Alleinerbin und Nachlassverwalterin sondern auch Gründerin des Kurt-Tucholsky-Archivs und der Kurt-Tucholsky-Stiftung.
Noch kurz vor seinem Tod schrieb er an Mary Gerold:

"Will Ihm zum Abschied die Hand geben und Ihn um Verzeihung bitten, für das, was Ihm einmal angetan hat. Hat einen Goldklumpen in der Hand gehabt und sich nach Rechenpfennigen gebückt; hat nichts verstanden und hat Dummheiten gemacht, hat zwar nicht verraten, aber betrogen, und hat nicht verstanden. ...Jetzt sind es beinahe auf den Tag sieben Jahre, dass weggegangen ist, nein, dass hat weggehen lassen - und nun stürzen die Erinnerungen nur so herunter, alle zusammen. Ich weiß, was ich in Ihm und an Ihm beklage: unser ungelebtes Leben."

Mary starb am 16. Oktober 1987 in Kreuth/Bayern rund fünf Wochen vor Vollendung ihres 89. Geburtstages.
Tucholskys ersten Ehefrau Else war indes nur ein kurzes Leben vergönnt. Nachdem ihr 1938 von den Nationalsozialisten wegen ihrer jüdischen Herkunft die Approbation als Ärztin entzogen worden war, emigrierte sie nach Paris, wo sie nach der Besetzung Frankreichs verhaftet und am 11. September 1942 im KZ Auschwitz-Birkenau ermordet wurde. Sie wurde 53 Jahre alt.
Auch Tucholskys Mutter wurde ein Opfer der Nazis - sie kam ein Jahr später im KZ Theresienstadt ums Leben.

Die letzten Jahre
1931 erschien mit dem Roman "Schloß Gripsholm" eines seiner bekanntesten Werke.
1933 wurden Tucholskys düstersten Vorahnungen wahr: die Nationalsozialisten kamen an die Macht, Tucholskys Bücher wurden verbrannt und er selbst aus Deutschland ausgebürgert.

Im Oktober 1935 musste er wegen eines Magenleidens für drei Wochen in ein Krankenhaus. Am 21. Dezember 1935 starb Kurt Tucholsky im Alter von 45 Jahren an einer Überdosis Barbituraten, die ihm gegen seine Einschlafprobleme verschrieben worden waren.
Ob es sich bei seinem Tod um Selbstmord oder einen Unglücksfall handelte, konnte nie zweifelsfrei geklärt werden. Allerdings hatte Tucholsky kurz zuvor sein Testament geändert, mehrere Abschiedsbriefe geschrieben und sein politisches Testament an Arnold Zweig verschickt. Tucholskys Lage war verzweifelt, seine Zukunft ungewiss. Seit vielen Jahren schon litt er an einer chronischen Atemwegs- und Nasenerkrankung, die fünf Operationen zur Folge hatte, Depressionen verdüsterten sein Leben, sein Vermögen war von den Nationalsozialisten eingezogen und seine Konten gesperrt worden.

Tucholskys Asche wurde im Sommer 1936 unter einer Eiche in der Nähe von Schloss Gripsholm im schwedischen Mariefred beigesetzt. Die Inschrift der Grabplatte lautet: "Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis" - ein Zitat aus Goethes Faust II.

Ehrungen
In Berlin-Pankow wurden eine Bibliothek und eine Oberschule und in Berlin-Mitte eine Straße nach Kurt Tucholsky benannt.
An der Außenfassade seines Geburtshauses in der Lübecker Straße 13 im Stadtteil Moabit in Berlin-Mitte, erinnert eine Gedenktafel an den berühmten Sohn der Stadt.
Im Rheinsberger Schloss wurde ihm zu Ehren das Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum eingerichtet.
Neben dem Kurt-Tucholsky-Preis in Deutschland, mit dem publizistische Literatur ausgezeichnet wird, gibt es auch einen Tucholsky-Preis in Schweden (Tucholskypriset), mit dem Schriftsteller ausgezeichnet werden, die wegen politischer Verfolgung in ihren Heimatländern im Exil leben müssen.

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