Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Lilli Henoch

Lilli Margarethe Rahel Henoch wurde am 26. Oktober 1899 als Tochter des jüdischen Kaufmanns Leo Henoch und seiner Frau Rose Müller in Königsberg/Ostpreußen geboren und starb am 8. September 1942 in Riga.
Sie war Sportlehrerin und eine der erfolgreichsten Leichtathletinnen aller Zeiten. Die besonderen Stärken der fünffachen Weltrekordlerin lagen in den Wurf- und Sprungdisziplinen, aber sie war auch eine ausgezeichnete Hockeyspielerin und Handballerin.

Lilli besuchte das Gymnasium. Sie hatte noch eine ältere Schwester und einen jüngeren Bruder. Als der Vater 1912 verstarb, war Lilli Henoch 13 Jahre alt. Sieben Jahre später siedelte die Mutter mit ihren drei Kindern nach Berlin über, wo sie den Versicherungsdirektor Mendel Mendelsohn kennenlernte und heiratete.
Lilli fand eine Stelle als Sportlehrerin und trat 1919 in den Berliner Sportclub (BSC), wo sie eine glanzvolle und außergewöhnliche Sportlerkarriere begann.
Bis 1926 wurde sie zehnfache deutsche Meisterin im Kugelstoßen, Diskuswerfen, Weitspringen und in der 4x100-Meter-Staffel. Daneben hielt sie vier Weltrekorde.
Als erste Frau durfte sie das höchste Vereinsabzeichen, den Goldenen Adler, an ihrem Trikot tragen.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde Lilli Henoch, die zuvor so viele sportliche Triumphe für ihren Verein erkämpft hatte, als Mitglied ausgeschlossen.
Lilli Henoch trat dem "Jüdischen Turn- und Sportclub 1905" bei, wo sie eine erfolgreiche Handballmannschaft trainierte.
Als Reaktion auf die Ausgrenzungspolitik der Nazis erwarb die jüdische Gemeinde einen Sportplatz im Grunewald, wo die Mitglieder trainieren und eigene Wettkämpfe austragen konnten.
Daneben unterrichtete Lilli Henoch an der jüdischen Schule in der Rykestraße im Prenzlauer Berg als Turnlehrerin.
Im April 1938 wurden jüdische Sportfunktionäre zum Rücktritt gezwungen, in deutschen Sportvereinen waren Juden unerwünscht. Lilli Henoch verlor ihre Arbeitsstelle als Sportlehrerin.
Immer feindseliger wurde das Klima in Nazi-Deutschland. Viele der Verfolgten emigrierten ins Ausland - auch Lillis Schwester Suse verließ Berlin. Lilli Henoch aber blieb, obwohl sie Angebote erhalten hatte, im Ausland als Trainerin zu arbeiten. Auch ihr Bruder und ihre Mutter erkannten den Ernst der Lage nicht.

Am 5. September 1942 wurde Lilli Henoch zusammen mit ihrer 66-jährigen Mutter deportiert und am 8. September kurz nach ihrer Ankunft in Riga erschossen und in einem Massengrab verscharrt.
Ihr Bruder Max wurde am 19. April 1943 nach Auschwitz deportiert und kam am 2. April 1945 im KZ Buchenwald ums Leben.

Vor dem Haus in der Treuchtlinger Straße 5 in Berlin-Schöneberg wurden 2008 drei Stolpersteine für Lilli und Max Henoch sowie ihre Mutter Rose Mendelsohn verlegt.
Eine Leichtathletikhalle am Olympiastützpunkt in Hohenschönhausen, im Berliner Bezirk Lichtenberg sowie die Turnhalle der Spreewald-Grundschule am Winterfeldtplatz in Berlin-Schöneberg tragen den Namen Lilli Henoch.
In Berlin-Kreuzberg wurde am 24. August 2002 der Lilli-Henoch-Sportplatz eröffnet und in Berlin-Pankow wurde eine Straße nach der Ausnahmesportlerin benannt.
Auf einer Gedenktafel in der Synagoge in der Rykestraße in Berlin-Pankow wird Lilli Henoch als Opfer des Naziterrors erwähnt.
Außerdem wurde Lilli Henoch 1990 in die International Jewish Sports Hall of Fame aufgenommen.

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