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Dreißigjähriger Krieg (1618-1648)

Der Dreißigjährige Krieg, ein Kampf um Glaube, Macht und Geld, der zunächst als Regionalkonflikt in Böhmen begann, wütete 30 Jahre mit zum Teil unvorstellbarer Grausamkeit in Europa, gipfelte im Massaker von Magdeburg, verödete ganze Landstriche und kostete mehr als einem Drittel der Zivilbevölkerung das Leben.
Es war der verheerendste Krieg, der bis dahin auf deutschem Boden ausgefochten wurde.
Die Hauptakteure waren der Habsburger Kaiser Ferdinand I (1503-1564) und Albrecht von Wallenstein (1583-1634), der als General zu Ruhm und Reichtum gelangte und so am meisten von diesem Krieg profitierte.

Alles begann in Prag, der Hauptstadt Böhmens. Die mehrheitlich protestantische Bevölkerung wurde von einem katholischen König regiert, was ungewöhnlich war zu jener Zeit, in der die Herrscher über den Glauben ihrer Bevölkerung bestimmten ("Cuius regio, eius religio" - Augsburger Religionsfriede von 1555).
Doch Ferdinand hatte den Böhmen bei seiner Königswahl Glaubensfreiheit zugesichert, ein Zugeständnis, das er nun aufkündigen wollte. So wies er seine Statthalter auf der Prager Burg an, herauszufinden, wie Böhmen wieder katholisch werden könnte.

Als die Statthalter das Niederbrennen protestantischer Kirchen erlaubten, war dies für die Protestanten eine Brüskierung und eine nicht akzeptable Verletzung ihrer verbrieften Religionsfreiheit. Ihre Empörung darüber war so groß, dass eine Delegation der Ständevertreter zur Prager Burg marschierte und die Statthalter des Königs kurzerhand aus dem Fenster warfen.
Der als "Prager Fenstersturz" in die Geschichte eingegangene Vorfall verlief zwar für die Betroffenen glimpflich, doch für die katholischen Widersacher in Wien war er dennoch ein willkommener Anlass, diesen Eklat als gewalttätigen Akt gegen den König zu brandmarken und eine Spirale der Gewalt anzukurbeln.

Nach dem Prager Fenstersturz setzten die Böhmen König Ferdinand ab und wählten den protestantischen Kurfürsten Friedrich V von der Pfalz, das Oberhaupt der Protestantischen Union, zum Gegenkönig.
Ferdinand, der inzwischen auch Kaiser war, suchte sich in Herzog Maximilian von Bayern einen mächtigen Verbündeten. Sein mächtigster Verbündeter aber sollte ein anderer werden, nämlich ein katholischer Böhme von niederem Adel, Albrecht von Wallenstein.

Am 8. November 1620 gewann die Katholische Liga die Schlacht am Weißen Berg gegen die Böhmen, vertrieb die Protestanten und machte Böhmen wieder katholisch. König Friedrich V wurde entmachtet und seine Kurwürde auf Herzog Maximilian von Bayern übertragen.
Nicht nur Böhmen wurde besiegt sondern auch die protestantische Pfalz. Damit änderten sich die Verhältnisse in Europa und die Nachbarn sahen sich bedrängt.
Christian IV, der protestantische König von Dänemark, bangte um seine Vorherrschaft im Ostseeraum und erklärte dem Habsburger Kaiser den Krieg.
Dieser sah sich dem Vormarsch der 20.000 Mann großen dänischen Truppen schutzlos ausgeliefert, denn um sich gegen sie erfolgreich zur Wehr zu setzen, benötigte der Habsburger zusätzliche Truppen, Waffen und Geld.

Hier betrat Wallenstein nun die Bühne der Geschichte, denn er versprach dem Kaiser die Bereitstellung von 50.000 zusätzlichen Soldaten binnen kürzester Zeit, indem er die besetzten Gebiete für den Sold aufkommen lassen wollte.
Wallenstein wurde zum Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen ernannt und machte sich an die Anwerbung zusätzlicher Söldner. Die entstehenden Kosten zahlte Wallenstein zunächst aus eigener Tasche, um sie sich später aus den besetzten Gebieten zurückzuholen.

Während des Dreißigjährigen Krieges änderten sich auch die Waffen. Die herkömmlichen Rüstungen boten immer weniger Schutz gegen die Musketen, die zwar unhandlich und umständlich zu bedienen waren, aber eine höhere Durchschlagskraft als herkömmliche Waffen besaßen.
Wallenstein perfektionierte nicht nur die Kriegsführung sondern auch das Geschäft mit dem Krieg. Gemäß dem Motto: "Der Krieg ernährt den Krieg", ließ er für die entstehenden Kriegskosten die Bevölkerung aufkommen, was zur Folge hatte, dass dieser kaum noch das Nötigste zum Überleben blieb. Um dieser existenziellen Not zu entgehen, schlossen sich viele Bauern mit ihren Familien den Truppen an.

Wallenstein besiegte die Dänen und besetzte den protestantischen Norden. Als Belohnung übertrug der Kaiser seinem Feldherrn das Herzogtum Mecklenburg.
Dies brüskierte nicht nur die protestantischen Landesherren sondern auch die katholischen Fürsten des Reiches, die dem Emporkömmling seine Erfolge neideten und mit Besorgnis den zunehmenden Einfluss verfolgten, den Wallenstein auf den Habsburger gewann.

Nach elf Jahren aber wurde Wallenstein kriegsmüde. Auch fürchtete er sich vor der Prophezeiung Johannes Keplers, der ihm zwar Ruhm und Erfolg vorausgesagt hatte, aber auch gleichzeitig dessen Niedergang durch die Missgunst seiner Neider.
Die erfolgreiche Verteidigung des belagerten Stralsund durch die Schweden war Wallenstein eine zusätzliche Warnung.

1629 erließ Kaiser Ferdinand das Restitutionsedikt, mit dem er die protestantischen Fürsten dazu zwingen wollte, alle seit 1552 gewonnenen Kirchengüter der katholischen Kirche zurückzugeben.
Ein Exempel sollte in Magdeburg statuiert werden, einer wohlhabenden Stadt, die im 10. Jahrhundert Bischofssitz der römischen Kirche wurde, nun aber als Bollwerk der Reformation galt. Mit dem Fall Magdeburgs wäre der gesamte Protestantismus im Deutschen Reich in Gefahr.
Wallenstein hatte nicht vor, Magdeburg zu zerstören, forderte aber für die Beendigung der Belagerung 200.000 Taler. Da die Stadt eine solch hohe Summe nicht aufbringen konnte, erklärte sich Wallenstein schließlich dazu bereit, auf das Geld zu verzichten, wenn Magdeburg dem Kaiser künftig jenen Respekt zollte, der ihm gebührte. Die Stadtverordneten waren misstrauisch und verwiesen auf das Restitutionsedikt. Wallenstein, der befürchtete, der kaiserliche Bruch des Religionsfriedens könnte durch die Einmischung der protestantischen Schweden weiteres Öl ins Feuer gießen, bot den Magdeburgern dem Edikt zum Trotz seinen Schutz an.

Der Konflikt zwischen Kaiser und Heerführer spitzte sich zu, was die Kurfürsten des Reiches dazu nutzten, zwischen beide Parteien einen Keil treiben. Sie brandmarkten Wallenstein als Verräter, der den Willen des Monarchen missachtete und eine eigene Politik betrieb. Dies führte schließlich dazu, dass Ferdinand den Generalissimus im Jahre 1630 entließ.

Im Juli 1630 landete König Gustav Adolf von Schweden auf der Insel Usedom, um Magdeburg zur Hilfe zu eilen, doch es war zu spät.
Feldherr Tilly hatte die Stadt dem Erdboden gleichgemacht. Die Hälfte der 35.000 Bewohner war dem blindwütigen Gemetzel zum Opfer gefallen.
"Da ist nichts als Morden, Brennen, Plündern, Peinigen und Prügeln gewesen. Viele Tausende unschuldiger Menschen, Weiber und Kinder sind kläglich ermordet und auf vielerlei Weise erbärmlich hingerichtet worden, so dass es mit Worten nicht beschrieben und mit Tränen nicht beweint werden kann", beschrieb ein Augenzeuge das Kriegsgreuel.
Die Bewohner, die sich in den Magdeburger Dom hatten retten können, wurden vor der Vernichtung verschont.

Das Entsetzen über dieses sinnlose und grausame Massaker war unter den Protestanten groß und es bildeten sich nun neue und mächtige Koalitionen.
Es begann ein beispielloser Siegeszug der Schweden bis nach Bayern, dem die kaiserlichen Truppen nichts entgegenzusetzen hatten.
Auch die protestantischen Heere verschonten die Bevölkerung nicht sondern folterten sie auf vielerlei Weise. Besonders gefürchtet war der "Schwedentrunk", bei dem man dem Opfer mittels eines Trichters Gülle einführte, bis dieses sich aufblähte. Dann schlug man entweder mit Brettern auf den Bauch oder trampelte so lange auf ihm herum, bis das Opfer sich entleerte.

München, das die Vergeltung für Magdeburg fürchtete, übergab freiwillig die Schlüssel der Stadt an Gustav Adolf. Triumphierend zog dieser durch das Isartor.
Kaiser Ferdinand I, der Angst vor dem Einzug Gustav Adolfs in Wien hatte, besann sich auf Wallenstein und setzte ihn wieder an die Spitze des Heeres. Ihm hatte der Schwedenkönig Mecklenburg genommen, das er sich nun wiederholen wollte.

Wallenstein hatte einen defensiven Schlachtplan ausgetüftelt. Tief gestaffelt stellte er sich den schwedischen Truppen. Jede Seite verfügte über rund 18.000 Mann.
Gustav Adolf verlor in der Schlacht bei Lützen sein Leben und auch Wallenstein entging nur knapp dem Tode.
Nach der Schlacht waren auf beiden Seiten 8000 Mann gefallen, aber eine Entscheidung hatte auch diese kriegerische Auseinandersetzung nicht gebracht.

Für Wallenstein wurde die Schlacht bei Lützen zum Wendepunkt. Er sah keinen Sinn mehr im Krieg und traf sich 1633 auf Schloss Gitschin zu einem konspirativen Treffen. Er wollte mit den Protestanten verhandeln. Immer mehr entzog sich Wallenstein der Einflussnahme des Kaisers und verfolgte eine eigene Politik. Als Wallenstein es dann wagte, die Offiziere nicht mehr auf den Kaiser zu vereidigen sondern auf sich selbst, verhängte der Habsburger die Ächtung über seinen ehemaligen Generalissimus.
Wallenstein, auf den nun ein Kopfgeld ausgesetzt war, suchte Zuflucht im böhmischen Eger im Hause des dortigen Stadtkommandanten, wo er am 25. Februar 1634 von den eigenen Soldaten ermordet wurde.

Ein Jahr nach Wallensteins Tod sah Kaiser Ferdinand ein, dass es in diesem Krieg keinen Sieger geben würde und so trafen sich im Frühjahr 1635 die deutschen Fürsten beider Konfessionen und Delegierte des Kaisers in der Prager Burg, um den kriegerischen Auseinandersetzungen durch den "Prager Frieden" ein Ende zu setzen.
Aber der Versuch, auf Reichsebene Frieden zu schließen ohne die Einbindung der Nachbarländer und deren territorialen Interessen zu berücksichtigen, war von vornherein zum Scheitern verurteilt.
So verbündete sich das katholische Frankreich mit dem protestantischen Schweden, da es sich von den habsburgischen Territorien - Spanien, die Niederlande und Burgund - umzingelt und bedroht sah.
Immer wieder entluden sich neue Konflikte, die alle auf deutschem Boden ausgefochten wurden. Neben dem Böhmisch-Pfälzischen Krieg (1618-1623) gab es den Schwedischen Krieg (1630-1635) und den Schwedisch-Französischen Krieg (1635-1648)

Erst 1648 kam es in den Städten Münster und Osnabrück zu Verhandlungen und zu einem Friedensschluss, der als "Westfälischer Frieden" in die Geschichte Einzug hielt. Neben der katholischen und der lutherischen wurde nun auch die reformierte Konfession im Reich als gleichberechtigt anerkannt.
Der für Europa so katastrophale Dreißigjährige Krieg war zu Ende, aber Kriegshandlungen, Hunger und Seuchen hatten das Reich entvölkert. Die wirtschaftliche und soziale Verödung mancher Landstriche war so verheerend, dass es viele Jahrzehnte dauerte, bis sie sich von den Folgen erholten.

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