Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Marienviertel

Das Marienviertel lag im historischen Stadtkern des mittelalterlichen Berlin im heutigen Bezirk Berlin-Mitte und befand sich in etwa zwischen dem Berliner Fernsehturm, dem Roten Rathaus und den Plattenbauten an der Karl-Liebknecht-Straße.

Die ersten Ansiedlungen gehen auf slawische Ursprünge zurück. Im Laufe der Jahrzehnte wuchsen Cölln und Berlin zu einer Doppelstadt zusammen und bestanden aus dem Nikolaiviertel, dem Marienviertel, dem Klosterviertel und dem Heilig-Geist-Viertel.
Der Mittelpunkt des Marienviertels bildete der 1292 estmals urkundlich erwähnte Neue Markt zu Füßen der altehrwürdigen Marienkirche, die Anfang des 13. Jahrhunderts erbaut wurde.

Der Neue Markt hat eine überaus bewegte Vergangenheit.
Hier wurde 1324 der Probst Nikolaus von Bernau nach einer zornig gehaltenen Predigt von aufgebrachten Berliner Bürgern zu Tode gesprügelt, was einen fast 20-jährigen Kirchenbann und ein Sühnekreuz vor der Marienkriche zur Folge hatte. Auf dem Neuen Markt befand sich bis Anfang des 18. Jahrhunderts das Hochgericht. Hier starb am 27. April 1458 der wegen Ketzerei verurteilte waldensische Wanderprediger Matthäus Hagen den Märtyrertod auf dem Scheiterhaufen. Hier wurden 1510 nach dem Berliner Hostienschändungsprozess 38 Juden auf dem Scheiterhaufen verbrannt, hier kam Lippold Ben Chluchim am 28. Januar 1573 auf grausame Weise zu Tode, indem er gevierteilt, seine Körperteile an Galgen aufgehängt und sein Kopf auf eine Eisenstange gespießt wurde.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-48) ließ der Große Kurfürst Berlin zur Festungsstadt ausbauen.
Im Jahre 1714 wurde in der angrenzenden Heidereutergasse eine der größten Synagogen im damals deutschsprachigen Raum fertiggestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das beschädigte Gebäude abgerissen.
1862 erhielt das Marienviertel dank James Hobrecht endlich eine Kanalisation und eine verbesserte Infrastruktur.
1893 wurde der Neue Markt um eine von Paul Otto entworfene und von Robert Toberentz vollendete Statue des Reformators Martin Luther bereichert.
Heute steht das Denkmal auf der Nordseite der Marienkirche.

In der Rosenstraße erinnert das Denkmal "Block der Frauen" von Ingeborg Hunzinger (1915-2009) aus Rahnsdorf im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick an die Frauenproteste vom 27. Februar 1943.
Während des Zweiten Weltkrieges erlitt das Marienviertel zwar starke Zerstörungen, sein endgültiges Aus kam allerdings erst, als der historische Stadtkern zu Gunsten des geplanten Fernsehturms dem Erdboden gleichgemacht wurde. Von dem ehemaligen Straßengrundriss ist heutzutage nichts mehr zu erkennen.
Das freigewordene Gelände wurde mit den Trümmern Alt-Berlins aufgeschüttet und liegt heute um 1.50 Meer höher als ursprünglich. Gut zu erkennen ist der Höhenunterschied an den in die Tiefe führenden Stufen zur Eingangstür der Marienkirche.
Der von Reinhold Begas geschaffene Neptunbrunnen, der einst vor dem gesprengten Berliner Stadtschloss stand, wurde kurzerhand versetzt und steht heute in unmittelbarer Nachbarschaft zur Marienkirche.

Im Zuge des Ausbaus der U-Bahnlinie 55 vom Brandenburger Tor zum Alexanderplatz stieß man bei den Grabungsarbeiten auf Reste des mittelalterlichen Berliner Rathauses aus dem 13. Jahrhundert.

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