Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Reichstagsgebäude

Berlin, Reichstagsgebäude Das von 1884 bis 1894 nach Plänen von Paul Wallot errichtete Reichstagsgebäude am Platz der Republik in Berlin-Mitte ist seit 1999 Sitz des Deutschen Bundestages.
Bis zur Gründung des Deutschen Reiches im Jahr 1871 tagten die Abgeordneten im Preußischen Herrenhaus.
Als nach der Reichsgründung durch den Zuwachs der süddeutschen Staaten auch die Zahl der Parlamentarier anwuchs und sich auch das Preußische Abgeordnetenhaus in das man umgezogen war, als zu klein erwies, wurde am 13. Dezember 1881 gegen die Stimmen der Zentrumspartei der Neubau einer repräsentativen Volksvertretung beschlossen.

Den im Februar 1882 ausgeschriebenen Wettbewerb gewann der aus Frankfurt/Main stammende Architekt Paul Wallot (1841-1912).
Am 9. Juni 1884 erfolgte in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm I und Reichskanzler Otto von Bismarck die Grundsteinlegung.
Es entstand ein monumentaler Bau im Stil des Historismus aus Elementen der Renaissance, des Barock und des Klassizismus.
Am 5. Dezember 1894 endlich konnte die Schlusssteinlegung gefeiert werden und schon einen Tag später tagte der Reichstag zum ersten Mal im neu errichteten Gebäude.
.
Allerdings rief die Höhe der Kuppel den Unwillen des Kaisers hervor, denn für Wilhelm II war es nicht nachvollziehbar, dass die Kuppel des Reichstages höher sein sollte als die Kuppel seines Schlosses. Da Wallot aber auf die Änderungswünsche des Kaisers nicht eingehen wollte, entwickelte der Monarch sowohl gegen den Architekten als auch gegen das Gebäude eine tiefe Abneigung, was er gerne mit gehässigen Bemerkungen unterstrich.
Vermutlich ist es dem Kaiser zuzuschreiben, dass die von Peter Behrens entworfene Inschrift "Dem Deutschen Volke" erst 1916, also 22 Jahre nach Fertigstellung des Gebäudes und inmitten des Ersten Weltkrieges, angebracht wurde. Wilhelm II, der sich durch die Ereignisse des Ersten Weltkrieges in einer prekären Lage befand, wollte dem Parlament wohl ein Zeichen der Versöhnung und seinem Volk ein Zeichen seines Wohlwollens geben.

Bis 1918 beherbergte der Reichstag das Parlament des deutschen Kaiserreichs.
Berlin, Reichstagsgebäude Am 9. November 1918 überschlugen sich die Ereignisse: zunächst gab der Kanzler Max von Baden eigenmächtig die Abdankung von Wilhelm II und den Thronverzicht des Kronprinzen bekannt. Wenige Stunden danach rief Philipp Scheidemann von einem Fenster am Westportal die Republik aus mit den Worten: "Das Alte und Morsche, die Monarchie ist zusammengebrochen. Es lebe das Neue, es lebe die deutsche Republik!"
Zwei Stunden später rief Karl Liebknecht vor dem Berliner Schloss eine "freie sozialistische Republik" aus.

Am 13. Januar 1920 ereignete sich vor dem Reichstagsgebäude während einer Verhandlung der Weimarer Nationalversammlung zum Betriebsrätegesetz eine Tragödie. Die Demonstration, zu der die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) und die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) aufgerufen hatten und zu der über 100000 Menschen erschienen waren, verlief zunächst friedlich. Irgendwann aber eskalierte der Konflikt zwischen der schlecht ausgebildeten Sicherheitspolizei und der protestierenden Menschenmenge. Es fielen Schüsse aus Revolvern und Maschinengewehren. Die Zahl der Toten schwankt zwischen 20 und 42, über 100 wurden verletzt.

1925 wurde Paul von Hindenburg, Generalfeldmarschall und überzeugter Anhänger der Monarchie, als neuer Reichspräsident in sein Amt eingeführt. Er war es auch, der Adolf Hitler die Machtübernahme ermöglichte.
Als in der Nacht zum 28. Februar 1933 der Reichstag brannte, inhaftierte man wenig später den niederländischen Kommunisten Marinus van der Lubbe und klagte ihn und mehrere kommunistische Funktionäre der Brandstiftung an. Während die Mitangeklagten aus Mangel an Beweisen aus der Haft entlassen wurden, wurde Marinus van der Lubbe 1934 in Leipzig hingerichtet.
Allerdings steht seine Schuld auf Grund der dürftigen Beweislage und eines dubiosen Geständnisses nicht zweifelsfrei fest.

Den Nationalsozialisten kam dieser Brandanschlag keineswegs ungelegen, denn sie nahmen dieses Ereignis zum Anlass, politische Gegner rücksichtslos zu verfolgen und die bürgerlichen Grundrechte im Rahmen eines Ermächtigungsgesetzes "Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich" erheblich einzuschränken. Ziel dieser Aktion war die Abschaffung der verhassten Weimarer Republik.
Berlin, Reichstagsgebäude
Für die Nationalsozialisten spielte der Reichstag aber fortan keine Rolle mehr und so blieb das Gebäude in den zwölf Jahren ihrer Herrschaft völlig ungenutzt.
Ungeachtet dieser Tatsache sahen Stalin und seine Rote Armee dennoch im Reichstag den Hort des Bösen, den Inbegriff von Faschismus und Völkermord und so wurde bei der Schlacht um Berlin das Gebäude gestürmt und durch Raketenbeschuss schwer beschädigt.
Das in aller Welt bekannte Foto vom Hissen der Roten Fahne auf dem Reichstag wurde kurz nach der Erstürmung nachgestellt.
Noch heute erzählt das einst von russischen Soldaten an die Mauern des Reichstags angebrachte Graffiti von jenen Tagen. Teile dieses Graffiti wurden in das sanierte Gebäude als Zeitzeugnisse integriert, die anderen Teile wurden auf Film gebannt und archiviert.

Nach dem Ende des Krieges etablierte sich vor dem Reichstagsgebäude einer der größten Schwarzmärkte der Stadt.
Am 9. September 1948, anlässlich der Berlin-Blockade durch die Sowjets, hielt hier der Regierende Bürgermeister von Berlin Ernst Reuter vor Hunderttausenden von Bürgern seine berühmt gewordene Rede an die Weltöffentlichkeit: "Ihr Völker der Welt......, schaut auf diese Stadt und erkennt, dass ihr diese Stadt und dieses Volk nicht preisgeben dürft und nicht preisgeben könnt!"
Bis in die 1960-er Jahre fanden die Westberliner Kundgebungen zum 1. Mai auf dem Gelände vor dem Reichstag statt.

Die Kuppel, die als Symbol wilhelminischer Protzerei und Großmannssucht galt, wurde 1954 gesprengt. Ein Jahr später beschloss der Bundestag den Wiederaufbau der Teilruine, der allerdings nicht originalgetreu ausfiel. Zahlreiche Schmuckelemente wurden weggelassen und Innenräume wurden neu gestaltet.
Auf Grund des Viermächte-Status Berlins durften im Reichstag aber keine Plenarsitzungen des Bundestages abgehalten werden und so fanden lediglich Ausschuss- und Fraktionssitzungen in diesem Gebäude statt.
Nach dem Fall der Mauer wurde am 3. Oktober 1990 zwischen dem Reichstagsgebäude und dem Brandenburger Tor die Deutsche Einheit gefeiert.
Einen Tag später, am 4. Oktober 1990, trat das erste gesamtdeutsche Parlament zu seiner ersten Sitzung im Reichstagsgebäude zusammen.

Am 20. Juni 1991 fiel die Abstimmung über den künftigen Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland denkbar knapp zu Gunsten Berlins aus. Außerdem wurde das Reichstagsgebäude zum Sitz des Deutschen Bundestages bestimmt. Doch vor dem Umzug in die neue deutsche Hauptstadt wurde der Reichstag nochmals umgebaut und von Grund auf modernisiert. Dabei entstand ein knapp 500 Meter langer Tunnel, der den Reichstag mit den anderen Gebäuden des Regierungsviertels verbindet.
Der britische Architekt Norman Foster baute die begehbare Reichstagskuppel, die heute zu den beliebtesten Touristenattraktionen Berlins zählt. Die Gestaltung der Kuppel war allerdings von langwierigen und heftigen Auseinandersetzungen unter den Parlamentariern geprägt.
Am 8. September 1999 trat der Deutsche Bundestag erstmals im Plenarsaal des Reichstagsgebäudes zusammen. Außerdem trifft sich hier alle fünf Jahre die Bundesversammlung, um den deutschen Bundespräsidenten zu wählen.

Im Jahr 1995 verhüllte das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude den Reichstag für vierzehn Tage und brachte damit das Gebäude weltweit ins Gespräch.
Ein besonderes Geschenk kam aus Polen, nämlich ein Fragment der Mauer der Danziger Werft mit einer Tafel, auf der in deutscher und polnischer Sprache zu lesen ist:
"Zur Erinnerung an den Kampf der Solidarnosc für Freiheit und Demokratie und an den Beitrag Polens zur deutschen Wiedervereinigung und für ein politisch geeintes Europa".
Eingeweiht wurde das Denkmal am 17. Juni 2009.

Zwischen Reichstag und Spreeufer stehen heute Kreuze. Jedes Kreuz trägt den Namen eines Flüchtlings, der durch Grenzsoldaten der DDR ums Leben kam.

zurück zur Liste

Seitenanfang


[Home][Geschichte][Über mich][Fotos][Hohenzollern][Sightseeing][Links][Impressum][Sitemap]
Copyright (c) 2009 Brigitte Ferlet. Alle Rechte vorbehalten.