Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Bruno Taut

Bruno Julius Florian Taut wurde am 4. Mai 1880 als Sohn des Kaufmanns Julius Taut in Königsberg geboren und starb am 24. Dezember 1938 in Istanbul.
Er war Architekt und Stadtplaner.

Nach dem Besuch des Gymnasiums absolvierte Taut zunächst eine Architekturausbildung an der Baugewerbeschule in Königsberg und arbeitete später im Büro des angesehenen Berliner Architekten Bruno Möhring.
Von 1904 bis 1908 war Taut in Stuttgart tätig, wo er u.a. auch den Auftrag zur Erneuerung der Dorfkirche in Unterriexingen bei Ludwigsburg erhielt.

1908 kehrte Taut nach Berlin zurück und nahm an der Technischen Hochschule in Charlottenburg ein Studium für Kunstgeschichte und Städtebau auf.
Ein Jahr später gründete er in Berlin mit Franz Hoffmann ein Architekturbüro, in dem ab 1912 auch sein jüngerer Bruder Max (1884-1967), der sich besonders durch seine Bürobauten einen Namen machte, arbeitete.
Bruno Taut war auch Mitglied im Deutschen Werkbund, einer Vereinigung von Künstlern, Architekten, Unternehmern und Sachverständigen.
1913 begann Taut mit der Planung der Gartenstadt Falkenberg in Berlin, die wegen ihrer bunt bemalten Hausfassaden den Spitznamen "Kolonie Tuschkasten" erhielt.
1914 wurde Taut mit dem Entwurf des Glashaus-Pavillons der Deutschen Glasindustrie auf der Kölner Ausstellung des Deutschen Werkbundes betraut.

Taut vertrat die Architektur der Moderne, die neue Ideen aufgriff und bis dahin unbekannte Wege beschritt. Die besonders intensive Farbgestaltung der Hausfassaden war ein typisches Merkmal.
Da Taut während des Ersten Weltkriegs den Bau einer Brandenburger Pulverfabrik leitete, brauchte er keinen Wehrdienst abzuleisten. Taut verfasste ein Antikriegsmanifest und entwarf Friedensdenkmäler.
In den Jahren 1918 und 1919 veröffentlichte er die Bildzyklen "Alpine Architektur" und "Auflösung der Städte", mit denen er die Verschmelzung von Architektur und Natur propagierte.

Unter dem Einfluss der Novemberrevolution schloss Taut sich der in Berlin gegründeten "Novembergruppe" an und wurde Mitbegründer des Arbeitsrates für Kunst, einer Vereinigung von Architekten und Künstlern.
Darüber hinaus gründete Taut "Die Gläserne Kette", eine hauptsächlich aus Architekten bestehende Gemeinschaft, denen u.a. auch Hans Scharoun und Walter Gropius angehörten.

1921 entwarf Taut sowohl die Bühnenbilder als auch die Kostüme zu Schillers Drama "Jungfrau von Orléans", das im Deutschen Theater in Berlin aufgeführt wurde.
Im selben Jahr wurde Taut als Stadtbaurat nach Magdeburg berufen. Er entwarf die Ausstellungshalle "Stadt und Land". Allerdings blieb sie sein einziges Projekt, das er in dieser Stadt verwirklichen konnte.
Immerhin gelang es ihm noch, das Erscheinungsbild der Magdeburger Innenstadt dadurch zu beleben, dass er 80 Hausfassaden farbig gestalten ließ, was ihm sowohl Kritik als auch Lob und Anerkennung einbrachte.

1924 kehrte Taut nach Berlin zurück und wurde Mitglied der Berliner Architektenvereinigung "Zehner-Ring". Er realisierte zahlreiche Wohnungsbauprojekte und errichtete Siedlungen mit rund 12.000 Wohnungen.
1927 wurde Taut Mitglied der Reichsforschungsgesellschaft für Wirtschaftlichkeit im Bau- und Wohnungswesen (RfG)
Die Weltwirtschaftskrise 1929 brachte auch das Ende des staatlichen Wohnungsbauprogramms.

1930 wurde Taut zum Professor für Siedlungs- und Wohnungswesen an die Technische Hochschule in Berlin-Charlottenburg berufen. Darüber hinaus wurde er Mitglied der Preußischen Akademie der Künste und Ehrenmitglied des Internationalen Architektenbundes in Japan.
1931 wurde Bruno Taut Mitglied der Preußischen Akademie der Künste und Ehrenmitglied des "American Institute of Architects" (AIA).
1932 arbeitete Taut in Moskau für die Stadtverwaltung, kehrte aber 1933 wieder nach Berlin zurück. Allerdings konnte er hier nicht mehr Fuß fassen, da er als Vertreter des modernen Baustils für die Nationalsozialisten ein sogenannter "Kulturbolschewist" war. Sowohl die Professur als auch die Mitgliedschaft an der Berliner Akademie der Künste wurden ihm entzogen.
Taut emigrierte über die Schweiz nach Japan.

Drei Jahre später ging Taut in die Türkei. Er übernahm die Leitung der Architekturabteilung an der Akademie der Schönen Künste in Istanbul und wurde Leiter der Bauabteilung im Unterrichtsministerium in Ankara.
1938 veranstaltete die türkische Akademie der Künste ihm zu Ehren eine Ausstellung über sein Lebenswerk.
Am 24. Dezember 1938 starb der schon seit Jahren an Asthma leidende Bruno Taut an einem schweren Anfall. Er wurde 58 Jahre alt.
Seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof Edirnekapi in Istanbul.

Bauwerke in Berlin

Gartenstadt Falkenberg in Berlin-Treptow
Wohnbebauung in Berlin-Tegel, im Berliner Bezirk Reinickendorf
Ringsiedlung Siemensstadt in Berlin-Spandau
Wohnstadt Carl Legien, in Prenzlauer Berg, Berlin-Pankow
Wohnanlage Grellstraße in Prenzlauer Berg, Berlin-Pankow
Siedlung Schillerpark in Wedding, Berlin-Mitte
Hufeisensiedlung in Berlin-Britz, im Berliner Bezirk Neukölln
Wohnanlage Ossastraße in Berlin-Neukölln
Waldsiedlung "Onkel Toms Hütte" in Berlin-Zehlendorf

Die von Bruno Taut entworfenen Siedlungen Gartenstadt Falkenberg, Wohnstadt Carl Legien, Ringsiedlung Siemensstadt, Hufeisensiedlung Britz und die Siedlung Schillerpark wurden von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

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