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Philipp Scheidemann

Philipp Scheidemann wurde am 26. Juli 1865 in Kassel geboren und starb am 29. November 1939 im dänischen Exil in Kopenhagen.
Der SPD-Politiker war Publizist und Ministerpräsident der Weimarer Republik.

Die frühen Jahre
Ausrufung der Weimarer Republik
Anfeindungen
Exil

Die frühen Jahre
Philipp Scheidemann war der Sohn des Tapezierer- und Polsterermeisters Friedrich Scheidemann und dessen Ehefrau Wilhelmine Pape.
Nach seinem Realschulabschluss erlernte er das Handwerk eines Schriftsetzers und Buchdruckers und arbeitete in den Folgejahren als Schriftsetzergehilfe, Korrektor und Faktor.

1883 trat Scheidemann in die Gewerkschaft ein und wurde Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) - trotz oder gerade wegen des von Otto von Bismarck erlassenen Sozialistengesetzes vom 21. Oktober 1878, das jegliche Aktivitäten von Sozialdemokraten und Gewerkschaftlern unter Strafe stellte, wohl aber Sozialdemokraten die Kandidatur für den Reichstag erlaubte.
Scheidemann gründete eine sozialdemokratische Zeitung und erwarb sich schon bald den Ruf eines herausragenden Redners.
In der Folgezeit arbeitete er als Journalist und Redakteur für mehrere Parteizeitungen der SPD.

1889 heiratete Scheidemann Johanna Dibbern (1864-1926). Aus dieser Ehe gingen drei Töchter hervor.
Von 1903 bis 1933 war er Mitglied des Reichstages und von 1906 bis 1911 Stadtverordneter in Kassel. Außerdem hatte er von 1913 bis 1918 gemeinsam mit Hugo Haase den Vorsitz der SPD-Fraktion inne.

Während des Ersten Weltkrieges vertrat Scheidemann eine eher moderate Linie. Zwar befürwortete er die Bewilligung der Kriegskredite, trat aber andererseits für eine Verständigungs- und Friedenspolitik ein.
Nach der Abspaltung der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) wurde Scheidemann Vorstandsmitglied der SPD.

Ausrufung der Weimarer Republik
Nachdem Reichskanzler Max von Baden am 9. November 1918 eigenmächtig die Abdankung des sich in Belgien befindlichen Kaisers Wilhelm II und den Thronverzicht des Kronprinzen bekanntgegeben hatte, rief Scheidemann wenige Stunden später vom Reichstag die Deutsche Republik aus:

"Arbeiter und Soldaten! Furchtbar waren die vier Kriegsjahre, grauenhaft waren die Opfer, die das Volk an Gut und Blut hat bringen müssen, der unglückselige Krieg ist zu Ende. Das Morden ist vorbei. Die Folgen des Kriegs, Not und Elend, werden noch viele Jahre lang auf uns lasten. Die Niederlage, die wir unter allen Umständen verhüten wollten, ist uns nicht erspart geblieben. Der Kaiser hat abgedankt, er und seine Freunde sind verschwunden. Über sie alle hat das Volk auf der ganzen Linie gesiegt. [.....]
Arbeiter und Soldaten, seid Euch der geschichtlichen Bedeutung dieses Tages bewusst: Unerhörtes ist geschehen. Große und unübersehbare Arbeit steht uns bevor. Alles für das Volk. Alles durch das Volk. Nichts darf geschehen, was der Arbeiterbewegung zur Unehre gereicht. Seid einig, treu und pflichtbewusst!
Das Alte und Morsche, die Monarchie ist zusammengebrochen. Es lebe das Neue! Es lebe die deutsche Republik".

Zwei Stunden später rief Karl Liebknecht vor dem Berliner Schloss eine "freie sozialistische Republik" aus.

Anfeindungen
Am 13. Februar 1919 wurde Scheidemann Reichsministerpräsident, trat aber bereits am 20. Juni von diesem Amt zurück, da er nicht mit den Friedensbedingungen des Versailler Vertrages einverstanden war.
"Welche Hand müsse nicht verdorren, die sich und uns diese Fessel legt?"

Scheidemann war ein Pragmatiker, er war umgänglich, humorvoll, aber auch hartnäckig und er setzte sich als erklärter Gegner der Hohenzollern mit Nachdruck für die Sicherung der Republik ein:
"Wir lassen uns an Liebe zu unserem Vaterland und zu unserem Volke von niemandem übertreffen."

1920 übernahm Scheidemann das Amt des Oberbürgermeisters von Kassel, trat aber 1925 wegen Anfeindungen, innerparteilichen Querelen und einer schweren Wahlniederlage der SPD von diesem Amt zurück.

Sowohl bei den extremen Linken als auch bei den extremen Rechten hatte sich Scheidemann im Laufe seiner politischen Karriere erbitterte Feinde gemacht, was am 4. Juni 1922 - nur wenige Tage vor dem Attentat auf Walter Rathenau - zu einem Mordanschlag auf ihn führte. Mitglieder der Organisation Consul lauerten ihm bei einem Spaziergang auf und versuchten, ihm Blausäure ins Gesicht zu spritzen. Scheidemann überlebte das Attentat jedoch unversehrt, nicht zuletzt wegen einer Pistole, die er stets bei sich trug und mit der er die Angreifer in die Flucht jagen konnte.
Scheidemann traf dieser Anschlag nicht unvorbereitet. Zahlreiche politisch motivierte Morde, wie beispielsweise an Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg oder Matthias Erzberger hatten die junge Republik zuvor erschüttert und auch Scheidemann hatte wiederholt Morddrohungen erhalten. Sein Haus war immer wieder mit Hakenkreuzen beschmiert worden.
1928 veröffentlichte Scheidemann seine Autobiographie in zwei Bänden: "Memoiren eines Sozialdemokraten".

Exil
Nachdem Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zur Macht verholfen hatte, kehrte Scheidemann Deutschland den Rücken. Seine Flucht führte ihn über Prag, die Schweiz, Frankreich und die USA schließlich nach Dänemark, wo er in Kopenhagen ansässig wurde.
Im August 1933 wurde ihm von den Nationalsozialisten die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt.

Am 29. November 1939 verstarb Philipp Scheidemann in seinem dänischen Exil im Alter von 74 Jahren.
Seine Asche wurde 1953 von Kopenhagen nach Kassel überführt, wo sie in einem Ehrengrab der Stadt beigesetzt wurde.
Allerdings geschah dies gegen den ausdrücklichen Wunsch des Verstorbenen, denn dieser wollte auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf bei Berlin an der Seite seiner im August 1926 verstorbenen Frau Johanna zur ewigen Ruhe gebettet werden.

Am 24. Oktober 1965 wurde in Berlin-Mitte ein Straße nach Scheidemann benannt.
Eine Berliner Gedenktafel am Haus Lenbachstraße 6a in Berlin-Steglitz erinnert an den ehemaligen Ministerpräsidenten der Weimarer Republik.

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