Berlin - Impressionen einer Metropole

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Paul Lincke

Carl Emil Paul Lincke wurde am 7. November 1866 als Sohn des Magistratsdieners August Lincke und seiner Ehefrau Emilie Schubbel in Berlin-Mitte geboren und starb am 3. September 1946 in Hahnenklee bei Goslar.
Paul Lincke war Komponist, Theaterkapellmeister und Musikverleger.

Lincke hatte noch zwei Geschwister, den älteren Bruder Ernst und die jüngere Schwester Helene.
Das musikalische Talent lag in der Familie, denn sein Vater verdiente sich ein Zubrot als Orchestergeiger. Als Lincke fünf Jahre alt war, erkrankte sein Vater an Cholera und verstarb. Linckes Mutter stand nun allein da mit ihren drei Kindern und musste den Lebensunterhalt für sich und ihre Familie als Hilfsnäherin für eine Wäschefirma verdienen, da die Witwenpension nicht ausreichte.
Nach dem Besuch der Realschule begann Lincke eine Ausbildung in der Wittenberger Stadtmusikkapelle, wo er das Spielen mehrerer Musikinstrumente erlernte.

1884 erhielt Lincke sein erstes Engagement als Fagottist. Ein Jahr später lernte er die erst 16-jährige Soubrette Anna Müller kennen und heiratete sie. Auch seine Frau machte später unter dem Namen Anna Müller-Lincke in Berlin Karriere.
An verschiedenen Theatern, darunter auch am Königstädtischen Theater, das sich am Alexanderplatz befand, sammelte er Erfahrungen in der Unterhaltungs- und Tanzmusik. Bald schon machte er durch eigene Kompositionen auf sich aufmerksam.
1897 wurde Lincke mit seiner ersten Operette "Venus auf Erden" über Nacht bekannt. Danach war Paul Lincke zwei Jahre am Pariser Varieté- und Revuetheater "Folies Bergère" als Kapellmeister tätig. Auch hier konnte er große Erfolge feiern.
Nach seiner Rückkehr an das Apollo-Theater in Berlin wurden 1899 seine Operetten "Frau Luna" und "Im Reiche des Indra" uraufgeführt. Besonders die Operette "Frau Luna", mit der er auf eine Deutschlandtournee ging, wurde ein Publikumsrenner. An der Hausfassade in der Friedrichstraße 218 erinnert heute eine Gedenktafel:
"Paul Linckes Berliner Operette "Frau Luna" stieg hier am 1. Mai 1899 im einstigen Apollo-Theater aus der Berliner Luft in den Operettenhimmel".

1901 traf Lincke Ellen Sousa, eine junge Schauspielerin. Es war eine schicksalhafte Begegnung. Schon bald teilte Ellen Sousa mit ihm seine Wohnung in der Oranienstraße 64 und spielte die Frau Luna in seiner Operette.
1902 wurde die Operette "Lysistrata" uraufgeführt.
Im selben Jahr wurden Paul Lincke und Ellen Sousa Eltern eines Sohnes. Immer schwieriger gestaltete sich seitdem ihr Zusammenleben. Lincke versprach seiner Partnerin die Ehe und verlangte von ihr im Gegenzug, ihre Bühnenkarriere zu beenden. Ellen Sousa entschied sich nach einer Bedenkzeit gegen die Ehe und für die Bühne, nahm ihren Sohn und verschwand. Jahre später heiratete Sousa einen Unternehmer, der ihren unehelichen Sohn adoptierte.

1908 wurde Paul Lincke erster Kapellmeister und Komponist am Metropol-Theater, der heutigen Komischen Oper in der Behrenstraße in Berlin-Mitte.
An seinem 75. Geburtstag wurde Lincke zum Ehrenbürger der Stadt Berlin ernannt und erhielt die Silberne Ehrenplakette.
Während eines Gastspiels in Marienbad 1943 wurde sein Wohnhaus in der Berliner Oranienstraße 64 in Berlin-Kreuzberg ausgebombt.
Heute hängt dort eine Gedenktafel, die das Andenken an den Begründer der Berliner Operette wachhält.

Vergeblich bemühte sich Lincke nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, nach Berlin zurückzukehren. Obwohl Lincke als gebürtiger Berliner fast sein ganzes Leben in Berlin gewohnt hatte und wie kein anderer in dieser Stadt verwurzelt war, verweigerten ihm die Alliierten die notwendige Zuzugsgenehmigung. Grund dafür war vermutlich seine Popularität, die er bei den Machthabern des Dritten Reiches genossen hatte. Ein besonders glühender Verehrer seiner Musik war Joseph Goebbels gewesen. Lincke war das musikalische Aushängeschild, mit ihm schmückte man sich gerne. Da nützte es Lincke auch nichts, dass er sich nie zum Nationalsozialismus bekannt oder die Nähe von Goebbels und Konsorten gesucht hatte.

So starb Paul Lincke am 3. September 1946, kurz vor seinem 80. Geburtstag, in der Fremde. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof in Hahnenklee, einem Ortsteil von Goslar im Oberharz (Niedersachsen)
Dort befindet sich nicht nur das ihm zu Ehren gegründete Paul-Lincke-Museum sondern auch der Sitz der Paul-Lincke-Gesellschaft.
Am 7. November 1956 wäre Paul Linke 90 Jahre geworden. Aus diesem Anlass wurde eine 1260 Meter lange Straße am Landwehrkanal in Berlin-Kreuzberg in Lincke-Ufer umbenannt. Seit dem 7. November 1966 heißt dieser Straßenzug Paul-Lincke-Ufer.

Linckes bekanntesten Operetten

Venus auf Erden (Berlin 1897)
Frau Luna (Berlin 1899)
Im Reiche des Indra (Berlin 1899)
Fräulein Loreley (Berlin 1900)
Lysistrata (Berlin 1902)
Nakiris Hochzeit, oder Der Stern von Siam (Berlin 1902)
Prinzess Rosine (Berlin 1905)
Casanova (Darmstadt 1913)
Ein Liebestraum (Hamburg 1940)

Gassenhauer
Auf dem Hängeboden
Die Gigerlkönigin
Verschmähte Liebe
O Theophil
Schenk' mir doch ein kleines bisschen Liebe
Bis früh um fünfe, kleine Maus
Folies-Bergère
Glühwürmchen-Idyll
Grigri-Walzer
Heimlich, still und leise
Hinterm Ofen sitzt 'ne Maus
In Deinen Augen steht es geschrieben
Lasst den Kopf nicht hängen
Nimm mich mit in dein Kämmerlein
Schlösser, die im Monde liegen
Siamesische Wachtparade
Das macht die Berliner Luft
Wenn auch die Jahre enteilen
Wenn die Blätter leise rauschen

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