Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Heinrich Grüber
(ein "Gerechter unter den Völkern")

Heinrich Karl Ernst Grüber wurde am 24. Juni 1891 als Sohn des Lehrers Ernst Grüber und seiner Ehefrau Alwine Cleven in Stolberg/Rheinland geboren und starb am 29. November 1975 in Berlin.
Er war ein evangelischer Theologe, der während des Dritten Reiches viele rassisch und politisch Verfolgte vor dem sicheren Tod rettete.

Nachdem Grüber in Eschweiler erfolgreich sein Abitur abgelegt hatte, studierte er Philosophie, Geschichte und Theologie in Bonn und Berlin. Aber er studierte auch in Utrecht, denn die holländische Kultur war ihm durch seine Mutter, die aus Gulpen (Provinz Limburg) stammte, bestens vertraut.
1914 legte Grüber sein erstes theologisches Examen ab.
Von 1915 bis 1918 leistete Grüber seinen Dienst als Feldartillerist und absolvierte einen Lehrgang zum Militärpfarrer. Danach übernahm Grüber eine Vertretung in einem Pfarramt in Wuppertal und leistete Sozialarbeit in Stolberg.
Nach dem Besuch des Berliner Domkandidatenstifts übernahm Grüber 1920 seine erste Pfarrstelle in Dortmund-Brackel. 1925 fand er eine Anstellung als Leiter der Erziehungsanstalt Düsselthal, die er aber bald wieder aufgab, um als Direktor des Erziehungsheims Waldhof in Templin/Brandenburg zu arbeiten.

Heinrich Grüber, der dem "Stahlhelm", einem paramilitärischen Wehrverband von Frontsoldaten zur Zeit der Weimarer Republik, nahestand, trat Anfang 1933 in die NSDAP ein und leistete 1938 sogar den Führereid. Dies war allerdings nicht ungewöhnlich, denn während die Bekennende Kirche diesen Eid ablehnte, verlangten die Landeskirchen von ihren Pastoren unter Androhung der Entlassung, dass diese den Treueeid ablegten. Rund 90 Prozent der evangelischen Pfarrer folgten dieser Anordnung.
Immerhin hinderte dieser Treueeid Grüber nicht daran, seinem Gewissen zu folgen und teils konspirativ, teils offen gegen die Nationalsozialisten und ihre Doktrin zu opponieren. So wandte er sich gegen das Sterilisationsgesetz, gegen Euthanasie und Eugenik. Er lehnte den Personenkult um Adolf Hitler ab und bezog Stellung gegen die zunehmende Aufrüstung Deutschlands.
Aber Grüber kritisierte auch den vom Staat angeheizten Antisemitismus, obwohl er sich selbst mehrmals zu antisemitischen Äußerungen hinreißen ließ. Warum er dies tat, dazu schwieg Heinrich Grüber.....

Grüber, der am 2. Februar 1934 eine Pfarrstelle an der Jesuskirche in Kaulsdorf in Berlin-Hellersdorf angetreten hatte, wurde mehrmals von linientreuen Gemeindemitgliedern denunziert, was ihm ein ums andere Mal Konflikte mit der Gestapo einbrachte.
Grüber etablierte eine Bekenntnisgemeinde in Kaulsdorf und setzte sich für die Gründung weiterer Bekenntnisgemeinden ein. Außerdem war er auch für die Niederländische Gemeinde in Berlin zuständig.

Am 3. März 1935 wurde Grüber von der Kreisbekenntnissynode zum Vertrauensmann gewählt. Durch seine Arbeit lernte er auch Pfarrer Martin Niemöller kennen und schätzen.
1938 wurde das "Büro Pfarrer Grüber" in der Oranienburger Straße in Berlin-Mitte unter dem Namen "Hilfsstelle für nichtarische Christen" gegründet.
Grüber kümmerte sich um die seelsorgerische Betreuung von rassisch Verfolgten und er setzte sich für die Auswanderungswilligen ein, indem er diesen mit Rat und Tat zur Seite stand und auch die Stellenvermittlung ins Ausland übernahm. Besonders engagierte sich Grüber für die Auswanderung von Kindern.
Mehrmals weilte Grüber in den Niederlanden und Großbritannien, um sich dort für die Aufnahme der rassisch Verfolgten in Deutschland starkzumachen.
Darüber hinaus setzte sich Grüber für die Freilassung Inhaftierter ein und lieferte Lebensmittel und Medikamente in die Konzentrationslager.

Besonders wichtig für Grübers Arbeit war die staatliche Anerkennung des Büros als Organisation zur Förderung der Auswanderung der als Juden verfolgten Deutschen. Ab September 1939 unterstand Büro Grüber der Aufsicht durch Adolf Eichmann.
Solange die Machthaber noch Interesse an einer Auswanderung der Juden hatten, gelangte Grüber auch an die notwendigen Ausreisevisa. Später dann, als die Vernichtung der Juden das alleinige Ziel war, tat Grüber dies auf illegalem Wege mit Hilfe nationaler und internationaler Hilfsorganisationen, zu denen Grüber im Laufe der Jahre durch seine enge Zusammenarbeit überaus wichtige Kontakte knüpfen konnte. So vermochte er beispielsweise, Verfolgte mit falschen Pässen zu versorgen.

Auch Grubers Ehefrau stand hinter den Aktionen ihres Mannes und unterstützte diesen so gut es ihr möglich war.
Als in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 der Mob die Straßen regierte und jüdische Geschäfte und Wohnungen plünderte, Synagogen in Brand steckte und Juden zusammenschlug oder gar ermordete, flohen in den Folgetagen viele der an Leib und Leben Bedrohten in das Kaulsdorfer Pfarrhaus. Familie Grüber nahm die verängstigten Menschen bei sich auf und sorgte zusammen mit loyalen Gemeindemitgliedern der Bekennenden Kirche für geheime Unterkunft und Verpflegung.

Als im Herbst 1940 fast 7.000 Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saargebiet in das am Westrand der Pyrenäen gelegene Internierungslager Camp de Gurs deportiert wurden, wusste Grüber, dass bloße Proteste nicht mehr genügten und er nun selbst unter Einsatz seines eigenen Lebens zur Tat schreiten musste.
Auf konspirativem Wege besorgte er sich einen Reisepass, doch noch vor seiner Abreise nach Südfrankreich wurde er auf Befehl Heydrichs am 19. Dezember 1940 verhaftet und in das KZ Sachsenhausen verbracht. Von dort erfolgte 1941 die Verlegung nach Dachau in den so genannten "Pfaffenblock".
Dort war Heinrich Grüber schwersten Misshandlungen durch die Wärter ausgesetzt. Er wurde mehrmals zusammengeschlagen und verlor alle Zähne. Mehrere Herzinfarkte waren die Folge dieser barbarischen Behandlung.

Ein einziges Mal gelang es Margarete Grüber, in Begleitung ihres Sohnes Hans-Rolf, ihren Ehemann in Dachau zu besuchen. Dieser Besuch fand am 18. Dezember 1942 statt und dauerte nur 30 Minuten.
Am 23. Juni 1943 wurde Grüber auf Fürsprache seiner Familie aus der Haft entlassen. Besonders hatte sich sein Schwager E. H. Vits, ein Industrieller, für ihn eingesetzt.
Nach einer "Probezeit" konnte Grüber seine pfarramtliche Tätigkeit in Berlin-Kaulsdorf wieder aufnehmen, aber sein Büro war aufgelöst und die meisten seiner jüdischen Mitarbeiter deportiert oder ermordet worden.
Immerhin aber war es Grüber gelungen, zwischen 1700 und 2000 Juden vor dem sicheren Tod zu retten.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Grüber wiederum aktiv. Er versteckte Frauen und Mädchen vor den sowjetischen Vergewaltigern und sprach bei dem sowjetischen Stadtkommandanten Bersarin vor.
Für kurze Zeit avancierte Grüber zum Kaulsdorfer Bürgermeister. Danach wurde er stellvertretender Leiter des Beirats für Kirchenfragen.
Grüber wurde Mitglied des ersten Nachkriegsmagistrats von Berlin und gründete 1945 als Probst an St. Marien zu Berlin die Evangelische Hilfsstelle für ehemals Rasseverfolgte. Dort unterstützte er Überlebende des Holocaust und half ehemaligen Verfolgten bei der Heimkehr in ihre deutsche Heimat.

1949 wurde Grüber zum Bevollmächtigten des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland bei der Regierung der DDR ernannt. Nun sah Grüber seine Aufgabe als Brückenbauer zwischen Ost und West.
Grüber erhielt viele kirchliche Ämter. So war er im Evangelischen Hilfswerk tätig, in der Evangelischen Frauenhilfe, und er wurde zum Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen.
Doch auch bei den kommunistischen Machthabern machte sich Grüber durch seine Tätigkeit für politisch Verfolgte bald Feinde und so entzog ihm Ministerpräsident Otto Grotewohl schließlich im Mai 1958 die Akkreditierung.

Heinrich Grüber begab sich auf Reisen nach Polen, in die Niederlande, nach Dänemark, nach Großbritannien, in die USA und 1958 auch erstmals nach Israel, wo er sich mit Nachdruck für die christlich-jüdische Verständigung einsetzte. Grüber war Gründungs- und Kuratoriumsmitglied der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e. V.
Der Rüstungswettlauf zwischen Ost und West beunruhigte Grüber sehr und so predigte er gegen den Kalten Krieg und gegen die atomare Bedrohung.

1965 wurde Grüber die Carl-von-Ossietzky-Medaille verliehen. 1966 wurde er zum Ehrenpräsidenten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft ernannt.
1965 eröffnete die Stiftung Evangelische Hilfsstelle für ehemals Rasseverfolgte auf ihrem Zehlendorfer Gelände ein Krankenhaus und Pflegeheim und gab ihm den Namen Margarete-Grüber-Haus.
Außerdem unterstützte Grüber zusammen mit dem damaligen Konsul der Niederlande die Gründung einer niederländischen Gemeinde in Berlin. Viele dieser Gemeindemitglieder waren ehemalige niederländische Zwangsarbeiter.

1961 rückte Heinrich Grüber in den Mittelpunkt der internationalen Presse, als er als einziger deutscher Nichtjude als Zeuge nach Jerusalem geladen wurde, um dort im Eichmann-Prozess auszusagen. Es ging dabei um die Zeit als Grüber Leiter der Berliner "Nichtarier-Betreuungsstelle" war und vergeblich versuchte, mit den Amerikanern und Engländern über Auswanderungs-Lizenzen für die verfolgten Juden zu verhandeln. In seiner Zeugenaussage bezeichnete Grüber Adolf Eichmann als "die vollkommene Vollzugsmaschine" und an anderer Stelle nannte er Eichmann einen Marmorblock, einen Eisblock und ein trauriges Symbol.....

Am 28. Juli 1964 erhielt Grüber die Anerkennung als "Gerechter unter den Völkern". Damit werden nichtjüdische Personen geehrt, die während des Holocaust unter dem Einsatz ihres eigenen Lebens Juden vor Deportation und Ermordung retteten.
Am 8. Mai 1970 erhielt er die Ehrenbürgerwürde der Stadt Berlin.
1968 veröffentlichte Grüber seine Memoiren "Erinnerungen aus sieben Jahrzehnten". Weitere Publikationen folgten "Nicht nebeneinander - Miteinander!", "Leben in Spannungen", "Leben an der Todeslinie", "Pontifex nicht Partisan" und "Dona nobis pacem!"

Am 29. November 1975 starb Heinrich Grüber an einem Herzanfall.
Seine letzte Ruhe fand er in einem Ehrengrab auf dem Evangelischen Friedhof der Domgemeinde in der Müllerstraße in Berlin-Mitte.
Seine Frau Margarete führte bis zu ihrem Tod am 17. Dezember 1986 die Stiftung weiter.

Heinrich Grüber erhielt für sein Lebenswerk zahlreiche Auszeichnungen. Neben der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse im Jahr 1963 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin, der Comenius-Fakultät der Universität in Prag, der Theologischen Fakultät des Wagner Lutheran College auf Staten Island, New York City, der Theologischen Brethren Church Faculty in Chicago und des Hebrew Union College, New York City.
Zwei Jahre später wurde Grüber Ehrenpräsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft.
1967 erhielt Grüber die Albert-Schweitzer-Medaille der Albert-Schweitzer-Stiftung in Amsterdam, 1968 die Silberne Jugend-Aliyah-Medaille der Jewish Agency for Israel und 1970 die Luther-Medaille der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg.
Ehrungen erhielt Grüber auch vom niederländischen Königshaus und von den U.S. Head Quarters in Berlin.
Das Diakonische Werk zeichnete Grüber 1971 mit dem Goldenen Kreuz aus.
Auch Berlin ehrte Heinrich Grüber. Im Ortsteil Kaulsdorf gibt es eine Heinrich-Grüber-Straße und einen Heinrich-Grüber-Platz.in Berlin-Kaulsdorf
Die Kaulsdorfer Jesuskirche erinnert an ihren ehemaligen Pfarrer mir einer Gedenktafel.

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