Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Wilhelmine Encke
Die Mätresse des Königs

Wilhelmine Friederica Bernhardina Encke wurde am 29. Dezember 1753 als Tochter des Hornisten Johann Elias Encke in Dessau geboren und starb am 9. Juni 1820 in Berlin.
Die 1794 zur Gräfin Lichtenau geadelte Wilhelmine wurde bekannt als Geliebte von Friedrich Wilhelm II.

Wilhelmines Vater stammte aus Hildburghausen, die Mutter aus Freiburg.
Da der Vater 1763 eine Anstellung in der Hofkapelle von Friedrich II fand, zog die Familie um.
Als der Kronprinz Wilhelmine kennenlernte, war er von ihr sehr angetan. Fortan nahm er das junge Mädchen unter seine Fittiche, stellte ihm eine Gouvernante zur Seite und sorgte für eine dreijährige Ausbildung. 1766 gewährte er Wilhelmine gar eine Reise nach Paris.
Beide verband ein inniges und leidenschaftliches Verhältnis. Heimlich trafen sie sich in ihrem Liebesnest in Falkenhagen. Wilhelmine erhielt eine monatliche Zuwendung, Garderobe und eine Kutsche.
1770 gab sich das Paar ein Treuegelöbnis. Noch im selben Jahr brachte Wilhelmine ihr erstes Kind zur Welt, Friedrich Wilhelm Alexander Moritz, der schnell die Zuneigung seines Vaters gewann. Als der Junge im Alter von acht Jahren starb, traf dies den König schwer. Zum Andenken an seinen Sohn ließ er von Johann Gottfried Schadow ein Grabmal errichten.
Das Paar bekam fünf Kinder, von denen nur die Tochter Marianne Diderica von der Mark (1780-1814) das Erwachsenenalter erreichte.

Auf Drängen dubioser spiritistischer Kreise, denen Friedrich Wilhelm angehörte, trennte er sich 1782 von seiner Mätresse und verheiratete sie mit seinem Kammerdiener Johann Friedrich Ritz (1755-1809). Dieser Ehe, die nach ein paar Jahren geschieden wurde, entstammten drei weitere Kinder.

Die leidenschaftliche Beziehung zwischen Wilhelmine und Friedrich Wilhelm II entflammte schon bald wieder aufs Neue. Allerdings war Wilhelmine nicht der einzige Sündenfall des Preußenkönigs. Noch zwei weitere Damen hatten die Ehre, mit dem Monarchen zur "linken Hand" getraut zu werden - 1786 Julie von Voß, die spätere Gräfin Ingenheim und nach deren Tod im Jahr 1790 Juliane Friederike Gräfin von Dönhoff.
Auch mit diesen Geliebten zeugte Friedrich Wilhelm II Kinder.

1796, ein Jahr vor seinem Tod, erhob der König Wilhelmine zur Gräfin Lichtenau. Allerdings wurde die Urkunde um zwei Jahre zurückdatiert, so dass der 28. April 1794 als offizielles Datum gilt, an dem Wilhelmine Encke in den Adelsstand erhoben wurde.

Wilhelmine war nicht nur Geliebte sondern auch Vertraute und Beraterin, die Einfluss nahm auf die Inneneinrichtung der Schlösser und den Erwerb von Kunstwerken. Sie führte im Niederländischen Palais in der Straße Unter den Linden einen der ersten Berliner Salons. Hier verkehrten Gelehrte und Künstler.
Kurz vor seinem Tod schenkte der König seiner Geliebten das Palais Lichtenau in Potsdam.

Am 16. November 1797 starb Friedrich Wilhelm II an Brustwassersucht. Sein Tod brachte den jähen Fall Wilhelmines, denn der Thronfolger Friedrich Wilhelm III war gar nicht gut auf die langjährige Mätresse seines Vaters zu sprechen. Viele leidvolle Jahre und Demütigungen hatte seine Mutter Friederike ihretwegen ertragen müssen.
Der Sohn räumte mit dem verschwenderischen Lebensstil und der Mätressen- und Günstlingswirtschaft am Hofe auf. Wilhelmine, die sich bis zuletzt um den schwerkranken König gekümmert hatte, wurde zunächst unter Hausarrest gestellt und dann in die Verbannung nach Glogau gebracht. Ihr Vermögen von rund 500.000 Talern, mehrere Häuser und zwei Güter wurden eingezogen.
Die Anklage lautete auf Hochverrat, Betrug und unrechtmäßige Bereicherung, aber Wilhelmine war nichts nachzuweisen.

Am 3. Mai 1802 heiratete Wilhelmine den 26 Jahre jüngeren aus Österreich stammenden Bühnendichter und Theaterdirektor, Baron Franz Ignaz von Holbein (1779-1855). Aber auch dieses Glück war nicht von Dauer, denn Holbein verliebte sich in eine andere und so wurde die Ehe schon nach wenigen Jahren wieder geschieden.
1809 musste das preußische Reich auf Veranlassung Napoleons Wilhelmine eine Entschädigung für ihr enteignetes Vermögen zahlen. Außerdem erhielt sie eine Rente und die Erlaubnis, nach Berlin, wo sie ein Haus besaß, zurückzukehren.

Wilhelmine Gräfin von Lichtenau, die preußische Madame de Pompadour, wie sie auch genannt wurde, starb am 9. Juni 1820 im Alter von 67 Jahren in Berlin. Sie wurde in der St. Hedwigs Kathedrale in Berlin-Mitte beerdigt. Zweimal wurde sie umgebettet. Ihr letztes Grab fiel dem Bau der Berliner Mauer zum Opfer. Der einstige Friedhof ist heute eine Grünfläche. Eine kleine Tafel erinnert an Wilhelmines Grabstelle.

Eine 1794 von Johann Gottfried Schadow stammende Marmorbüste der Gräfin Lichtenau befindet sich heute in der Alten Nationalgalerie auf der Museumsinsel in Berlin-Mitte.
Das Leben von Wilhelmine Encke diente als Vorlage für den 1965 erschienenen Roman von Ernst von Salomon (1902-1972) "Die schöne Wilhelmine".
Dieser Roman wurde 1984 unter dem gleichnamigen Titel verfilmt.

zurück zur Liste

Seitenanfang


[Home][Geschichte][Über mich][Fotos][Hohenzollern][Sightseeing][Links][Impressum][Sitemap]
Copyright (c) 2009 Brigitte Ferlet. Alle Rechte vorbehalten.