Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

James Hobrecht

James Hobrecht wurde am 31. Dezember 1825 in Memel (Klaipeda/Litauen) geboren und starb am 8.9.1902 in Berlin. Sein Vater Ludolph war Gutsbesitzer, seine Mutter Isabella, geb. Johnson, stammte aus England.
James Hobrecht war Ingenieur, Architekt, Stadtplaner und Stadtbaurat in Berlin.

Nach der Berufung seines Vaters zum Königlichen Ökonomierat im Jahr 1834 zog die Familie nach Königsberg (Kaliningrad/Russland).
1841 begann Hobrecht eine Lehre als Landvermesser, 1847 nahm er das Studium an der Bauakademie in Berlin auf.
1848 beteiligte er sich während der Märzrevolution an der studentischen Bürgerwache im Berliner Stadtschloss.
1849 absolvierte Hobrecht das Bauführer-Examen und trat dem Architektenverein zu Berlin bei, dem u.a. auch Friedrich August Stüler und Karl Friedrich Schinkel angehörten und dessen Vorsitzender Hobrecht später für einige Jahre wurde.
1851 trat Hobrecht eine Tätigkeit als Bauführer an und arbeitete auch in Königsberg, wo er den Packhof erbaute.
Im Jahr 1853 heiratete er Henriette Wolff. Das Paar bekam drei Söhne und vier Töchter.
1856 schloss Hobrecht das Studium zum Baumeister für Landbau und 1858 das Studium zum Baumeister für den Wasser-, Wege- und Eisenbahnbau ab und erhielt eine Anstellung als Baumeister beim Königlichen Polizeipräsidium in Berlin.

In seiner Funktion als Leiter der Kommission zur Ausarbeitung des Bebauungsplans der Umgebungen Berlins bereiste Hobrecht 1860 Städte wie Hamburg, London und Paris, um sich über die neueste Technik des Kanalisations- und Entwässerungssystems zu informieren.
Als Hobrecht 1861 eine Anstellung als Stadtbaurat von Stettin erhielt, ließ er ein Wasserwerk bauen und erstellte die Pläne für die Kanalisation.
1866 unternahm Hobrecht eine zweite Inspektionsreise nach Frankreich und England.

Mit der Rückendeckung seines Bruders Arthur, der 1872 Berliner Oberbürgermeister wurde und der es sich auf die Fahne geschrieben hatte, Berlin zur saubersten Stadt Europas zu machen, begann James Hobrecht 1873, seine Pläne für eine Kanalisation Berlins zu realisieren.
Unterstützung für die Stadtentwässerung und eine zentrale Trinkwasserversorgung fanden die Brüder bei Rudolf Virchow, Hygieniker und Arzt an der Berliner Charité.
Berlin erhielt eine Kanalisation mit zwölf voneinander unabhängigen Radialsystemen, von denen aus das Abwasser zentral gesammelt und über Pumpstationen vor die Tore der Stadt auf eigens dafür angelegte Rieselfelder geleitet wurde.
Zu jener Zeit verfügte Berlin über das modernste Entwässerungssystem der Welt.

Aber nicht nur die Berliner Kanalisation geht auf James Hobrecht zurück sondern auch der nach ihm benannte Hobrecht-Plan aus dem Jahr 1862, ein Bebauungsplan für Berlin und Umgebung, der Fluchtlinien festlegte, den Ausbau eines leistungsfähigen Schienen- und Straßennetzes und eine Verbesserung der Wohnsituation gewährleistete. Durch diesen Plan wurden die Voraussetzungen für die Kanalisation und die Gas-, Strom- und Wasserversorgung geschaffen. Mit der Regulierung der Spree wurde es den Schiffen ermöglicht, durch die Berliner Innenstadt zu fahren.
Zudem wurden 1867 sowohl die Stadtmauern als auch fast alle Stadttore abgerissen.

Die Berliner hausten teilweise unter menschenunwürdigen Wohnverhältnissen in den für diese Stadt so berüchtigten Mietskasernen. Während Beamte und Angestellte im Vorderhaus wohnten, mussten einfache Arbeiter und Tagelöhner in viel zu engen und dunklen Hinterhöfen unter katastrophalen hygienischen Verhältnissen ihr Dasein fristen. Epidemien waren die Folge.
Das war das "Milljöh" von Heinrich Zille, das er mit bissigem Humor und Berliner Schnauze brandmarkte.
Allzu zögernde politische Einflussnahme, Banken und rücksichtslose Bodenspekulanten waren schuld an dieser Misere.
In seiner Schrift "Über öffentliche Gesundheitspflege und die Bildung eines Central-Amts für öffentliche Gesundheitspflege im Staate" aus dem Jahr 1868 forderte Hobrecht die Gründung eines Gesundheitsamtes und die Bekämpfung der Cholera durch eine Neuregelung der Bauordnung.

Ab 1869 erschien die "Deutsche Vierteljahrsschrift für öffentliche Gesundheitspflege", deren Mitherausgeber James Hobrecht war.
1872 wurde Hobrecht Mitbegründer der "Deutschen Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege". Außerdem nahm er einen zweijährigen Lehrauftrag an der Berliner Bauakademie wahr.

1885 wurde Hobrecht in Anerkennung seiner Verdienste um die Entwässerung zum Stadtbaurat für Straßen- und Brückenbau ernannt.
Hobrecht wurde ein weltweit gefragter Experte, wenn es um das Thema Kanalisation ging. Nicht nur deutsche Städte griffen auf seine fachlichen Kompetenzen zurück, auch in Moskau, Kairo oder Tokio war sein Rat gefragt.

1897 ging Hobrecht nach zwölfjähriger Amtszeit in den verdienten Ruhestand. Für seine Leistungen wurde er mehrfach ausgezeichnet und mit dem Titel Stadtältester von Berlin geehrt.
Am 8, September 1902 starb James Hobrecht in Berlin im Alter von 77 Jahren. Beerdigt wurde er auf dem Friedhof der Sophienkirchgemeinde in Berlin-Mitte. Allerdings existiert dieses Grab nicht mehr, denn es fiel dem Bau der Berliner Mauer zum Opfer.
Dennoch ist Hobrecht in Berlin nicht vergessen. Ihm zu Ehren wurden in Berlin-Kreuzberg eine über den Landwehrkanal führende Brücke und jeweils eine Straße in Berlin-Neukölln und Berlin-Pankow nach ihm benannt.
Außerdem wurde Hobrecht Namensgeber für Hobrechtsfelde, ein bei Berlin gelegenes Stadtgut.
Am Eingang zum Lapidarium, dem ersten Abwasserpumpwerk Berlins am Halleschen Ufer erinnert eine Gedenktafel an James Hobrecht.

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