Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Karl Liebknecht

Karl Liebknecht wurde am 13. August 1871 in Leipzig geboren und starb am 15. Januar 1919 in Berlin.
Er war Marxist, Antimilitarist, Reichstagsabgeordneter und Mitbegründer der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD).

Die frühen Jahre
Eintritt in die SPD
Der Antimilitarist
Die Novemberrevolution
Verhaftung und Tod
Nachtrag

Die frühen Jahre
Karl Liebknecht war der zweitgeborene Sohn von Wilhelm Liebknecht und dessen zweiten Ehefrau Natalie Reh.
Seine politische Laufbahn war vorgezeichnet, denn sein Vater, ein Lehrer, Journalist und Redakteur, hatte bereits an der Märzrevolution 1848/49 teilgenommen und verbrachte wegen seiner revolutionären Ansichten 13 Jahre in der Schweiz und in England im Exil. 1869 gehörte Wilhelm Liebknecht neben August Bebel zu den Gründern der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP), aus der 1875 durch Zusammenschluss mit dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV) die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) hervorging, die sich schließlich 1890 in Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) umbenannte.
Als am 22. Oktober 1878 das sogenannte Sozialistengesetz in Kraft trat, wurde Wilhelm Liebknecht politisch verfolgt.

Karl Marx und Friedrich Engels, die politischen Weggefährten und Freunde des Vaters, wurden Taufpaten seines Sohnes Karl. Zwar waren sie selbst nicht zugegen, als der Kleine in der Leipziger Sankt Thomaskirche getauft wurde, aber sie schickten an die Familie Grüße aus London. In einem seiner Briefe an die Freunde gab der stolze Vater der Hoffnung Ausdruck, der kleine Karl möge seinen Taufpaten Marx und Engels eines Tages Ehre machen.....

Karl wuchs mit vier Brüdern auf: Theodor, Otto, Wilhelm und Adolf. Sein ältester Bruder Theodor war Mitglied und letzter Vorsitzender der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) und danach der SAPD.
Karl hatte auch noch zwei Halbschwestern, Alice und Gertrud, aus der ersten Ehe seines Vaters mit Ernestine Landolt, die im Alter von nur 35 Jahren an Tuberkulose starb.

Ab 1881 besuchte Karl Liebknecht das Nikolai-Gymnasium in Leipzig. Das Schulgeld zahlten seine beiden Taufpaten Marx und Engels.
Eigentlich wollte Liebknecht Medizin studieren, aber der Vater hatte von seinen fünf Söhnen Karl als denjenigen dazu bestimmt, sein politisches Erbe anzutreten. Von 1890 bis 1893 studierte Liebknecht in Leipzig Rechtswissenschaften, Nationalökonomie, Geschichte und Philosophie. Danach siedelte er nach Berlin über, wo er sein Studium an der Friedrich-Wilhelms-Universität fortsetzte.
Auch seine Familie war inzwischen nach Berlin gezogen, da der Vater dort als Chefredakteur für die SPD-Parteizeitung Vorwärts arbeitete.
Nach einem einjährigen Militärdienst bei den Garde-Pionieren in Berlin arbeitete er von 1894 bis 1898 als Referendar in Arnsberg und Paderborn.

1897 promovierte Liebknecht an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg mit dem Prädikat magna cum laude. Auch seine Assessorprüfung am 5. April 1899 bestand er mit der Note "gut".
Gemeinsam mit seinem Bruder Theodor(1870-1948) und Oskar Cohn (1869-1934), linker Politiker und Zionist, eröffnete er in Berlin 1899 eine Anwaltskanzlei und machte sich schon bald einen Namen als politischer Anwalt und als Anwalt für die SPD.

Am 8. Mai 1900 heiratete Liebknecht Julia Paradies (1873-1911), die Tochter eines Bankiers. Das Paar bekam zwei Söhne und eine Tochter. Wilhelm kam 1901 zur Welt, Robert 1903 und Vera 1906. Sein Sohn Robert wurde Maler und starb 1994 im Alter von 91 Jahren in Paris.
Am 7. August 1900 verstarb sein Vater im Alter von 74 Jahren. Beigesetzt wurde er auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin-Lichtenberg. Rund 150.000 Menschen begleiteten den Trauerzug. Unter den Trauernden befand sich auch Rosa Luxemburg, die Karl Liebknecht zum damaligen Zeitpunkt aber noch nicht persönlich kannte.

Eintritt in die SPD
Kurz nach der Beerdigung seines Vaters trat Liebknecht der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) bei.
Im November 1901 wurde er in die Stadtverordnetenversammlung gewählt, der er bis 1913 angehörte. Von 1907 bis 1910 bekleidete er das Amt des Präsidenten der sozialistischen Jugendinternationale.
Beim russischen Neujahrsfest 1906 lernte Liebknecht die dreizehn Jahre jüngere Kunststudentin Sophie Ryss (1884-1964) kennen. Die Tochter eines jüdisch-russischen Kaufmanns aus Rostow am Don wurde seine große Liebe. Liebknecht befand sich in einem tiefen Zwiespalt, hin- und hergerissen zwischen seiner Pflicht als Ehemann und Vater und seiner Liebe zu Sophie. Eine Entscheidung traf Liebknecht indes nicht, worunter alle Beteiligten litten. Noch seltener als zuvor ließ sich Liebknecht fortan zu Hause blicken.

Immer tiefer stürzte sich Liebknecht nun in die Arbeit. 1907 veröffentlichte er für die sozialistische Jugendbewegung die Schrift "Militarismus und Antimilitarismus", in der er die Verbreitung des militaristischen und nationalistischen Geistes an Schulen und Universitäten anprangerte und gegen Kasernendrill und Kadavergehorsam ankämpfte.
Sechs Monate nach der Veröffentlichung wurde Liebknecht wegen Hochverrats zu eineinhalb Jahren Festungshaft verurteilt, die er im heute polnischen Glatz absitzen musste. Aber die Absicht der Obrigkeit, den Unbequemen und Streitbaren mundtot zu machen, erreichte das Gegenteil, denn die harte Strafe machte Liebknecht nur umso populärer und erwies sich als sein Ritterschlag.
Die Versuche seiner politischen Gegner, Liebknecht durch den Ausschluss aus der Anwaltschaft die wirtschaftliche Existenz zu entziehen, scheiterten.
1908 wurde Liebknecht noch während seiner Haft in den Preußischen Landtag gewählt.

Am 22. August 1911 starb seine Frau Julia nach einer Gallenoperation im Alter von nur 38 Jahren. Sie wurde neben ihrem Schwiegervater auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde beigesetzt.
Ein Jahr später heiratete Liebknecht seine langjährige Geliebte Sophie. Das Verhältnis zwischen ihr und seinen Kindern war und blieb allerdings schwierig. Mit dem Tod ihrer Mutter hatten sie die einzige Bezugsperson verloren. Ihrem Vater hatten sie sich schon längst entfremdet, denn viel zu selten war er zu Hause, wenn sie ihn gebraucht hätten.

Der Antimilitarist
Im Januar 2012 zog Liebknecht für die SPD in den Reichstag, wo er durch seinen radikalen Antimilitarismus dem ultralinken Flügel seiner Partei angehörte.
Im August wurden Liebknecht hochbrisante Aktenkopien zugespielt, aus denen hervorging, wie korrupt preußische Beamte waren und mit welch krimineller Energie die Krupp AG sich über sechs Jahre lang Insiderwissen durch Schmiergelder und sonstige Gratifikationen erschlichen hatte. Die Aufdeckung der "Kornwalzer-Affäre" kostete Kriegsminister Josias von Heeringen nicht nur sein Amt sondern machte Liebknecht, der als Konsequenz aus diesem Skandal eine Verstaatlichung der Rüstungsindustrie forderte, über Nacht auch im Ausland bekannt.
"Wir haben niemals daran gezweifelt, dass das Kapital vaterlandslos ist und zwar um so vaterlandsloser, je patriotischer es sich gebärdet"
wetterte Liebknecht im Reichstag und
"Das Vaterland ist in Gefahr. Es ist aber nicht in Gefahr vor dem äußeren Feind sondern vor jenen gefährlichen inneren Feinden, vor allem vor der Rüstungsindustrie."

Am 1. August 1914 proklamierte Wilhelm II die Mobilmachung.
Obwohl Liebknecht ein entschiedener Gegner der Kriegsanleihen war, beugte er sich zunächst der Mehrheit in seiner Partei, die sich für einen Burgfrieden aussprach und am 4. August für die Kriegskredite stimmte.
Als Liebknecht dann aber bei einer zweiten Abstimmung am 2. Dezember desselben Jahres als einziger gegen weitere Kriegskredite stimmte, verstieß er gegen die Fraktionsdisziplin und manövrierte sich so ins politische Abseits.

Doch Liebknecht gab seinen Kampf gegen den Krieg nicht auf und fand dabei eine Verbündete in der Person von Rosa Luxemburg, die die Gruppe "Internationale" gegründet hatte. Auch Liebknecht schloss sich dieser Gruppe an. Gemeinsam mit Luxemburg gab er die Spartakusbriefe heraus und forderte immer wieder die sofortige Einstellung aller Kriegshandlungen.
Am 1. Januar 1916 gab sich die "Internationale" den Namen "Spartakusbund". Später ging aus ihm die KPD hervor.

Als 43-jähriger musste Liebknecht im Februar 1915 für ein Jahr in den Krieg ziehen. Er wurde an die Ostfront geschickt, wo es seine Aufgabe war, Schützengräben auszuheben.
Da er aber als Reichstagsabgeordneter für Sitzungen Fronturlaub erhielt, war es ihm möglich, am 1. Mai 1916 zusammen mit Rosa Luxemburg eine Antikriegsdemonstration auf dem Potsdamer Platz zu organisieren. Er wurde von der Polizei verhaftet und zu vier Jahren und einem Monat Zuchthaus verurteilt.
Als immer mehr Sozialdemokraten nun gegen weitere Kriegskredite stimmten, wurde eine Spaltung der SPD unausweichlich. Im April 1917 war es dann soweit: die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) wurde gegründet. Die neu entstandene Partei war das Auffangbecken der Spartakusgruppe und jener marxistischen Kräfte, die eine Revolution herbeiführen wollten, was durch einen deutschlandweiten bewaffneten Generalstreik erreicht werden sollte.

Die Novemberrevolution
Als Liebknecht am 23. Oktober 1918 durch eine allgemeine Amnestie vorzeitig auf freien Fuß gesetzt wurde, bereiteten ihm rund 20000 Bürger am Anhalter Bahnhof einen begeisterten Empfang.
Am nächsten Tag wurden er und seine Ehefrau Sophie zu einem Empfang in die russische Botschaft geladen.
Zusammen mit Rosa Luxemburg übernahm er die Führung des Spartakusbundes und war Mitherausgeber der Zeitung "Die Rote Fahne".
Am 4. November 1918 kam es zum Kieler Matrosenaufstand, einer Meuterei mehrerer Schlachtschiff-Besatzungen, die schließlich zu einem offenen Aufstand eskalierte, der binnen weniger Tage in die Novemberrevolution mündete und zum Sturz der Monarchie führte.
Am 9. November rief Karl Liebknecht vor dem Berliner Schloss gegen 16.00 Uhr die "freie sozialistische Republik Deutschland" aus:

"Der Tag der Revolution ist gekommen. Wir haben den Frieden erzwungen. Der Friede ist in diesem Augenblick geschlossen. Das Alte ist nicht mehr. Die Herrschaft der Hohenzollern, die in diesem Schloß jahrhundertelang gewohnt haben, ist vorüber. In dieser Stunde proklamieren wir die freie sozialistische Republik Deutschland. Wir grüßen unsere russischen Brüder [...] Durch dieses Tor wird die neue sozialistische Freiheit der Arbeiter und Soldaten einziehen. Wir wollen an der Stelle, wo die Kaiserstandarte wehte, die rote Fahne der freien Republik Deutschland hissen!"

Kurz zuvor hatte der SPD-Politiker Philipp Scheidemann die Abdankung des Kaisers verkündet und von einem Fenster des Reichstagsgebäudes die "Deutsche Republik" ausgerufen.

Verhaftung und Tod
Um die Jahreswende beteiligte sich Liebknecht an der Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands und nahm mit ihr am 8. Januar am Spartakusaufstand teil. Zuvor hatte Friedrich Ebert den linken Berliner Polizeipräsidenten Emil Eichhorn (USPD) entlassen.
Demonstranten besetzten das Polizeipräsidium und das Verlagsgebäude der SPD-Zeitung "Vorwärts". Doch der Versuch, die Übergangsregierung Friedrich Eberts mit einem Generalstreik zu stürzen, scheiterte und auch der Aufruf zur Volksbewaffnung blieb erfolglos.
Das Militär wurde gegen die Streikenden eingesetzt und es kam zu blutigen Straßenkämpfen mit Hunderten von Opfern.

Am 15. Januar 1919 wurde Liebknecht nach dem gescheiterten Aufstand in der Wohnung eines Freundes in Berlin-Wilmersdorf verhaftet und ins Hotel Eden in der Budapester Straße gebracht, wo er schwer misshandelt und anschließend von hinten erschossen wurde.
Wenig später ereilte Rosa Luxemburg das gleiche Schicksal. Während ihr Leichnam im Landwehrkanal versenkt wurde, wurde die Leiche von Karl Liebknecht auf einer Rettungswache als unbekannte Leiche abgeliefert.
Der Presseoffizier Friedrich Grabowski behauptete später, dass Liebknecht auf der Flucht erschossen und Luxemburg von der Menge getötet worden sei.
Am 25. Januar 1919 wurde Karl Liebknecht auf dem Friedhof in Berlin-Friedrichsfelde beigesetzt. Er wurde 47 Jahre alt.

Nachtrag
Otto Runge und Horst von Pflugk-Harttung, die Mörder von Karl-Liebknecht, erhielten nur geringe Haftstrafen, gegen die die Verurteilten erfolgreich Berufung einlegten. Eine Revision wurde abgeschmettert. Unter den Nationalsozialisten erhielten die Täter für die Zeit ihrer Inhaftierung eine finanzielle Entschädigung.
Otto Runge wurde im Mai 1945 der sowjetischen Kommandantur in Berlin übergeben. Sein weiteres Schicksal ist ungewiss, aber es ist anzunehmen, dass er erschossen wurde. Horst von Pflugk-Harttung starb 1967 in Hamburg.
Der Drahtzieher dieser Morde, Waldemar Pabst, wurde nie strafrechtlich zur Verantwortung gezogen und starb unbehelligt von der Justiz im Jahr 1970.

In Berlin-Mitte gibt es eine Karl-Liebknecht-Straße und ein Karl-Liebknecht-Haus. Das 1910 erbaute Gebäude war einst im Besitz der KPD und beherbergt seit 2007 die Bundesgeschäftsstelle der Partei Die Linke.

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