Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Berlin-Blockade und Luftbrücke

Die Berliner Luftbrücke war die größte Luftrettung aller Zeiten: rund 2,2 Millionen Berliner wurden durch Flugzeuge der Westalliierten versorgt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die ehemalige Reichshauptstadt Berlin in vier Sektoren aufgeteilt. Zum sowjetischen Sektor gehörten die Stadtteile Mitte, Friedrichshain, Pankow, Lichtenberg, Treptow und Köpenick.
Auf den amerikanischen Sektor entfielen die Stadtteile Neukölln, Kreuzberg, Schöneberg, Steglitz, Tempelhof und Zehlendorf. Zum britischen Sektor zählten Wilmersdorf, Tiergarten, Spandau und Charlottenburg, während Reinickendorf und Wedding zum französischen Sektor gehörten.
Gemeinsam verwaltet wurden die Stadtteile durch die Siegermächte in der Alliierten Kommandantur. Da die Sowjets aber das Alleinvertretungsrecht für Berlin beanspruchten, kündigten sie im Juni 1948 die gemeinsam getroffene Vereinbarung auf. Aus sowjetischer Sicht gab es durch die Auflösung der Alliierten Kommandantur für die übrigen Siegermächte keine völkerrechtliche Legitimation mehr, die sie zum Verbleib in Berlin berechtigten.

Schon im Vorfeld war es zu Irritationen und Behinderungen im Reiseverkehr gekommen und zu Versuchen, die Rechte der West-Alliierten zu beschränken.
Am 20. Juni 1948 wurde in den westlichen Zonen Deutschlands die Währungsreform durchgeführt, was die Sowjets mit einer eigenen Währungsreform beantworteten.
Als die West-Alliierten am 23. Juni die Einführung der DM auch für Westberlin ankündigten, erging in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni an alle sowjetische Grenzposten der Befehl, die Zufahrtswege von und nach Westberlin zu blockieren.
Der kilometerlange Stau, der sich frühmorgens an den geschlossenen Schlagbäumen bildete, wurde von den Verantwortlichen zunächst auf Behinderungen durch Brückenbauarbeiten zurückgeführt. Nur auf dem Luftweg war die vom Schienen-, Straßen- und Wasserweg hermetisch abgeriegelte Stadt noch zu erreichen.
Als dann auch noch die Stromzufuhr nach Westberlin gekappt wurde, gingen in der Millionenstadt die Lichter aus.
Da bis zu diesem Zeitpunkt 75% des Stroms aus dem Osten kamen und die Westberliner Kraftwerke noch nicht in der Lage waren, die Stadt mit ausreichender Energie zu versorgen, wurde der Strom für die Berliner Haushalte auf zwei Stunden täglich reduziert.

Einerseits hoffte Stalin, die Bewohner durch Hunger und Kälte in die Knie zu zwingen und ihren Durchhaltewillen zu brechen, andererseits - und dies war das eigentliche Ziel - sollten die westlichen Alliierten aus der Stadt verdrängt werden, denn Westberlin lag inmitten der sowjetischen Besatzungszone und steckte somit wie ein Stachel im Fleisch der Kommunisten.

Nun standen die West-Alliierten vor der schwierigen Entscheidung, entweder das Feld zu räumen oder der kommunistischen Provokation die Stirn zu bieten. Die Anwesenheit der verbündeten Truppen in der Stadt hatte lediglich Symbolcharakter, denn militärisch war Berlin durch sie nicht zu halten.

Am 28. Juni 1948 diskutierte US-Präsident Harry S. Truman mit seinen Beratern die prekäre Lage und die Möglichkeiten der Politik, auf sie zu reagieren.
Während einige Berater vorschlugen, sich aus Westberlin zurückzuziehen, war der General und Militärgouverneur der amerikanischen Zone, Lucius D. Clay entschlossen, notfalls mit Panzern die Schlagbäume niederzuwalzen und es auf einen bewaffneten Konflikt mit den Sowjets ankommen zu lassen.
Doch Truman winkte ab, denn für ihn barg ein solches Vorgehen ein viel zu hohes Risiko. Aber zurückweichen wollte auch er nicht und so wurde schließlich die wahnwitzig erscheinende Idee geboren, die 2,2 Millionen eingeschlossenen Berliner allein auf dem Luftweg zu versorgen.

Fachleute für Ernährung und Logistik im britischen Verteidigungsministerium errechneten den Tagesbedarf pro Einwohner und erstellten daraufhin einen Speiseplan. 1750 Kalorien sollte jeder Berliner erhalten, aufgeteilt in Mehl für 400 Gramm Brot, 400 Gramm Pulver aus Kartoffeln, Eiern oder Milch, 40 Gramm Fleisch, 40 Gramm Zucker, 30 Gramm Fett und 5 Gramm Käse.

Ernst Reuter musste die Berliner auf schwierige und leidvolle Wochen und Monate vorbereiten. Bei einem Treffen mit Lucius D. Clay im Harnack-Haus wurde er von dem US-General gefragt, ob die Berliner überhaupt bereit wären, diese harten Zeiten durchzustehen, worauf Reuter antwortete: "Sie kümmern sich um die Luftbrücke, ich kümmere mich um die Berliner".
In aller Welt organisierte Clay Flugzeuge für die "Operation Vittles", wie die Amerikaner die Luftbrücke nannten.
Reuter indes mobilisierte den Widerstand der Berliner gegen die kommunistische Aggression: "Wir haben nein gesagt, wir werden nein sagen und wir werden wieder nein sagen, so lange noch ein Atemzug in uns lebendig ist!"

Am 26. Juni flog die erste Maschine der US-amerikanischen Luftwaffe den Flughafen Tempelhof an. Die Operation "Plain Fare" der britischen Luftwaffe erfolgte kurz darauf.
Die Versorgung aus der Luft war zunächst nicht optimal. Erst General William H. Tunner, ein Fachmann für Logistik, optimierte die Versorgungsflüge durch eine ausgeklügelte Planung.
Er teilte die zur Verfügung stehenden drei Luftkorridore in fünf Ebenen auf und zusätzlich in drei Einbahnstraßen - zwei für die Flüge in die Stadt hinein und eine für die Flüge aus der Stadt heraus. Der Vorteil war eine deutliche Erhöhung der Kapazitäten, der Nachteil war, dass die Landung beim ersten Versuch gelingen musste, ansonsten war der Pilot gezwungen, mit der vollbeladenen Maschine wieder zurückzufliegen.
Da die Flughäfen Tempelhof und Gatow zu klein wurden, bauten Amerikaner und Franzosen zusammen mit 19000 Berliner Hilfskräften in nur drei Monaten den Flughafen Tegel.
Anfang Dezember landeten hier die ersten Flugzeuge.

Am 9. September hielt Ernst Reuter vor dem Reichstagsgebäude vor rund 300.000 Menschen seine berühmte Rede: " Ihr Völker der Welt [.....], schaut auf diese Stadt und erkennt, dass ihr diese Stadt und dieses Volk nicht preisgeben dürft und nicht preisgeben könnt!".

Zwar wurden den Westberlinern von den Sowjets Lebensmittelkarten angeboten, allerdings nur, wenn diese auch bereit waren, ihren Wohnsitz in den Ostteil der Stadt zu verlegen. Der Erfolg dieser Zermürbungstaktik fiel allerdings eher mager aus. Unter 5% der Berliner Bevölkerung machte von diesem Angebot Gebrauch.

Am 30. November 1948 wurde Friedrich Ebert, Sohn des ersten Reichspräsidenten, zum Oberbürgermeister gewählt. 19 Jahre lang bekleidete er dieses Amt. Der Ostberliner Magistrat hatte seinen Sitz im Roten Rathaus.
Am 5. Dezember 1948 gewann die SPD mit 64,5% die Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung in Westberlin. Am 7. Dezember wurde Ernst Reuter Oberbürgermeister von Berlin. Dieses Amt hatte er bis zu seinem Tode inne. Der Westberliner Magistrat tagte fortan im Rathaus Schöneberg.

Auch den Winter überstanden die Westberliner einigermaßen unbeschadet. Den Straßenbäumen erging es da wesentlich schlechter, denn sie wurden zu Tausenden von der frierenden Bevölkerung gefällt.
Trotz aller Entbehrungen, Beschränkungen und Einschüchterungsversuche ließen sich die Eingeschlossenen ihre Moral nicht nehmen.
Als Stalin erkannte, dass er sich verspekuliert hatte, lenkte er schließlich ein und beendeten die Blockade.
Als symbolisches Zugeständnis der Amerikaner wurde Lucius D. Clay aus Berlin abgezogen, aber seine Mission war ohnehin beendet. Von Präsident Truman erhielt der General wenig später die höchste militärische Auszeichnung.

Aus der zunächst irrsinnig erscheinenden Idee, eine 2,2 Millionen Einwohner zählende Großstadt monatelang allein auf dem Luftwege zu versorgen, war die größte Luftrettung aller Zeiten geworden.
Vom 26. Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949 wurde Berlin mit Lebensmitteln, Konsumgütern und Kohle versorgt. Rund 278.000 Flüge brachten über 2 Millionen Tonnen Fracht in die Stadt und sicherten so ihr Überleben.
Als der US-Pilot Gail Halvorsen auf die Idee kam, für die Berliner Kinder Süßigkeiten an kleinen selbstgebastelten Fallschirmen aus dem Cockpit-Fenster zu werfen - eine Idee, die von anderen Piloten aufgegriffen wurde - war der Name für die überlebenswichtigen Flugzeuge geboren: "Rosinenbomber"!

Als Folge der Blockade wurde in Westberlin ein Vorrat, die sogenannte Senatsreserve, an allen überlebenswichtigen Gütern angelegt.
Durch die Luftbrücke wurden Ressentiments gegenüber den West-Alliierten abgebaut, wovon besonders das deutsch-amerikanische Verhältnis profitierte. Aus Besatzern wurden Beschützer und aus Feinden Freunde. Die amerikanische Lebensart und besonders die Musik begeisterten vor allem junge Menschen und zog sie in ihren Bann. Der Soldatensender AFN (American Forces Network) konnte sich über einen ungeheuren Zuspruch deutscher Hörer freuen.
Na, und die Herzen der Kinder hatten die Amerikaner ohnehin im Sturm erobert.
Das Verhältnis zu den Sowjets aber war von einem schon vorhandenen Misstrauen in eine radikal antikommunistische Stimmung umgeschlagen.
Die West-Berliner gingen indes gestärkt aus dieser schweren Krise hervor. Sie hatten sich weder unterkriegen noch bestechen lassen und würden fortan die Kraft und das Selbstbewusstsein haben, auch alle künftigen Krisen zu überstehen, die noch auf sie zukommen sollten.

Die Luftbrücke kostete 83 Menschen das Leben. Zur Erinnerung an sie und die Versorgungsflüge wurde auf dem Platz der Luftbrücke vor dem ehemaligen Flughafen Tempelhof 1951 ein Luftbrückendenkmal errichtet, das auf Grund seines Aussehens von den Berlinern den Spitznamen "Hungerharke" erhielt. Die Inschrift lautet: "Sie gaben ihr Leben für die Freiheit Berlins im Dienste der Luftbrücke 1948/1949".

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