Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Funkturm

Berlin, Funkturm Der Funkturm in Berlin-Charlottenburg wurde zwischen 1924 und 1926 von Heinrich Straumer auf dem Berliner Messegelände erbaut und gehört heute zu den bekanntesten Wahrzeichen der Stadt.
Die Geschichte des Funkturms begann, als die aufstrebende Stadt Berlin plante, am Rande von Charlottenburg auf einem ehemaligen Exerzierplatz des Kaiserreichs ein Messegelände zu errichten.
Nachdem die ersten beiden Hallen für die Automobilindustrie erbaut worden waren, erhielt auch die Rundfunkbranche eine eigene Messehalle, das "Haus der Funkindustrie". Anlässlich der Ersten Großen Deutschen Funkausstellung im Jahr 1924 wurde die Halle feierlich eröffnet.

Im Haus der Funkindustrie hatte auch der neue Mittelwellensender Witzleben seinen Platz gefunden, da das erste Studio im Vox-Haus am Potsdamer Platz in Berlin-Mitte, in dem ein Jahr zuvor, am 29. Oktober 1923, der deutsche Rundfunkbetrieb begonnen hatte, längst zu klein geworden war. Um die Qualität der Übertragungen zu verbessern, brauchte der Sender Witzleben eine neue moderne Sendeanlage.
Da die Funktechniker für die bereits bestehenden 70 Meter hohen Sendemasten nun eine Höhe von mindestens 100 Metern forderten, entschloss sich die Messeleitung zum Bau eines repräsentativen Fernsehturms.
Heinrich Straumer, der schon das Haus der Funkindustrie erbaut hatte, wurde damit betraut, einen schlichten Antennenträger zu einem Funkturm nach dem Vorbild des Pariser Eiffelturms auszubauen. Straumer plante eine Stahlkonstruktion mit einem Restaurant auf 52 Meter Höhe und unter der Spitze eine Aussichtsplattform. Um die Isolierung der Stahlkonstruktion zu gewährleisten, erhielt der Sendeturm Füße aus Porzellan.
Am 8. November 1924 begann man mit dem ehrgeizigen Projekt.

Der Turm wuchs nach heutigen Maßstäben eher langsam in die Höhe, da das meiste in Handarbeit geleistet werden musste, denn wirklich effiziente technische Hilfen gab es zu jener Zeit noch nicht. Obwohl die Arbeiter ungesichert ihr Werk verrichteten, kam es zu keinen nennenswerten Unfällen.
Im Frühjahr 1925 wurde der Rohbau des Turmes fertiggestellt. Vier Tage vor der Eröffnung des Funkturms brach am Restaurantdach ein Feuer aus, das jedoch schnell gelöscht wurde, so dass der Funkturm wie vorgesehen zur Funkausstellung 1924 in Betrieb genommen werden konnte.
Die Kosten für den 6oo Tonnen schweren und 138 Meter hohen Turm beliefen sich auf 180.000 Reichsmark.
Die Einweihung am 3. September 1926 erfolgte unter Böllerschüssen, Musik von Beethoven und in Beisein des Oberbürgermeisters, des Polizeipräsidenten und verschiedener Reichsminister.

50 Pfennige kostete es, mit dem Aufzug bis zur Aussichtsplattform zu gelangen und dennoch war es für manche unerschwinglich. Erst recht galt dies für das Restaurant, das für damalige Verhältnisse außergewöhnliche Gerichte wie Känguruschwanzsuppe anbot und mit seinem luxuriösen Ambiente nur Gutbetuchten vorbehalten war.

Rasch entwickelte sich das Gelände zu Füßen des Funkturms zu einer gefragten Gegend für Wohn- und Geschäftshäuser.
Gegenüber dem Funkturm entstand das Haus des Rundfunks, das damals größte und modernste Funkhaus Europas.
Während Albert Einstein in seiner Rede anlässlich der Funkausstellung von 1930 im Rundfunk noch ein Medium für die Völkerversöhnung sah, missbrauchten die Nationalsozialisten nur drei Jahre später Funkturm und Funkhaus als Sprachrohr ihrer Propaganda. Politische Fehlinformation und leichte Unterhaltung sollten das Volk bei der Stange halten.

Zwar stellte sich schon bald heraus, dass der Funkturm auf Grund seiner Konstruktion nicht in der Lage war, überall in Berlin für einen einwandfreien Radioempfang zu sorgen, dennoch aber hielt man an dem Prestigeobjekt fest.
Die Nationalsozialisten, die die Entwicklung der Rundfunktechnik gezielt vorangetrieben hatten, konnten auf der Funkausstellung 1935 der Weltöffentlichkeit stolz die ersten Fernsehempfänger präsentieren.
Das erste Fernsehbild wurde bereits 1929 über den Sender Witzleben vom Funkturm übertragen, die ersten Versuchssendungen liefen 1932 über den Fernsehsender Paul Nipkow.
1935 wurde in Berlin der weltweit erste regelmäßige Fernsehbetrieb aufgenommen.

Während der 11. Großen Deutschen Funkausstellung kam es am 19. August 1935 gegen 20.00 Uhr in Folge eines Kurzschlusses zu einem Großbrand, der die hölzerne Messehalle in Schutt und Asche legte, durch Funkenflug alle Sendeeinrichtungen am Funkturm zerstörte und schließlich auch das Turmrestaurant in Brand setzte. Drei Menschen starben, 26 wurden verletzt, der Sender Witzleben fiel den Flammen zum Opfer.

Während des Zweiten Weltkrieges diente der Funkturm als Warn- und Beobachtungsposten, bevor im April 1945 eine der Hauptstreben durch Granaten beschädigt wurde. Das Restaurant brannte zum zweiten Mal in seiner Geschichte aus.
Von 1946 bis 1948 erfolgte die Reparatur des Funkturms mit 7 Tonnen Stahl und 800 Kilo Schrauben. Das Restaurant wurde etwas später wiedereröffnet.
Auch der Funkbetrieb wurde wieder aufgenommen. Die Antenne, die der NWDR auf die Spitze des Funkturms montierte, ließ dessen Höhe auf 150 Meter anwachsen. Ende der 1960-er Jahre wurde der Rundfunkverkehr für immer eingestellt. Auf der Spitze des Funkturms stehen heute nur noch Antennen für den Polizeifunk
Aber auch als der Turm seiner Funktion beraubt war, blieb er ein beliebtes Ausflugsziel und ein Symbol für Westberlin. Doch er sollte Konkurrenz aus dem Ostteil der Stadt bekommen, denn am 3. Oktober 1969 wurde der mehr als doppelt so hohe Fernsehturm in Berlin-Mitte eingeweiht.

Anlässlich der 750-Jahr-Feier der Stadt erfuhr der Funkturm eine umfangreiche Sanierung.
Am 2. April 1979 wurde zu seinen Füßen nach vierjähriger Bauzeit das ICC (Internationales Congress Centrum) eröffnet.
Noch immer findet hier die alljährliche Funkausstellung (IFA) statt.

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