Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Karl Ludwig Gronau

Karl Ludwig Gronau wurde am 7. Juni 1742 als Sohn des Predigers Johann Hermann Gronau und dessen Ehefrau Luise von Bergen, in Berlin geboren und starb am 8. Dezember 1826 ebenfalls in Berlin.

Gronau war ein evangelisch-reformierter Pfarrer und Meteorologe. Der "Wetterpfarrer", wie er genannt wurde, gilt als Begründer der wissenschaftlichen Wetterbeobachtung in Berlin und Brandenburg.
Seine sich über 70 Jahre erstreckenden Wetteraufzeichnungen fallen in die Regierungszeit von Friedrich II, einer Zeit extremer Kälte und großen Temperaturschwankungen.
Gronaus regelmäßige Wetterbeobachtungen und seine Unwetterchronik, die er anhand alter Quellen zusammenstellte, gewähren heute aufschlussreiche Informationen über die Witterung und die mit ihr zusammenhängenden Hungersnöte in Berlin und Brandenburg.
Außerdem beleuchtete er den Zusammenhang der winterlichen Temperaturschwankungen zwischen Grönland und Nordeuropa und die Auswirkungen auf Deutschland.

Schon früh begeisterte sich Gronau für Naturwissenschaften, insbesondere für Meteorologie und Astronomie. Nach dem Besuch des Joachimsthalschen Gymnasiums in Berlin studierte er Theologie in Frankfurt/Oder. Bevor er wie sein Vater Prediger an der Berliner Parochialkirche wurde, war er sechs Jahre in Berlin als Hofmeister im Hause von Ludwig Clamor de la Chevallerie Freiherr von La Motte tätig.
1777 heiratete er die verwitwete Johanne Hermann, Mutter von fünf Kindern. Gronau wurde Vater eines Sohnes, der später ebenfalls Prediger wurde und in Köpenick wirkte.
1782 wurde Gronau Mitglied der "Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin" und spätere deren Bibliothekar.
Eine besondere Ehrung wurde ihm 1820 anlässlich seines 50. Amtsjubiläums zuteil, als ihm König Friedrich Wilhelm I den Roten Adlerorden 3. Klasse und die Universität Berlin ihm die Ehrendoktorwürde der Theologie verlieh.

Die sogenannte Kleine Eiszeit begann im ausklingenden Mittelalter und reichte bis ins 19. Jahrhundert hinein. Besonders das 18. Jahrhundert war geprägt von Naturkatastrophen, Seuchen und Hungersnöten, verursacht durch extrem kalte und langanhaltende Winter, die in Brandenburg oft von Ende November bis Mitte April andauerten und in denen die Flüsse bis auf den Grund zufroren. Schuld daran waren mehrere aktive Vulkane, die über einen langen Zeitraum hinweg durch mächtige Eruptionen die Atmosphäre verschmutzten und die Sonnenstrahlen daran hinderten, die Erde ausreichend zu erwärmen.

Ganz besonders hart traf es die Bevölkerung im Winter 1739/40, dem kältesten Winter seit 300 Jahren. "Vielen Menschen in der Mark sind die Nasenlöcher zugefroren, in der Kirche erstarrt der Wein für die Kommunion", so berichtete Pfarrer Karl Ludwig Gronau. Der Sommer fiel in jenem Jahr aus und Frost gab es selbst noch am 13. Juni. 1740, das war auch das Jahr der Thronbesteigung Friedrich des Großen.
Die Not zu jener Zeit war oft so groß, dass der Preußenkönig anwies "in Berlin so viel Stuben zu mieten, dass sich darin eintausend arme Frauen und Kinder aufhalten können." Er ließ Brennholz verteilen und die Kartoffel trat ihren Siegeszug in Preußen an, da das Getreide nach jahrelangen Missernten für die arme Bevölkerung unerschwinglich teuer war.
Aber Friedrich II nutzte die Winter auch für seine Kriegsführung im Ersten und Zweiten Schlesischen Krieg, die Vorboten des Siebenjährigen Krieges. Seine Rechnung ging auf und Preußen triumphierte.

Doch das Wetterpendel schlug auch nach der anderen Seite aus und so gab es neben extrem kalten auch außergewöhnlich milde Winter. So blühten im Jahr 1756 die ersten Blumen bereits Ende Januar. Zudem kam es häufig zu Überschwemmungen und immer wieder trieben heftige Gewitter ihr Unwesen.

1783 wurde zum Katastrophenjahr. Gleich mehrere Vulkane brachen in Island, Italien und Japan aus und verdunkelten die Atmosphäre mit schwefelhaltiger Luft, was Gronau folgendermaßen beschrieb:
"Eine außerordentliche Erscheinung war der bis zum Ende des Monats fast täglich bemerkte Nebel. Die ganze Luft war mit einem rötlichen Dunste erfüllt, der oft auch einen schwefelichten Geruch verspüren ließ".
So extrem der Winter 1740 auch war, der Winter 1784 übertraf ihn noch. Durch Eisgang und Hochwasser wurden in Deutschland fast alle Brücken beschädigt oder zerstört.

1821 trat Karl Ludwig Gronau in den Ruhestand und starb am 8. Dezember 1826 im Alter von 84 Jahren.
Neben zahlreichen Veröffentlichungen über Eis, Hagel, Reif, Schnee und Gewitter, aber auch über das Erdbeben in Schlesien von 1799, verfasste er Publikationen über den Einfluss der Mondwechsel auf die Witterung und schrieb 1808 eine kleine Abhandlung "Ueber die vom Himmel gefallenen Steine". Bereits 1794 erschien sein mehrbändiges Werk "Versuch einiger Beobachtungen über die Witterung der Mark Brandenburg, besonders in der Gegend um Berlin".

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