Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Erich Mühsam

Erich Kurt Mühsam wurde am 6. April 1878 in Berlin geboren und starb am 10. Juli 1934 in Oranienburg/Brandenburg.
Er war Schriftsteller, Satiriker, Antimilitarist und Politaktivist.

Kindheit und Jugend
Politischer Widerstand
Verhaftung und Tod
Nachtrag

Kindheit und Jugend
Erich Mühsam war der Sohn des Apothekers Siegfried Seligmann Mühsam aus Landsberg/Oberschlesien und dessen Berliner Ehefrau Rosalie Cohn. Er wuchs mit seinen zwei Schwestern Margarethe und Charlotte sowie seinem Bruder Hans in einer jüdischen Familie in Lübeck auf.
Der SPD-Politiker und NS-Widerstandskämpfer Ernst Heilmann sowie der Schriftsteller und Übersetzer Paul Mühsam waren seine Cousins.

Zunächst besuchte Mühsam das humanistische Gymnasium Katharineum zu Lübeck, wurde aber 1896 wegen "sozialistischer Umtriebe" der Schule verwiesen. Seine ersten Publikationen erschienen 1898.
Nach der Mittleren Reife am Friedrich-Franz-Gymnasium in Parchim/Mecklenburg begann Mühsam eine Apothekerlehre und arbeitete ab 1900 als Apothekengehilfe in Lübeck.

Politischer Widerstand
Nach dem Tod seiner Mutter, die am 24. März 1899 im Alter von 50 Jahren starb, zog er nach Berlin, wo er als freier Schriftsteller tätig war und sich der anarchistisch-kommunistischen Kommune "Neue Gemeinschaft" anschloss.
1902 zog Mühsam von Berlin-Charlottenburg nach Friedrichshagen in Berlin-Köpenick. Hier arbeitete er als Redakteur, trat als Kabarettist auf und schloss sich der Künstlervereinigung "Die Kommenden" an.

1909 siedelte er nach München über, wo er den "Sozialistischen Bund" mitbegründete und die Gruppen "Tat" und "Anarchist" ins Leben rief. Außerdem war Mühsam Mitarbeiter des Münchener Kabaretts und verschiedener satirischer Zeitschriften. 1911 gründete er die "Kain Zeitschrift für Menschlichkeit".

Am 20. Juli 1915 starb der Vater, am 15. September desselben Jahres heiratete Mühsam die in Haslach/Niederbayern geborene Gastwirts-Tochter Kreszentia ("Zenzl") Elfinger, die ihren fast 13-jährigen Sohn Siegfried mit in die Ehe brachte. Das Paar blieb kinderlos.
Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges versuchte Mühsam - inzwischen ein Anhänger der Spartakusgruppe - mit anderen Pazifisten ein Aktionsbündnis gegen den Krieg zu schmieden. Zu diesem Zweck nahm er auch an Protesten und Hungerstreiks in München teil.
Im März 1918 wurde Mühsam zum "Vaterländischen Hilfsdienst" einberufen und - nachdem dieser sich verweigert hatte - verhaftet und zu sechs Monaten Festungshaft in Traunstein verurteilt.

Ende 1918 wurde Mühsam Mitglied der linken Opposition um den SPD-Politiker, bayrischen Ministerpräsidenten und Anführer der Novemberrevolution in Bayern, Kurt Eisner. Mühsam übernahm eine maßgebliche Rolle im "Revolutionären Arbeiterrat" (RAR) und gründete zudem die "Vereinigung Revolutionärer Internationalisten" (VRI).

Am 7. April 1919 beteiligte sich Mühsam an der Gründung der 1. Räterepublik. Nach dem politisch motivierten Mord an Kurt Eisner durch den Rechtsextremisten Anton Graf von Arco auf Valley übernahm Mühsam gemeinsam mit Eugen Leviné die Führung der Münchner Republik. Nach der Niederschlagung der Räterepublik am 2. Mai 1919 durch die Reichswehr und rechtsnationalistischer Freikorpsverbänden wurde Mühsam zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt, von denen er fünf Jahre absaß.
Nach seiner Haftentlassung zog er nach Berlin-Charlottenburg, wo er die anarchistische Zeitschrift "Fanal" herausgab.

Er wurde Aktivist der Gefangenenhilfsorganisation "Rote Hilfe Deutschlands" (RHD) und Wortführer der "Anarchistischen Vereinigung Berlin". 1926 kehrte er dem Judentum und 1929 der RHD den Rücken.
Er wurde Mitglied im künstlerischen Beirat der Piscator-Bühne, einem Berliner Avantgardetheater sowie zahlreicher linker und antifaschistischer Organisationen.
1931 wurde er aus dem Schutzverband Deutscher Schriftsteller ausgeschlossen.

Verhaftung und Tod
Als in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933 der Reichstag brannte, wurde Mühsam nur wenige Stunden später verhaftet und zunächst ins SA-Gefängnis Lehrter Straße verbracht. Von dort aus kam er ins KZ Sonnenburg, Plötzensee und Brandenburg. Während seiner Inhaftierung war er schweren Folterungen und Misshandlungen ausgesetzt.
In Berlin-Plötzensee widmete er seiner Ehefrau und Wegbegleiterin die "Verse und Bilder für Zenzl".
Am 10. Juli 1934 wurde Erich Mühsam von der SS-Wachmannschaft des KZ Oranienburg ermordet. Nach offizieller Version hatte sich "der Jude Erich Mühsam in der Schutzhaft erhängt", doch dem widersprachen später überlebende Mithäftlinge sowie seine Witwe und sein Bruder Hans, ein Arzt, der den Leichnam in Augenschein genommen hatte.
Auch in der ausländischen Presse wurde der Tod Mühsams als Mord des NS-Regimes eingestuft.
Seine letzte Ruhe fand Erich Mühsam am 15. Juli 1934 auf dem Waldfriedhof Berlin-Dahlem.

Nachtrag
Zenzl, die starke Frau an seiner Seite, Verbündete und Unterstützerin in seinem politischen Kampf, emigrierte zunächst nach Prag. Danach verbrachte sie mehrere Jahre in sowjetischen Straf- und Internierungslagern bis sie 1956 in die DDR entlassen wurde, wo sie am 10. März 1962 in Ostberlin starb.

Bundesweit wurden Straßen und Plätze nach dem unbeugsamen NS-Widerstandskämpfer benannt. Zahlreiche Gedenktafeln und Gedenksteine erinnern heute an Erich Mühsam. Lübeck hält sein Vermächtnis u.a. mit einem Stolperstein wach.
Bekannt wurde Mühsam durch zahlreiche Gedichtbände, Bühnendramen und Sachbücher, aber vor allem durch sein furchtloses Eintreten gegen den Krieg und später gegen den Nationalsozialismus, dessen Gefahr er schon früh erkannte und vor dem er in aller Eindringlichkeit warnte. Seine Unbeugsamkeit wurde zum Symbol des antifaschistischen Widerstands.
Der schriftliche Nachlass befindet sich im Maxim-Gorki-Institut in Moskau.

zurück zur Liste

Seitenanfang


[Home][Geschichte][Über mich][Fotos][Hohenzollern][Sightseeing][Links][Impressum][Sitemap]
Copyright (c) 2009 Brigitte Ferlet. Alle Rechte vorbehalten.