Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Johann Ernst Gotzkowsky
"Geschichte eines patriotischen Kaufmanns"

Johann Ernst Gotzkowsky wurde am 21. November 1710 als Sohn von Adam von Gotzkowsky und dessen Ehefrau Anna Magdalena Abelin in Konitz (Westpreußen) geboren und starb am 9. August 1775 in Berlin.
Er war ein Berliner Unternehmer, Kunsthändler und Gründer einer Porzellan-Manufaktur, aus der später die Königliche Porzellan-Manufaktur (KPM) hervorging.

Gotzkowsky, der einem verarmten polnischen Adelsgeschlecht entstammte, verlor schon sehr früh seine Eltern durch die Pest. Er wurde von Verwandten in Dresden aufgenommen und ging dann als Vierzehnjähriger zu seinem in Berlin lebenden Bruder Christian Ludwig (1697-1761).
Nach dem Abschluss einer Kaufmannslehre arbeitete er im Juwelen- und Galanteriewarenhandel seines Bruders, der mit seinen Artikeln auch den preußischen Königshof belieferte, wo er den Kronprinzen und späteren Regenten Friedrich II näher kennenlernte.
Nach seiner Thronbesteigung erteilte Friedrich II zur Belebung der heimischen Wirtschaft Gotzkowsy den Auftrag zur Gründung neuer Manufakturen. Außerdem sollte Gotzkowsky dabei behilflich sein, Handwerker und Künstler nach Preußen zu holen.

Eine glückliche Fügung des Schicksals war für Gotzkowsky die Verbindung mit Anna Louisa Blume (1725-1755), die Tochter des Hofposamentiers. Am 1. Juli 1745 heiratete er sie in der Marienkirche in Berlin.
Nach dem Tod seines Schwiegervaters ein Jahr später, baute Gotzkowsky dessen Unternehmen zu einer Samt- und Seidenmanufaktur aus.
Friedrich II unterstützte Gotzkowsky, der ihm auch als Berater in allen wirtschaftlichen Fragen zur Seite stand, nicht nur durch ein Einfuhrverbot von Samt nach Preußen sondern griff ihm von Zeit zu Zeit mit großzügigen Krediten und staatlichen Subventionen unter die Arme.

1747 erwarb Gotzkowsky das heute als Nicolaihaus bekannte Gebäude in der Brüderstraße.
1753 übernahm er eine Seidenstoffmanufaktur und machte aus ihr ebenfalls ein florierendes Unternehmen. Zwei Jahre später beauftragte ihn Friedrich II, in Frankreich, Italien und den Niederlanden Gemälde für die Galerie von Schloss Sanssouci zu erwerben.

Ein Jahr später entfesselte der Preußenkönig den Siebenjährigen Krieg und das Unheil für Gotzkowsky nahm seinen Lauf.
Als im Oktober 1760 Berlin von Russen und Österreichern besetzt wurde, gewährte Gotzkowsky nicht nur Verfolgten und Bedrängten Zuflucht in seinem Haus und trat bei den Besatzern als deren Fürsprecher auf, Gotzkowsky sorgte auch für die Verpflegung der Truppen, zahlte immer wieder hohe Bestechungsgelder, um Schaden von der Bevölkerung abzuwenden und erreichte mit großem diplomatischem Geschick, dass die Russen ihre Kontributionsforderung von vier Millionen Reichstalern auf 1.5 Millionen Reichstaler reduzierten. Riesige Summen zahlte Gotzkowsky dabei aus seinem Privatvermögen.
Auch für Leipzig erreichte Gotzkowsky eine Minderung der verlangten Kontributionsgelder von zwei Millionen auf 800000 Reichstaler, für deren Begleichung er persönlich bürgte.
Bestechungsgelder zahlte Gotzkowsky auch, um das königliche Lagerhaus und wichtige Manufakturen vor der Zerstörung durch die Besatzungstruppen zu bewahren.

1761 gründete Gotzkowsky auf Wunsch des Königs eine Porzellanmanufaktur, was mit hohen Kosten verbunden war, denn der Verkauf von Luxusgütern war während des Krieges fast völlig zum Erliegen gekommen. Immerhin erteilte ihm Friedrich II das Monopol auf die Porzellanherstellung in Preußen.
Trotz großer finanzieller Sorgen ließ Gotzkowsky in seinen Manufakturen weiterarbeiten, denn er wollte keinen seiner Mitarbeiter in diesen schwierigen Zeiten auf die Straße setzen.
So viel Gemeinsinn, soziales Engagement und Uneigennützigkeit stieß sowohl in der Bevölkerung als auch bei Hofe und beim Kurfürsten von Sachsen, der ihn zum "Geheimen Commerzrath" ernannte, auf großen Respekt und Anerkennung.

Die finanziellen Verpflichtungen, die Gotzkowsky gegenüber den Russen eingegangen war, beglich er u.a. auch mit dem Verkauf von 317 Gemälden aus seiner eigenen Sammlung. Noch heute befinden sich diese Kunstwerke in der Eremitage in Sankt Petersburg.

Nach dem Frieden von Hubertusburg am 15. Februar 1763, der das Ende des Siebenjährigen Krieges einläutete, führte Friedrich II eine Münzreform durch, die zur Verknappung der Geldmittel und zu einer erhöhten Wechselreiterei führte.
Die finanziellen Risiken, die Gotzkowsky bei der Tilgung seiner Schulden einging, die angeschlagene Reputation als Unternehmer und der Bankrott des Amsterdamer Handelshauses der Gebrüder de Neufville im Sommer 1763 stürzten Gotzkowsky in den Ruin.
Friedrich der Große erwarb am 24. August 1763 die Porzellanmanufaktur Gotzkowskys. Die am 19. September 1763 unterzeichnete Kaufurkunde gilt als Gründungsurkunde der KPM.

Mit dem Erlös aus dem Verkauf seiner Porzellanmanufaktur befriedigte Gotzkowsky wenigstens einen Teil der Ansprüche seiner Gläubiger.
Trotz aller Energie, die er aufwendete, um in den folgenden Jahren all seine Schulden zurückzuzahlen, misslang dieser Versuch, denn die französischen Samt- und Seidemanufakturen waren eine Konkurrenz, denen er kaum gewachsen war und die seine Geschäfte an den Rand des Bankrotts trieben.
Vergeblich bemühte sich Gotzkowsky, mit riskanten Spekulationen wieder zu Geld zu kommen. Sein Ansehen war angekratzt und Friedrich der Große zeigte keinerlei Bereitschaft, seinen treuen Diener noch einmal finanziell zu unterstützen.
1767 wurde Gotzkowsky wegen Zahlungsunfähgikeit verhaftet, kam aber wieder auf freien Fuß, weil ein Unbekannter für ihn bürgte.

Von all diesen Ereignissen gezeichnet und deprimiert von der Undankbarkeit und der Ungerechtigkeit, die ihm widerfahren waren, überließ Gotzkowsky einem Freund seinen Lebenslauf mit allen Unterlagen und Dokumenten, die es bedurfte, um die Uneigennützigkeit seines Handelns und die Ehrlichkeit seines Charakters zu beweisen.
Dieser Lebenslauf wurde 1768 unter dem Titel: "Geschichte eines patriotischen Kaufmanns" veröffentlicht.
Einsam, verarmt und fast völlig vergessen starb Johann Ernst Gotzkowsky am 9. August 1775 in Berlin im Alter von 64 Jahren. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Alten Friedhof Sankt Nicolai und St. Marien. Sein Grab existiert nicht mehr.

In Berlin-Mitte wurden eine Grundschule, eine Brücke und eine Straße nach Gotzkowsky benannt.
Eine Gedenktafel an seinem ehemaligen Wohnhaus erinnert heute an den "patriotischen Kaufmann".

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