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Stolpersteine

Überall in Berlin treffen wir auf sie und es werden immer mehr - Stolpersteine. Die 10x10 cm großen und mit Messingtafeln versehenen Betonsteine sind ein Projekt des 1947 in Berlin geborenen und in Köln ansässigen Bildhauers Gunter Demnig.
Die im Gehweg vor den ehemaligen Wohnadressen eingelassenen Steine sollen an das Schicksal jener erinnern, die während der Herrschaft der Nationalsozialisten verfolgt und vertrieben wurden und den Holocaust nicht überlebten.

Angefangen hat alles am 16. Dezember 1992. Um für das Bleiberecht von aus Jugoslawien geflohenen Roma ein Zeichen zu setzen, versenkte Demnig einen beschrifteten Stein in das Pflaster vor dem Kölner Rathaus. Zu lesen waren die ersten Zeilen eines Erlasses von Heinrich Himmler zur Deportation von Sinti und Roma.
Am 4. Januar 1995 verlegte Demnig ohne offizielle Genehmigung die ersten Stolpersteine in Köln, die nächsten Stolpersteine verlegte er ein Jahr darauf in der Oranienstraße in Berlin-Kreuzberg. Auch dies war eine nicht genehmigte Aktion.
Erst im Jahr 2000 konnte Demnig die ersten behördlich genehmigten Stolpersteine in Köln verlegen.

In die goldfarbenen Messingplatten der Steine werden jeweils die Worte "Hier wohnte", Name, Jahrgang und Stichworte zum Schicksal des verfolgten, deportierten oder ermordeten Mitbürgers eingestanzt.
Das Anliegen des Künstlers ist es, den NS-Opfern, die in den Konzentrationslagern zu Nummern verkamen, ihre Namen und damit ein Stück ihrer Identität und auch ihrer Würde zurückzugeben. Auch soll die Aussage vieler Zeitgenossen, niemals etwas von den Deportationen jüdischer Mitbürger bemerkt zu haben, als Schutzbehauptung entlarvt werden.

Zahlreiche Vereine, Hausgemeinschaften und Initiativen arbeiten inzwischen mit Gunter Demnig zusammen. Sie durchforsten alte Adressbücher, durchstöbern Archive und nutzen die Datenbank der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem.
Das Projekt wird durch private Spender finanziert, die für die Materialkosten und das Verlegen der ausschließlich in Handarbeit hergestellten Stolpersteine aufkommen.
Inzwischen wird Demnig von dem Bildhauer Michael Friedrichs-Friedländer unterstützt, der seit 2006 die Stolpersteine in seiner Werkstatt im Künstlerhof Berlin-Buch, im Bezirk Pankow anfertigt.

Schon längst stößt das Projekt auch in vielen anderen europäischen Ländern auf großes Interesse und die Anfragen an Gunter Demnig aus dem Ausland häufen sich.
Trotz des großen Erfolges dieser Aktion geben nicht alle deutschen Städte und Gemeinden ihr Einverständnis zum Verlegen der Stolpersteine. Häufig kommen die Einwände gerade von ihren jüdischen Mitbürgern, die dabei auch auf die Kritik von Charlotte Knobloch, der ehemaligen Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland verweisen, die es unerträglich findet, dass auf den Steinen mit dem Namen ermordeter Juden herumgetreten wird.
Allerdings gehen die Meinungen und Ansichten hier weit auseinander, denn das Bücken, um die Texte auf den Stolpersteinen zu lesen, ist für andere eine symbolische Verbeugung vor den Opfern.
"So werden die Stolpersteine zu Mahnern und Sprechern und Rufern. Sie rufen: jeder Mensch hat einen Namen!"
Dies waren die Worte von Miriam Gillis-Carlebach bei der Verleihung des German Jewish History Awards, den Gunter Demnig 2005 im Berliner Abgeordnetenhaus im Empfang nahm.
Die Auszeichnung für herausragende Beiträge zur Dokumentation jüdischer Geschichte und Kultur in Deutschland wird alljährlich von der amerikanischen Obermeyer Foundation verliehen.

Im Berliner Bezirk Charlottenburg wurden inzwischen Stolpersteine gesetzt, die auch auf die Verfolgung und Ermordung von Kommunisten und Homosexuellen aufmerksam machen.

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