Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Alfred Messel

Alfred Messel wurde am 22. Juli 1853 als dritter Sohn des Bankiers Simon Messel in Darmstadt geboren und starb am 24. März 1909 in Berlin.
Er war ein Architekt, der vor allem durch den Bau von Warenhäusern bekannt wurde.

Schon als Kind war Messel mit dem ein Jahr älteren und späteren Stadtbaudirektor von Berlin Ludwig Hoffmann befreundet. Gemeinsam legten sie am Ludwig-Georgs-Gymnasium in Darmstadt das Abitur ab und gemeinsam besuchten sie von 1873 bis 1874 die Kunstakademie in Kassel, bevor sie dann ein vierjähriges Architekturstudium an der Berliner Bauakademie absolvierten.
Danach war Messel bei Carl Schwatlo beschäftigt, der das Hauptpostamt in der Spandauer Straße in Berlin-Mitte errichtete.

1879 trat Messel dem Berliner Architektenverein bei und gewann zwei Jahre später mit seinen Entwürfen für ein Ausstellungsgelände auf dem Tempelhofer Feld den Schinkelpreis.
1882 legte Messel die zweite Staatsprüfung zum Königlich-Preußischen Regierungsbaumeister ab und wurde danach in den Staatsdienst übernommen.
In den folgenden beiden Jahren unternahm er Studienreisen nach Frankreich, Spanien, Italien und Großbritannien und arbeitete von 1885 bis 1893 als Assistent an der neu gegründeten Technischen Hochschule in Charlottenburg.
1886 ließ sich Messel vom Staatsdienst beurlauben und machte sich selbständig. Im selben Jahr errichtete er sein erstes Geschäftshaus in der Werderstraße in Berlin-Mitte.

Am 1. Februar 1893 heiratete Messel Elsa Altmann (1873-1945), die Tochter des wohlhabenden Bankiers Max Altmann.
Dieser Ehe entstammten drei Kinder. Ena kam im November desselben Jahres zur Welt, Ludwig Leonhard wurde 1896 geboren und fiel im Ersten Weltkrieg. 1899 kam die jüngste Tochter Irene zur Welt, die 1992 in London verstarb.

1893 wurde Messel Leiter der Architekturklasse am Kunstgewerbemuseum und im Februar 1894 erhielt er eine Professur an der Berliner Kunstgewerbeschule.
Noch im selben Jahr gründete er zusammen mit Martin Altgelt ein Architekturbüro.
Zwei Jahre später wurde Messel Aufsichtsratsmitglied des Berliner Spar- und Bauvereins.

Alfred Messel errichtete Wohn- und Geschäftshäuser, Villen, Museen und Warenhäuser.
1893 errichtete er im Auftrag der Familie Wertheim sein erstes Warenhaus in der Oranienstraße in Berlin-Kreuzberg. Ein weiteres Warenhaus des Wertheim-Konzerns wurde ebenfalls von Messel entworfen und 1905 in der Rosenthaler Straße in Berlin-Mitte eröffnet.
Messels bedeutendstes Wertheim-Warenhaus entstand zwischen 1896 und 1906 am Leipziger Platz in Berlin-Mitte. Es war der erste Konsumtempel seiner Art in Deutschland und sorgte schon während seiner Entstehung wegen der Architektur für Aufsehen.

1899 konvertierte Messel vom Judentum zum Protestantismus, blieb aber dem Judentum auch weiterhin verbunden.
Am 17. Mai desselben Jahres erhielt Messel den Roten Adler-Orden IV. Klasse.
1900 trennte sich Messel von seinem Geschäftspartner Martin Altgelt. Im selben Jahr erhielt Alfred Messel auf der Pariser Weltausstellung eine Goldmedaille.
Selbst Kaiser Wilhelm II, der den Architekten anfangs abgelehnt hatte, zollte ihm inzwischen Anerkennung.

1902 stellten die Ärzte bei Alfred Messel eine Herzinsuffizienz fest. Diese Erkrankung beeinträchtigte seine Schaffenskraft erheblich.
1904 wurde Alfred Messel in die Königlich-Preußische Akademie der Künste in Berlin aufgenommen.
Zwei Jahre später wurde Messel zum Geheimen Regierungsrat ernannt. Außerdem wurde ihm im selben Jahr die Ehrendoktorwürde der TH Darmstadt verliehen.
1907 wurde Messel offiziell zum Architekten der Königlich Preußischen Museen ernannt. In dieser Funktion plante er den Bau des Pergamonmuseums.

Am 24. März 1909 starb Alfred Messel im Alter von 55 Jahren in Berlin.
Seine letzte Ruhe fand er in einem Ehrengrab auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg.
Sein lebenslanger Freund und Weggefährte Ludwig Hoffmann konnte sein Versprechen, das er dem todkranken Alfred Messel gegeben hatte, nämlich den Bau des von ihm entworfenen Pergamonmuseums nach seinen Vorstellungen zu realisieren, erst im Jahr 1930 einlösen.

Die nach Alfred Messel benannten Berliner Straßen wurden unter den Nationalsozialisten wegen dessen jüdischer Herkunft umbenannt.
Obwohl Alfred Messel zu den bedeutendsten Architekten des beginnenden 20. Jahrhunderts zählt und auch zu Lebzeiten als ein solcher gefeiert wurde, ist er heute fast vergessen.
Heutzutage existieren in Berlin nur noch rund 20 Gebäude von Alfred Messel, drei Viertel seiner Bauwerke wurden im Krieg zerstört, abgerissen oder stark in ihrem Äußeren verändert.
Eines der wenigen Gebäude, das vor der Zerstörung gerettet wurde, ist die ehemalige Berliner Handelsgesellschaft in Berlin-Mitte, das bis 1990 von der DDR-Staatsbank genutzt wurde und danach für die Kreditanstalt für Wiederaufbau restauriert wurde.
Rund 1800 Zeichnungen und Pläne des Architekturbüros von Alfred Messel sind heute in der Universitätsbibliothek des Architekturmuseums der Technischen Universität zu Berlin verwahrt.

Auf den Spuren von Alfred Messel in Berlin:
Pergamonmuseum, Berlin-Mitte
Grabstätte Frenkel, Jüdischer Friedhof Berlin-Weißensee in Berlin-Pankow
Grabstätte Louis Simon, Jüdischer Friedhof Schönhauser Allee
Grabmal der Familie Rathenau, Waldfriedhof Oberschöneweide, Berlin-Köpenick
Retorten- und Kesselhaus am heutigen Gasometer in Berlin-Schöneberg
Gewerbehof Alexandrinenstraße, Berlin-Kreuzberg
Gebäude des Lette-Vereins in Berlin-Schöneberg, Viktoria-Luise-Platz 6
Verwaltungsgebäude der LVA, Berlin-Kreuzberg, Am Köllnischen Park 2a/3
Ehem. Berliner Handelsgesellschaft, Nähe Gendarmenmarkt, Berlin-Mitte
Säuglingsklinik "Kaiserin-Auguste-Victoria-Haus", Berlin-Charlottenburg

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