Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Wilhelm Krützfeld

Wilhelm Krützfeld wurde am 9. Dezember 1880 in Hornsdorf im Kreis Segeberg geboren und starb am 31. Oktober 1953 in Berlin.
Er war ein Polizist, der durch mutiges Handeln der Reichspogromnacht (9./10. November 1938) die Neue Synagoge in Berlin vor der Zerstörung bewahrte.

Nach seinem Armeedienst, den er bis 1907 bei der Garde in Spandau absolviert hatte, trat Krützfeld in den Polizeidienst. Hier brachte er es bis zum Leiter des Polizeireviers 16 am Hackeschen Markt in Berlin-Mitte.
Krützfeld war ein korrekter und pflichtbewusster preußischer Beamter. Er war unpolitisch, mischte sich nicht ein und widersetzte sich nicht bis..., ja bis zu jener Nacht vom 9. auf den 10. November 1938. Da wurde er buchstäblich über Nacht zum Helden, weil er sich als Mensch erwies in einer unmenschlichen Zeit, weil er ein Lichtblick war in jenen dunklen Tagen und weil er zum Hoffnungsträger wurde für die Hoffnungslosen.

Überraschend kamen die Ausschreitungen gegen Juden und jüdische Einrichtungen nicht, denn Krützfeld war vorgewarnt durch ein Rundschreiben, das kurz nach Mitternacht an die Leiter aller Polizeireviere in Deutschland ging. Dort hieß es u.a., dass brennende Synagogen nicht zu löschen seien solange keine Brandgefahr für Geschäfte und Wohnungen in der Umgebung bestand.
Dieser Schreckensnacht vorausgegangen war ein zwei Tage zuvor in Paris begangenes Attentat des erst 17jährigen polnischen Juden Herschel Grynszpan auf den deutschen Diplomaten Ernst von Rath. Grynszpan hatte mit diesem Attentat gegen die Abschiebung seiner Eltern und weiterer 15.000 Juden aus Deutschland nach Polen protestieren wollen.
Der Tod von Ernst von Rath am Vormittag des 9. November 1938 lieferte den Vorwand für die von der NSDAP gesteuerte Reichspogromnacht. Propagandaminister Joseph Goebbels verteidigte die schweren Ausschreitungen im Nachhinein als "die berechtigte und verständliche Empörung des deutschen Volkes über den feigen jüdischen Meuchelmord.....".

Als Krützfeld erfuhr, dass eine Gruppe entfesselter und fanatisierter SA-Leute die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße in Berlin-Mitte in Brand gesetzt hatte, rückte er mit mehreren Kollegen aus, stellte sich dem randalierenden Pöbel in den Weg und zwang ihn mit vorgehaltener Pistole zum Rückzug. Danach veranlasste er die von ihm herbeigerufene Feuerwehr, den Brand zu löschen.

In der Nacht, in der jüdische Geschäfte vom SA-Mob zerstört, jüdische Mitbürger festgenommen, zusammengeschlagen, verschleppt oder gar getötet wurden, bewies Krützfeld Zivilcourage und soziale Verantwortung. Er schaute nicht weg wie so viele seiner Kollegen und Mitbürger....
Während andere Berliner Synagogen in Schutt und Asche gelegt wurden, waren die Schäden an der Neuen Synagoge, die zu den schönsten jüdischen Gotteshäusern Europas zählte, relativ gering und so konnten auch weiterhin Gottesdienste darin abgehalten werden.
Trotz des mutigen Einschreitens von Wilhelm Krützfeld gab es für die von Eduard Knoblauch entworfene Synagoge, die am 5. September 1866 im Beisein des Ministerpräsidenten und späteren Reichskanzlers Otto von Bismarck eingeweiht worden war, kein Happy End, denn am 23. November 1943 wurde das Gotteshaus bei britischen Luftangriffen schwer beschädigt und 1958 schließlich abgerissen.

Als die Lage für die jüdische Bevölkerung immer gefährlicher wurde, kümmerte sich Krützfeld um die in seinem Revierbereich wohnenden Juden. Ein ums andere Mal gelang es ihm und einigen seiner Kollegen, die von Verhaftung und Deportation Bedrohten rechtzeitig zu warnen.
Krützfeld, der seit jener schicksalshaften Nacht so mancher Schikane ausgesetzt war, quittierte schließlich am 1. November 1943 "aus gesundheitlichen Gründen" seinen Dienst. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges arbeitete Krützfeld wieder im Polizeidienst und leitete ab 1947 die Inspektion Mitte im sowjetischen Sektor.

Am 31. Oktober 1953 starb Wilhelm Krützfeld. Bestattet wurde er auf dem Friedhof III der Georgen-Parochialgemeinde in Berlin-Lichtenberg. 1992 wurde seine Ruhestätte zum Ehrengrab erklärt.
Eine Gedenktafel neben der Neuen Synagoge erinnert an sein mutiges Einschreiten.
Außerdem wurde die Landespolizeischule in Kiebitzhörn in der Gemeinde Malente (Schleswig-Holstein) am 9. November 1993 nach Wilhelm Krützfeld benannt.

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