Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Lippold Ben Chluchim

Lippold Ben Chluchim wurde in Prag geboren und starb am 28. Januar 1573 in Berlin.
Er war Hoffaktor und Münzmeister am kurfürstlichen Hof in Berlin .

Als Kurfürst Joachim II am 25. Juni 1539 Brandenburg wieder für Juden öffnete, kam auch Lippold mit Bruder und Vater Hluchim Lippold 1542 nach Berlin und bezog hier eine Wohnung im Klosterviertel.
Im Jahr 1556 wurde Lippold zum Kämmerer und Hofjuwelier des Kurfürsten ernannt und bekleidete außerdem das Amt des Vorstehers der in der Mark ansässigen Juden. In dieser Funktion zog er u.a. auch die Schutzgelder ein, die die jüdische Bevölkerung zu zahlen hatte.
Elf Jahre später wurde Lippold zudem das Amt des Münzmeisters übertragen.
Die Münze befand sich im Nikolaiviertel, in der Poststraße 4.

Um seinen ausschweifenden Lebenswandel zu finanzieren, belegte Joachim II die Bevölkerung, ganz besonders aber die Juden, mit hohen Steuern.
Zudem veranlasste er Materialeinsparungen bei der Münzherstellung, was zur Folge hatte, dass Brandenburger Kaufleute beim Import von ausländischen Waren in gewogenem Edelmetall bezahlen mussten, da die minderwertigen Münzen im Ausland nicht akzeptiert wurden.
Daraufhin verbot der Kurfürst den Besitz von Edelmetall und veranlasste dessen Verkauf an die Landeskassen zu Zwangskursen.
In seiner Funktion als höchster Hofbeamter des Finanzwesens führte Lippold Hausdurchsuchungen bei Kaufleuten durch und ließ gefundenes Edelmetall beschlagnahmen.

Als Joachim II völlig unerwartet auf Schloss Köpenick starb, hinterließ er seinem Sohn und Nachfolger Johann Georg einen Schuldenberg von mehreren Millionen Gulden.
Verantwortlich für diese Misswirtschaft machte Johann Georg in erster Linie die Juden, bei denen nicht nur sein Vater sondern auch Adel und Kaufleute hoch verschuldet waren. Es kam zu Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung, zum öffentlichen Verbrennen von Schuldscheinen, zu Plünderungen und schließlich zur Verwüstung der Synagoge.

Johann Georg beschuldigte Lippold der Unterschlagung und der ungerechtfertigten Bereicherung, da dieser als Kreditgeber überhöhte Zinsen eingenommen hätte. Doch Lippold konnte nachweisen, dass einige christliche Kreditgeber noch höhere Zinsen forderten. Auch die Überprüfung seiner Bücher entkräftete alle Beschuldigungen und so wurde Lippold schließlich vom Gericht in allen Punkten freigesprochen.

Dennoch entkam Lippold seinen Neidern und Feinden nicht, denn nun wurde drei Tage vor seiner Haftentlassung gegen ihn Anklage wegen Zauberei und Giftmordes erhoben.
Unter der Folter gestand Lippold schließlich, mit dem Teufel im Bunde zu stehen und er bekannte sich ebenfalls dazu, Kurfürst Joachim II vergiftet zu haben. Grund für den Anschlag auf das Leben des Landesherrn sei die Entwendung einer Kette gewesen.

Lippold wurde zum Tode durch Rädern und Vierteilen auf dem im Marienviertel gelegenen Neuen Markt, nahe der St. Marienkirche verurteilt. Als er jedoch kurz vor seiner Hinrichtung sein erzwungenes Geständnis widerrief, wurde er in die Gerichtslaube verbracht und einer verschärften Folter unterzogen, bis er seinen Widerruf zurücknahm.
Nach seinem grausam erlittenen Tod wurden Lippolds Eingeweide verbrannt, sein in vier Teile zerrissener Körper in vier Himmelsrichtungen an Galgen aufgehängt und sein Kopf auf eine Eisenstange gespießt und am Georgentor (nahe dem Alexanderplatz) zur Schau gestellt.

Magdalene, Lippolds Witwe, die neun Kinder zu versorgen hatte und aus dem Vermögen ihres Mannes lediglich 1000 Taler erhielt, richtete an Kaiser Maximilian II ein Bittgesuch. Sie erhoffte sich die Aushändigung des konfiszierten Vermögens ihres unschuldig hingerichteten Mannes.
Doch Johann Georg zeigte sich unerbittlich, denn schließlich lag es in seinem ureigensten Interesse, das angehäufte Vermögen Lippolds einzubehalten.

Alle Juden, auch die Witwe Magdalene, wurden aus Brandenburg vertrieben und es sollte rund 100 Jahre dauern, bis der Große Kurfürst die Verbannung der Juden aufhob.

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