Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Rosa Luxemburg

Rosa Luxemburg wurde als Rozalia Luxenburg am 5. März 1871 in Zamosc (Russisch-Polen) geboren und starb am 15. Januar 1919 in Berlin.
Sie war eine Marxistin, die die Revolution, wo immer diese auch stattfand, begrüßte und die Diktatur des Volkes anstrebte, nicht aber die Diktatur einer Partei oder einer Clique. Den vom Staat verordneten Sozialismus lehnte sie ebenso ab wie Kapitalismus, Ausbeutung und Krieg.

Die frühen Jahre
Umzug nach Zürich
Eintritt in die SPD
Die Friedensaktivistin
Die Novemberrevolution
Gründung der KPD
Verhaftung und Tod
Nachtrag

Die frühen Jahre
Rosa Luxemburg war das Nesthäkchen der Familie. Gemeinsam mit vier Geschwistern wuchs sie in einem gebildeten und wohlbehüteten Elternhaus auf. Ihr Vater, Eliasz Luxenburg, war ein jüdischer Holzhändler, ihre Mutter, Line Löwenstein, war die Tochter eines Rabbiners.
1873 siedelte die Familie nach Warschau über, da sich der Vater dadurch einen geschäftlichen Vorteil versprach. Doch der wirtschaftliche Aufschwung blieb aus und so musste sich die siebenköpfige Familie eine Dreizimmerwohnung miteinander teilen.

Als Fünfjährige wurde Rosa an der Hüfte operiert. Wegen einer Fehldiagnose und einer daraus resultierenden Fehlbehandlung blieb eine lebenslange leichte Gehbehinderung zurück.
Ein Jahr lang musste Rosa das Bett hüten. Während dieser Zeit lernte sie schreiben und lesen. Erst als Neunjährige wurde sie eingeschult. Zuvor hatte sie ihre Mutter zu Hause unterrichtet und sie auch in der deutschen Sprache unterwiesen.
Rosa besuchte ein Mädchengymnasium und erwies sich als eine überaus gute, aber manchmal auch recht aufsässige Schülerin. Besonders interessierte sie sich schon damals für Politik, weshalb sie sich bereits als Jugendliche an der im Untergrund wirkenden Arbeiterbewegung "Zweites Proletariat" beteiligte. Sie las streng verbotene Schriften wie das "Manifest der Kommunistischen Partei" und kam so mit der Gedankenwelt von Karl Marx in Berührung.

Obwohl Luxemburg ein exzellentes Abitur ablegte, war es ihr damals als Frau unmöglich, in Polen ein Studium aufzunehmen.

Umzug nach Zürich
Im Februar 1889 zog sie nach Zürich, wo sie den polnischen Marxisten Leo Jogiches kennenlernte. Der Spross einer reichen jüdischen Kaufmannsfamilie wurde ihre erste große Liebe, aber auch ihre erste Enttäuschung. Sie träumte von einem bürgerlichen Leben, er träumte von der sozialistischen Revolution. Sie wollte ein Kind, er wollte seine Freiheit.
Jogiches bestand darauf, dass ihr Verhältnis geheim blieb und seine Geliebte fügte sich seinem Willen. Was die beiden verband, waren ihre politischen Überzeugungen. Auch Jogiches arbeitete bereits als Jugendlicher im Untergrund und war deswegen eine Zeitlang inhaftiert.
Jogiches erwies sich seiner Geliebten gegenüber als sehr großzügig und finanzierte ihr sowohl den Lebensunterhalt als auch ein Studium, das diese 1897 mit der Promotion zum Thema "Polens industrielle Entwicklung" abschloss.

Rozalia Luxenburg, die sich inzwischen Rosa Luxemburg nannte, engagierte sich für die sozialistische Arbeiterbewegung und gründete 1893 gemeinsam mit Leo Jogiches und dem polnischen Politiker Julian Marchlewski die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Polens und Litauens (SDKP).
Die etwas kleingewachsene und ein wenig untersetzte Luxemburg zeigte ihre ganze Größe als herausragende und mitreißende Rednerin. Ihre rhetorischen Fähigkeiten konnte sie erstmals 1893 anlässlich des Dritten Kongresses der Sozialistischen Internationale in Zürich unter Beweis stellen.

Im Jahr 1897 erlag Mutter Line einem Krebsleiden.
Ein Jahr später zog Luxemburg nach Berlin. Um den dafür notwendigen deutschen Pass vorweisen zu können, fädelten ihre Genossen eine Scheinehe mit dem deutschen Emigranten Gustav Lübeck ein. Nach der standesamtlichen Trauung verließ Luxemburg die Schweiz - Jogiches blieb beleidigt zuück.
Die Ehe mit Lübeck wurde 1903 geschieden.
Drei Jahre zuvor war Vater Eliasz gestorben.

Eintritt in die SPD
Im Mai 1898 trat Luxemburg in die SPD ein.
Sie plädierte für die Revolution des Proletariats mit leidenschaftlichen Artikeln und kämpfte ebenso wortgewandt wie radikal als Rednerin für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.
In der Friedenauer Cranachstraße 58 in Berlin-Schöneberg bezog Luxemburg eine Zweizimmerwohnung, die sie sich mit ihrem Geliebten Leo Jogiches, der ihr 1902 nach Berlin gefolgt war, teilte. Zum ersten Mal stand sich das Paar nun auch räumlich nahe.

Als sie während des Reichstagswahlkampfs Wilhelm II mit den Worten attackierte:
"Der Mann, der von der guten und gesicherten Existenz der deutschen Arbeiter spricht, hat keine Ahnung von den Tatsachen".
wurde sie 1904 wegen Majestätsbeleidigung angeklagt und zu einer dreimonatigen Haftstrafe verurteilt, von der sie sechs Wochen absitzen musste.

Als 1905 in Russland und Polen Unruhen ausbrachen, waren Luxemburg und Jogiches vor Ort, um die Revolution zu unterstützen, doch beide wurden verhaftet.
Erst als ihr Brüder eine Kaution stellte, kam Luxemburg wieder frei. Jogiches blieb im Gefängnis.
Nach Berlin zurückgekehrt, verliebte sich Luxemburg in den fünfzehn Jahre jüngeren Kostja Zetkin, den Sohn der Friedensaktivistin und Frauenrechtlerin Clara Zetkin. Er zog bei ihr ein und als Jogiches 1907 ebenfalls wieder nach Berlin zurückkehrte, kam es zu einer wilden Eifersuchtsszene, als der Gehörnte mit einem Revolver bewaffnet damit drohte, den Rivalen und sich selbst zu erschießen.

Die Friedensaktivistin
1912 nahm Luxemburg an dem europäischen Sozialistenkongress in Paris teil. Dort wurde ein Generalstreik der europäischen Arbeiter vereinbart, sollte es zu einem Krieg kommen.
Als Luxemburg am 25. September 1913 eine Antikriegsdemonstration organisierte und im hessischen Fechenheim Hunderttausende zu Kriegsdienst- und Befehlsverweigerung aufrief, wurde sie abermals verhaftet und 1914 wegen "Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze und Anordnungen der Obrigkeit" zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Insgesamt verbrachte sie während des Krieges fast dreieinhalb Jahre im Gefängnis. Während ihrer Gefangenschaft pflegte sie einen sehr innigen Briefwechsel mit ihrem Freund Hans Diefenbach, der als Militärarzt an der Westfront diente und 1917 fiel.

Zum Entsetzen Luxemburgs gewährte die SPD im August 1914 dem Kaiserreich die zum Ersten Weltkrieg notwendigen Kredite. Nur Karl Liebknecht widersetzte sich und stimmte dagegen. Luxemburgs langjähriger Kampf um Friedenserhaltung in Europa war gescheitert, was sie zutiefst erschütterte und deprimierte. Sie empfand das Verhalten der SPD als Verrat und kehrte der Partei, von der sie sich schon seit langem ausgegrenzt sah, nun endgültig den Rücken.
Dennoch ließ sie sich nicht entmutigen und organisierte mit Gleichgesinnten eine Opposition zur offiziellen Parteilinie. 1915 gründete sie die Gruppe "Internationale", aus der ein Jahr später der "Spartakusbund" entstand, dem sich auch Karl Liebknecht anschloss.

Auch aus dem Gefängnis heraus rief Luxemburg zum Widerstand auf. Ihr wichtigster Mitstreiter wurde Karl Liebknecht, mit dem sie gemeinsam die Spartakusbriefe veröffentlichte, die ein Ende des Burgfriedens forderten und die sofortige Einstellung aller Kriegshandlungen.
Die SPD überstand diese Zerreißprobe nicht unbeschadet. Es spaltete sich eine Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) ab, der sich Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht mit ihrer Untergruppe, dem Spartakusbund, anschlossen.

Die Novemberrevolution
Bereits im Sommer 1918 zeichnete sich ab, dass der Erste Weltkrieg für Deutschland verloren war. Als trotz der bereits laufenden Vorverhandlungen zum Waffenstillstand die deutsche Marine Ende Oktober 1918 zu einem letzten Gefecht um der Ehre willen gegen die Briten aufgerufen wurde, kam es zu Befehlsverweigerung mehrerer Schlachtschiffsbesatzungen, dem sogenannten "Kieler Matrosenaufstand".
Diese Meuterei eskalierte zu einem offenen Aufstand, der Novemberrevolution, die zur Abdankung des Kaisers führte und das Land ins Chaos stürzte.
Am 9. November rief Karl Liebknecht vor dem Berliner Schloss die "freie sozialistische Republik" aus.
Kurz zuvor hatte Philipp Scheidemann die Abdankung des Kaisers verkündet und von einem Fenster des Reichstages die "Deutsche Republik" ausgerufen.

Nach sowjetischem Vorbild formierten sich in Betrieben und Kasernen Arbeiter- und Soldatenräte.
Zwar begrüßte Luxemburg die erfolgreiche Revolution in Russland, aber sie distanzierte sich auch klar von dem blutigen Terror, der dieser Revolution folgte. Sie verurteilte die Politik der Bolschewiki und nannte Lenin einen Kraken, der jedes Leben in der Partei erstickt.
"Die proletarische Revolution bedarf für ihre Ziele keines Terrors, sie hasst und verabscheut den Menschenmord"
In Berlin etablierten gemäßigte Sozialdemokraten unter der Führung von Friedrich Ebert und Philipp Scheidemann eine Übergangsregierung, den Rat der Volksbeauftragten, der aber eine Beteiligung der Arbeiter- und Soldatenräte, die sich inzwischen überall im Lande gebildet hatten, strikt ablehnte.
Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, denen diese Übergangsregierung zutiefst verhasst war, machten heftig Stimmung gegen die politischen Verhältnisse im Lande. Durch Agitationen und Kundgebungen wollten sie die Arbeiter zum Kampf mobilisieren und mit Hilfe der Zeitung "Die Rote Fahne" die Sache der sozialistischen Revolution vorantreiben.

Ihr Gegenspieler Friedrich Ebert, der unbedingt eine sozialistische Republik verhindern wollte, fürchtete einen Bürgerkrieg, sollte es ihm nicht gelingen, die Linksradikalen zu stoppen. Als die Oberste Heeresleitung ihre Hilfe anbot, griff Ebert zu.
Am 6. Dezember 1918 kam es in Berlin zu schweren Ausschreitungen zwischen linken Demonstranten und rechten Militärs, in denen 14 Aufständische ihr Leben ließen.
Am 16. Dezember trafen sich Sozialdemokraten und Sozialisten zu einem Reichskongress der Arbeiter- und Soldatenräte, um über die weitere Zukunft Deutschlands zu entscheiden.
Die Mehrheit der Delegierten unterstützte die Forderung Eberts nach freien Wahlen. Mit 400 zu 50 Stimmen sprach man sich für Wahlen zu einer verfassungsgebenden Nationalversammlung am 19. Januar aus.

Gründung der KPD
Für Luxemburg und ihre Mitstreiter war dies eine schwere Niederlage. Nur wenige Tage später reagierten sie mit der Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), dessen Parteiprogramm Rosa Luxemburg verfasste.
Auch der SPD-Politiker und Rechtsanwalt, Paul Levi, der Luxemburg immer wieder vor Gericht vertrat und mit dem sie eine kurze Liebesaffäre pflegte, gehörte ebenso wie Karl Liebknecht zu den Mitbegründern der Partei und war zudem von 1919 bis 1921 der Parteivorsitzende.

Am 5. Januar 1919 geriet eine Massendemonstration in Berlin außer Kontrolle. In den Straßen herrschten bürgerkriegsähnliche Zustände. Die KPD unterstützte sowohl den bewaffneten Straßenkampf als auch den Generalstreik und rief zum Sturz der Regierung auf.
Rosa Luxemburg hatte vor einer solchen Entwicklung gewarnt, denn sie hielt diesen Aufstand für verfrüht und deshalb auch zum Scheitern verurteilt, aber es war bereits zu spät.

Verhaftung und Tod
Ebert beauftragte Reichswehrminister Gustav Noske, sich um Ruhe und Ordnung zu kümmern. Dieser zog Freicorps zusammen, die mit brutaler Gewalt gegen die Aufständischen vorgingen und die Revolution blutig niederschlugen. Hunderte wurden erschossen, darunter auch viele Unbewaffnete.

Am 15. Januar 1919 wurde Rosa Luxemburg zusammen mit Karl Liebknecht in Berlin-Wilmersdorf gefangengenommen und der Garde-Kavallerie-Schützendivision ausgeliefert, die sie ins Berliner Hotel Eden verbrachte, wo die Gefangenen gedemütigt und schwer misshandelt wurden. Rosa Luxemburg wurde von einem Gewehrkolben niedergestreckt und mit einem aufgesetzten Schuss in die Schläfe ermordet. Anschließend warf man ihre Leiche in den Landwehrkanal, wo ein Schleusenwärter sie am 31. Mai 1919 entdeckte.
Rosa Luxemburg wurde 47 Jahre alt.
Zehntausende begleiteten am 25. Januar 1919 die Särge von Karl Liebknecht und 31 seiner Weggefährten, die Tage zuvor von Freicorps-Soldaten ermordet worden waren, auf dem Weg zum Friedhof Berlin-Friedrichsfelde im Bezirk Lichtenberg. Auch ein Sarg für Rosa Luxemburg befand sich auf diesem Trauerzug, aber dieser Sarg war leer, denn ihre Leiche war zu diesem Zeitpunkt noch nicht gefunden worden.
Im Juni 1919 wurde dann auch Rosa Luxemburg zu Grabe getragen.

Am 16. Januar übernahm Leo Jogiches den Parteivorsitz der KPD. Am 10. März wurde er in seiner Wohnung in Berlin-Neukölln verhaftet und im Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit durch einen Schuss in den Hinterkopf ermordet.

Nachtrag
Ob der Mörder von Rosa Luxemburg, Waldemar Pabst, in Eigenverantwortung handelte oder auf Befehl von Noske und mit Wissen des Reichspräsidenten Ebert, wurde nie mit letzter Sicherheit ermittelt.
Der Prozess, der am 8. Mai 1919 im Kriminalgericht Moabit begann, wurde zu einer Farce. Anstatt die Hintergründe aufzuklären, wurde eine Vernebelungstaktik gefahren. Die wahren Drahtzieher blieben im Dunkeln und die Verurteilten kamen bald wieder frei. Für sein Verbrechen wurde Pabst nie bestraft und so lebte er völlig unbehelligt in der Bundesrepublik Deutschland, wo er im Mai 1970 starb.

In der Cranachstraße 58 in Berlin-Schöneberg, der letzten Wohnadresse von Rosa Luxemburg, erinnert eine Gedenktafel an die deutsche Marxistin.
In Berlin-Mitte gibt es einen "Rosa-Luxemburg-Platz" und eine Rosa-Luxemburg-Straße.
Alljährlich findet in Berlin am zweiten Januar-Wochenende eine Liebknecht-Luxemburg-Demonstration statt, in deren Verlauf an der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde Blumen und Kränze niedergelegt werden.

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