Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Flughafen Tempelhof

Berlin, Flughafen Tempelhof Als "Mutter aller Flughäfen" bezeichnete der englische Stararchitekt und Erbauer der Reichstagskuppel, Norman Foster, den Flughafen Tempelhof, der mit 1,2 Kilometern einst das längste Gebäude der Welt besaß.
Der Flughafen liegt im gleichnamigen Berliner Bezirk Tempelhof, nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und ersteckt sich bis nach Neukölln.

Ursprünglich war das Tempelhofer Feld, auf dem der Flughafen später errichtet wurde, reines Ackerland. Später machte Friedrich Wilhelm I, der eine Vorliebe für das Militärische hatte und deshalb auch den Beinamen "Soldatenkönig" erhielt, nicht nur aus dem Lustgarten sondern auch aus dem Tempelhofer Feld einen Exerzierplatz.
Nicht nur Kaiser Wilhelm I bediente sich der Fläche, um dort seine Geburtstage und seine militärischen Erfolge zu feiern, auch Kaiser Wilhelm II nahm dort die traditionelle Herbstparade des Gardecorps ab.
Die Berliner nutzten das weitflächige Areal als Rummelplatz und als Naherholungsgebiet und so entstand bald ein Paradies für Schlitt- und Rollschuhläufer, Golfer, Tennis-Begeisterte und Anhänger von Rad- und Pferderennen. Darüberhinaus entstanden Gartenlokale und Amüsierbetriebe.
Selbst Orville Wright, einer der bedeutendsten Pioniere der Luftfahrt, nutzte Tempelhof, um im September 1909 im Beisein der kaiserlichen Familie seine Flugvorführungen zu zeigen und einen Höhenrekord von 160 Metern aufzustellen.

Die ersten Arbeiten am Flughafen begannen 1922 mit dem Planieren des ehemaligen Exerzierplatzes. Im Jahre 1924 begann man mit dem Bau der Flugzeughallen, die im Jahr 1927 abgeschlossen waren.
Berlin, Luftbrückendenkmal Als weltweit einzigartig galt zu jener Zeit die Anbindung des Flughafens an eine U Bahnstation.
Die im Jahre 1926 aus der Taufe gehobene Lufthansa machte Tempelhof zu ihrem Heimatflughafen, auf dem nicht nur Flugzeuge starteten und landeten sondern auch Zeppeline.

Bereits 1930 begann man auf Grund der rasanten Entwicklung im Flugverkehr mit dem Neubau eines Flughafens, da der alte bereits nach kurzer Zeit nicht mehr den Anforderungen genügte.
Mit der Planung beauftragt wurde Ernst Sagebiel, der Architekt des Reichsluftfahrtministeriums.
Sagebiel kreierte einen Flughafen, der zu seiner Zeit als bahnbrechend galt und Vorbild für alle anderen modernen Flughäfen wurde.
Vorgesehen waren nicht nur getrennte Funktionsebenen sondern auch Gastronomiebetriebe, Hotellerie, Kongresszentrum usw. Auch die Dachkonstruktion, die sich über den Flugsteig erstreckte, war revolutionär.
Zudem waren auch weitverzweigte, sich über drei Etagen erstreckende unterirdische Anlagen vorgesehen, wie beispielsweise Fabrikationshallen, Filmarchive, Kraftwerke sowie eine Versorgungsstraße und ein Eisenbahntunnel.
Allerdings konnten nicht alle Pläne realisiert werden, denn bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1939 wurden die Arbeiten an der Baustelle eingestellt.
Bis dahin belegte der Flughafen Tempelhof noch vor Paris und London den ersten Platz in Europa.
Zum Gedenken an die Opfer der Berliner Luftbrücke
Das Columbiahaus, ein um 1900 am nördlichen Rand des Tempelhofer Feldes errichtetes Militärgefängnis wurde 1933 zunächst als Gestapo-Gefängnis und ab Ende 1934 als Konzentrationslager genutzt.
1936 wurde das KZ aufgelöst und die Gefangenen in das KZ Sachsenhausen überstellt.
Das Gebäude wurde im Jahre 1938 wegen des geplanten Flughafenausbaus abgerissen. Seit 1994 erinnert ein Denkmal des Bildhauers Georg Seibert an das ehemalige KZ und seine unbekannten Opfer.

1939 begann man mit der Produktion von Bombern. Die dazu nötigen Arbeitskräfte rekrutierte man aus Zwangsarbeitern, die man aus den besetzten Gebieten Europas nach Berlin verschleppte.
Im Zweiten Weltkrieg wurden die unterirdischen Räume von den Berlinern als Luftschutzbunker genutzt.
1945 fiel der Flughafen Tempelhof zunächst in die Hände der Roten Armee und wurde danach den Amerikanern übergeben, die Tempelhof ab 1947 als Militärstützpunkt nutzten.

Zusammen mit Gatow und Tegel spielte der Flughafen Tempelhof eine überaus bedeutende Rolle während der Berlinblockade durch die Sowjets.
General Lucius D. Clay realisierte eine zunächst wahnwitzig erscheinende Idee, nämlich die komplette Versorgung einer 2,2 Millonen Einwohner zählenden Großstadt ausschließlich auf dem Luftweg.
Vom 26. Juni 1948 bis 12. Mai 1949 wurde Berlin mit Kohle, Lebensmitteln und Konsumgütern versorgt. Rund 278.000 Flüge brachten über 2 Millionen Tonnen Fracht in die Stadt und sicherten so ihr Überleben.
Als der US-Pilot Gail Halvorsen auf die Idee kam, für die Berliner Kinder Süßigkeiten an kleinen selbstgebastelten Fallschirmen aus dem Cockpit-Fenster zu werfen, eine Idee, die von anderen Piloten aufgegriffen wurde, war der Name für die überlebenswichtigen Flugzeuge geboren: "Rosinenbomber"!

Zur Erinnerung an diese Versorgungsflüge und an die 83 Menschen, die dabei ums Leben kamen, wurde auf dem "Platz der Luftbrücke" ein Luftbrückendenkmal errichtet, das auf Grund seines Aussehens den Spitznamen "Hungerharke" erhielt.

Da Tempelhof dem ständig steigenden Fluggastaufkommen in den Siebziger Jahren nicht mehr gewachsen war, rückte der Flughafen Tegel, der sich im französischen Sektor befand und vom Hamburger Stararchitekten Gerkan, der Jahre später auch den Berliner Hauptbahnhof entwarf, an seine Stelle.
Tempelhof wurde 1975 zunächst geschlossen, aber 1985 für kleinere Maschinen wieder geöffnet.

1996 entschied man, Tempelhof endgültig aufzugeben und den Flugverkehr zum neu zu errichtenden Großflughafen Schönefeld zu verlagern.
Da ein Volksbegehren zum Erhalt des Flughafens Tempelhof scheiterte, wurde er am 30. Oktober 2008 endgültig geschlossen.
Seit 2009 wird der Flughafen für Ausstellungen und Messen genutzt. U.a. findet hier die Modemesse "Bread & Butter" statt. In einem der Hangare wurde eine Eishalle für Trainingszwecke geschaffen.

Nach heftigen und anhaltenden Protesten der Bevölkerung wurde der Tempelhofer Park, der auf dem ehemaligen Flughafengelände liegt, im Mai 2010 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seither erfreut er sich wachsender Beliebtheit und wird gerne von den Berlinern für ihre Freizeitgestaltung genutzt - genau wie zu Kaisers Zeiten......

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