Berlin - Impressionen einer Metropole

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Befreiungskriege (1813-1815)

Die Befreiungs- oder auch Freiheitskriege (1813-1815) sind ein Teil der Napoleonischen Kriege, auch Koalitionskriege genannt. Diese dauerten von 1792 bis 1815 und waren die Auflehnung der Europäer gegen die Herrschaft Napoleons.

Napoleon, der sich im Dezember 1804 selbst zum Kaiser krönte, sah sich als Nachfolger von Karl dem Großen.
Als "General der Revolution" weckte er auch in Deutschland die Hoffnung auf grundlegende Veränderungen, auf Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.
Nachdem er den Preußen am 14. Oktober 1806 die vernichtende Niederlage in der Schlacht bei Jena und Auerstedt zugefügt hatte und am 27. Oktober mit seinen Truppen durch das Brandenburger Tor in Berlin einzog, wurde er von vielen Bürgern bejubelt.
König Friedrich Wilhelm III aus dem Hause Hohenzollern musste die verlorene Schlacht teuer bezahlen. Auch seine Ehefrau Luise, die um einen milden Frieden für ihr Land gebeten hatte, konnte nicht verhindern, dass von Preußen immense Kriegsentschädigungen zu leisten waren und das Reich rund die Hälfte seines Staatsgebietes verlor.
Nicht mehr viel war von den erst knapp 50 Jahren zurückliegenden Eroberungszügen Friedrich des Großen geblieben.

Die Mitte Europas, die aus Hunderten von kleinen Territorien bestand, wurde von Napoleon mit der Unterstützung deutscher Herrscher neu gegliedert. Die in 16 Staaten aufgeteilten Territorien, zu denen auch Bayern und Sachsen gehörten, wurden im Juli 1806 Mitglieder des Rheinbundes und mussten sich verpflichten, Frankreich sowohl finanziell als auch militärisch zu unterstützen und aus dem Heiligen Römischen Reich auszutreten. Daraufhin legte der Habsburger Franz II die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches nieder.
Freie Reichsstädte verloren ihre Privilegien und geistliche Territorien wurden weltlich. Es entstanden neue Königreiche wie beispielsweise Württemberg.
Die Gebiete westlich des Rheins fielen an Frankreich.

Das gedemütigte Preußen lag zu jener Zeit am Boden, aber es nahte Rettung in der Person von Freiherrn vom Stein, dem es gelungen war, die preußische Staatskasse vor Napoleon in Sicherheit zu bringen. Schon 1805 war er Minister unter Friedrich Wilhelm III, fiel bei diesem aber in Ungnade, als er dringend notwendige Reformen forderte. Nun aber, in tiefster Bedrängnis, war der König zu Zugeständnissen bereit.
Den Grund für die Niederlage gegen Napoleon sah der Freiherr in der Erstarrung des Staates. Nur durch innere Erneuerung könne man sich von der französischen Fremdherrschaft befreien.
Stein wollte die Privilegien des Adels beschränken und gleichzeitig die Rechte der Bürger stärken, um sie durch Eigenverantwortung und Beteiligung an der Politik für den Staat zu gewinnen und sie zu Patrioten zu machen. Dazu gehörte auch das Emanzipationsedikt von 1812 für die Juden. Stein wollte die Bauern aus der Abhängigkeit der Gutsherren holen. Die Städte sollten sich selbst verwalten, was mehr Rechte für die Bürger einschloss, aber auch größere Eigenverantwortung für den Einzelnen. Nach diesem Konzept wurde 1809 in der Berliner Nikolaikirche die erste Stadtverordnetenversammlung vereidigt.

Aber Stein wollte auch die Freiheit der Berufswahl, der Gewerbeausübung und des Handwerks. Er wollte Märkte schaffen und den Einfluss der Zünfte beschneiden.
Wilhelm von Humboldt leitete eine Reform des Bildungswesens ein.
Stein wollte nicht die Revolution von unten, so wie in Frankreich sondern die Reform von oben. Hierzu erhielt er vom König eine umfassende Vollmacht.
Auch das Militär wurde umfangreich reformiert. Das Spießrutenlaufen und die Prügelstrafen wurden abgeschafft und unfähige Offiziere aus dem Dienst entlassen. Die Ausbildung der Offiziere wurde verbessert und das Adelsprivileg abgeschafft, so dass grundsätzlich auch Bürgerlichen eine Karriere beim Militär offenstand.
1814 wurde ein Wehrgesetz verabschiedet, mit dem eine allgemeine Wehrpflicht in Kraft trat, wodurch aus Söldnern Bürgersoldaten wurden.

Die Zahl der Bewunderer und Befürworter Napoleons schwand stetig, denn der Kaiser der Franzosen, der angetreten war, Europa zu befreien und zu reformieren, erfüllte seine Versprechen nicht. Im Gegenteil, er übersäte Europa mit Kriegen, verwüstete das Land, beutete es aus und erpresste von den Bürgern immer höheren Tribut an Geld und Blut.
Immer mehr Deutsche begehrten deshalb gegen den Besatzer auf.
Stein nahm den Sinneswandel der Bevölkerung mit Genugtuung zur Kenntnis und suchte Verbündete. Er, der aus Nassau stammte, das zum Rheinbund gehörte, verachtete die deutschen Fürsten, die mit Napoleon gemeinsame Sache machten.
Als Napoleon von den Umsturzplänen des Freiherrn gegen ihn erfuhr, musste Stein um sein Leben fürchten und so floh er nach Prag, wo man ihm Asyl gewährte. Von dort aus agitierte Stein in aller Heftigkeit gegen den Franzosen.

Im Jahre 1809 erklärte Österreich Frankreich den Krieg, aber der Befreiungsschlag scheiterte. Österreich verlor gegen Napoleon und seine deutschen Bündnispartner und musste im Frieden von Schönbrunn klein beigeben.
Am 11. März 1810 heiratete Napoleon Marie-Louise, die Tochter von Kaiser Franz II. Während der Habsburger von dieser Verbindung eine Stabilisierung der politischen Verhältnisse erwartete, wollte Napoleon eine Legitimation seines Kaiserreiches.

1812 fiel Napoleon mit 450.000 Mann in Russland ein. Davon war ein Drittel Deutsche.
Doch mit dem Russlandfeldzug wendete sich das Blatt für die Franzosen. Strenge Kälte, Hunger, erbitterte Rückzugsgefechte und totale Erschöpfung dezimierte die Grande Armee, von der nur jeder fünfte Soldat seine Heimat wiedersah.

Stein bekniete indes Zar Alexander, sich mit Preußen gegen die Franzosen zu verbünden. Auch Friedrich Wilhelm III zögerte zunächst, der Aufforderung Steins Folge zu leisten und das aufgezwungene Bündnis mit Napoleon aufzukündigen, willigte dann aber in einen Krieg gegen Napoleon ein.
Im März 1813 wendete sich der König von Breslau aus an seine Untertanen:
"An mein Volk [.....] Es ist der letzte, entscheidende Kampf, den wir bestehen, für unsere Existenz, unsere Unabhängigkeit, unseren Wohlstand. Keinen anderen Ausweg gibt es als einen ehrenvollen Frieden oder einen ruhmvollen Untergang. Auch diesem würdet Ihr getrost entgegen gehen, um der Ehre willen; weil ehrlos der Preuße und der Deutsche nicht zu leben vermag".
Zum ersten Mal sprach Friedrich Wilhelm III nicht nur von Preußen sondern auch von Deutschen und er war der erste König, der für einen Krieg um Unterstützung durch die Bürger bat.

Dieser Aufruf weckte nationale Gefühle und wurde mit großer Begeisterung aufgenommen. "Gold gab ich für Eisen" hieß ein Appell, dem patriotisch gesinnte Bürger folgten und Schmuck und Geld für die Bewaffnung der preußischen Truppen spendeten.
Immer mehr Persönlichkeiten förderten diesen Nationalismus wie Arndt, Fichte, Jahn, Körner und der Verleger Palm, der eine in seinem Hause veröffentlichte und gegen Napoleon gerichtete Hetzschrift mit seinem Leben bezahlen musste.

Auch Freiwilligenverbände wie das Lützowsche Freicorps schlossen sich der Armee an. Ihre schwarzen Uniformen mit den roten Aufschlägen und den goldfarbenen Knöpfen fanden sich später in der Flagge der Deutschen wieder.
Zunächst konnten für den Kampf gegen Napoleon nur Schweden und Großbritannien als Verbündete gewonnen werden und von den deutschen Staaten schloss sich lediglich Mecklenburg-Schwerin der Erhebung an.
Österreich trat dem Bündnis erst im August 1813, nach der Niederlage der preußisch-russischen Truppen bei Großgörschen und Bautzen, bei.

Eine Vorentscheidung für den Ausgang der Befreiungskriege brachte die Schlacht bei Dennewitz im September 1813, in der preußische, russische und schwedische Truppen unter Freiherr von Bülow und Graf von Tauentzien die Truppen Napoleons unter Marschall Michel Ney daran hinderten, nach Berlin vorzurücken.
Friedericke Köhler, eine Frau, die als Soldat verkleidet, an dieser Schlacht teilgenommen hatte und verwundet wurde, erlangte Heldenstatus. Noch auf dem Schlachtfeld wurde sie zum Unteroffizier ernannt und erhielt das von Friedrich Wilhelm III gestiftete Eiserne Kreuz.

Die endgültige Entscheidung fiel am 13. Oktober 1813. Drei Kanonenschüsse eröffneten die Völkerschlacht bei Leipzig. Mehr als 12 Staaten standen sich gegenüber - zum einem Preußen, Russland, Österreich und Schweden mit rund 300.000 Soldaten gegen Franzosen, Polen und Staaten des Rheinbundes mit mehr als 200.000 Soldaten. Der Widersacher Napoleons war Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher.
Bayern schied kurz vor der Schlacht aus der Koalition des Rheinbundes aus, die Sachsen fielen mit einer Kriegslist ihren Waffenbrüdern in den Rücken. Während der Schlacht richteten sie plötzlich die Waffen gegen ihre Verbündeten, die völlig überrascht und unvorbereitet dem Angriff aus den eigenen Reihen zum Opfer fielen.
Deutsche, die nicht mehr auf Deutsche schießen wollten - diese Entwicklung hatte Napoleon nicht vorausgesehen. Nach seiner vernichtenden Niederlage fielen die Rheinbundstaaten von Napoleon ab und schlossen sich dem Bündnis mit den Preußen an. Andere Staaten folgten.

Die Quadriga, die von den französischen Besatzern vom Brandenburger Tor genommen und nach Paris gebracht worden war, kehrte auf ihren angestammten Platz zurück. Vom König erhielt sie das von Karl Friedrich Schinkel entworfene Eiserne Kreuz und einen Siegeskranz, von den Berlinern erhielt sie den Beinamen "Retourkutsche".

Der Wiener Kongress wurde für Stein, der von einer deutschen Nation träumte, zur Enttäuschung. Die deutschen Fürsten dachten gar nicht daran, Privilegien aufzugeben und ihre Territorien in einer deutschen Nation aufgehen zu lassen und so blieb vorerst alles beim Alten.
Aber Napoleon hatte bei den Deutschen nationale Gefühle geweckt. Zum ersten Mal identifizierte sich eine Mehrheit der Bürger über ihre gemeinsame Sprache und ihre gemeinsame Kultur als Deutsche. So gesehen wurde Napoleon ungewollt zum Geburtshelfer einer deutschen Nation. Zwar sollten noch Jahrzehnte ins Land gehen und es sollte noch viel Blut fließen, aber die Vision ließ sich nicht mehr auslöschen.

Die Schlacht bei Waterloo (Belle-Alliance oder Mont St. Jean) am 18. Juni 1815, in der Napoleon gegen Wellington auf britischer und Blücher auf deutscher Seite eine vernichtende Niederlage hinnehmen musste, bedeutete das endgültige Aus für den größten Feldherrn seiner Zeit. Er wurde verbannt und starb am 5. Mai 1821 in seinem Exil, auf der Insel St. Helena im Südatlantik.

Da Friedrich Wilhelm III den Begriff "Freiheitskriege" nicht mochte, bürgerte sich auf seine Veranlassung hin die Bezeichnung "Befreiungskriege" ein.

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