Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Otto von Bismarck (3/3)


Der Innenpolitiker
Nach Vollendung der Deutschen Einheit entwickelte sich Berlin in einem atemberaubenden Tempo zu einer modernen Metropole. Durch die von Frankreich zu leistenden Reparationszahlungen in Höhe von 5 Milliarden Francs flossen große Kapitalmengen in die Stadt und verhalfen ihr in den sogenannten Gründerjahren (1871-1873) zu einem rasanten Aufstieg.
1873 kam es infolge der konjunkturellen Überhitzung zum "Gründerkrach", der einen weltweiten Einbruch der Finanzmärkte zur Folge hatte und bis in die Mitte der neunziger Jahre andauerte.

Bis 1912 verdoppelte sich die Einwohnerzahl von 1 Million auf 2 Millionen. Damit war Berlin zu jener Zeit hinter London, New York und Paris die viertgrößte Stadt der Welt. Außerdem verdreifachte sich das deutsche Sozialprodukt. Deutschland entwickelte sich von einem Agrar- zu einem Industriestaat.

Auf der Suche nach Reichsfeinden im Inneren hatte Bismarck schon seit langem die katholische Kirche ausgemacht und ihr und ihrem Klerus den Kampf angesagt.
1871 eskalierte Bismarcks "Kulturkampf" gegen die katholische Kirche und gegen die 1870 gegründete Zentrumspartei, ein Sammelbecken konservativer Katholiken, die bei den ersten Reichstagswahlen bereits zweitstärkste Kraft wurde.
Bismarck setzte die freie Religionsausübung außer Kraft und erließ in den Folgejahren eine Reihe von Anordnungen und Gesetzen gegen die Einflussnahme der katholischen Kirche. Ihre Rechte wurden beschnitten. Die Zivilehe wurde eingeführt.
Bismarcks größter politischer Widersacher und erbitterter Gegner war der wortgewaltige Reichstagsabgeordnete Ludwig Windthorst von der Zentrumspartei. Über sein Verhältnis zu ihm sagte Bismarck einmal:
"Hass ist aber ein ebenso großer Sporn zum Leben wie Liebe. Mein Leben erhalten und verschönern zwei Dinge: meine Frau und Windthorst. Die eine ist für die Liebe da, der andere für den Hass."


Am 13. Juli 1874 verübte der aus Magdeburg stammende katholische Böttchergeselle Eduard Kullmann ein Pistolen-Attentat auf Bismarck, der sich zu jener Zeit auf einer Kur in Bad Kissingen aufhielt. Auch dieses zweite Attentat auf ihn misslang.
Obwohl Bismarck nur leicht am rechten Handgelenk verletzt wurde, zog diese Verletzung eine dauernde Beeinträchtigung nach sich.
Kullmann erhielt im Oktober 1874 vierzehn Jahre Zuchthaus.
Obwohl sich die Zentrumspartei sofort von diesem Attentat distanzierte, nutzte Bismarck diesen Vorfall für eine weitere Verschärfung seines "Kulturkampfes".

Am 22. Oktober 1873 kam es auf Initiative Bismarcks im Schloss Schönbrunn in Wien zum Drei-Kaiser-Abkommen zwischen Kaiser Wilhelm I, Kaiser Franz Joseph I von Österreich und Zar Alexander II von Russland. Damit wollte der Kanzler Frankreich isolieren, das er sich durch die Annektierung von Elsass-Lothringen zum Erzfeind gemacht hatte und er wollte ein eventuelles Bündnis zwischen Frankreich und Russland verhindern, denn dies hätte ein unkalkulierbares Risiko für das neu gegründete Deutsche Reich bedeutet.

Nachdem am 11. Mai 1878 der Leipziger Klempnergeselle Max Hödel ein Attentatsversuch auf Kaiser Wilhelm I verübt hatte und der Monarch bei einem zweiten Attentatsversuch am 2. Juni 1878 von Karl Eduard Nobiling, einem jungen Landwirt mit einem Schrotgewehr niedergeschossen und schwer verletzt wurde, suchte Bismarck die Drahtzieher dieser Attentate unter den Sozialdemokraten, in denen er eine ebenso große Gefahr für das Reich sah wie in den Katholiken.
Schon lange verfolgte er die Sozialdemokraten mit seinem Groll, denn sie kämpften für Bürgerrechte und Demokratie und forderten die Abschaffung der Monarchie.
Am 19. Oktober 1878 wurde das Sozialistengesetz ("Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie") erlassen. Partei und Gewerkschaften wurden verboten und ihre Mitglieder verfolgt. Wer es dennoch wagte, an Versammlungen teilzunehmen oder auch nur in den Verdacht geriet, riskierte Geld- und Haftstrafen.

Trotz Parteiverbots durften Sozialdemokraten aber wählen und gewählt werden. 1881 erhielten sie bei den Reichstagswahlen 6% und 1890 war es bereits mehr als das Dreifache.
Nicht zuletzt, um den Sozialdemokraten den Nährboden zu entziehen, führte Bismarck die Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung ein. Aber trotz dieser Meilensteine auf dem Weg zum Sozialstaat verstummte der Widerstand gegen Bismarck nicht.

Schon bald waren es nicht mehr nur die katholische Kirche und die SPD, die Bismarck mit Argwohn verfolgte. Auf der Suche nach inneren Reichsfeinden fand er diese jetzt zunehmend in ethnischen Minderheiten, wie den Polen, die er ab 1885 aus den preußischen Ostprovinzen auswies und per Gesetz eine Germanisierung einläutete. Der sorbischen Minderheit in der Lausitz hatte er den Sprachunterricht schon 1875 verboten. Außerdem war er gegen die politische Gleichstellung von Juden.

Innenpolitisch wechselte Bismarck den Kurs. Er kündigte die jahrelange Zusammenarbeit mit den Nationalliberalen auf und verbündete sich mit den Konservativen.
1878 fand unter Bismarcks Vorsitz ein Friedenskongress zur Lage auf dem Balkan statt, der das Ende des russisch-türkischen Krieges besiegelte.
Obwohl Bismarck kein Freund der Kolonialpolitik war, änderte er diesbezüglich seine Meinung und so erwarb Deutschland ab 1884 Kolonien in Übersee.

Die letzten Jahre
Bismarck hatte zunehmend Probleme, die Zeichen der Zeit zu erkennen und mit dem rasanten Wandel in Politik und Gesellschaft Schritt zu halten.
Als sein Sohn Herbert 1881 Fürstin Elisabeth zu Carolath-Beuthen heiraten wollte, lief Bismarck dagegen Sturm und schreckte auch nicht davor zurück, mit Enterbung und Selbstmord zu drohen, denn diese Frau war zehn Jahre älter als sein Sohn, geschieden und zudem katholisch.
Herbert gab nach, als sich auch seine Mutter auf die Seite des Vaters stellte.

Als sich sein Freund und Verbündeter, Kriegsminister von Roon wegen einer schweren Erkrankung aus der Politik zurückzog, fühlte sich Bismarck allein und isoliert, sein Alkoholkonsum war immens und er fühlte sich müde, erschöpft und ausgebrannt. Er, der nie innerlich zur Ruhe gekommen war und nie Rücksicht auf seine Gesundheit genommen hatte, bekam nun immer öfter gesundheitliche Probleme. Er litt unter unzähligen chronischen Krankheiten. Leber, Lunge, Magen und Kreislauf waren angegriffen und es plagten ihn Asthma, Rheuma, Gicht, Gürtelrose, Gallensteine, Krampfadern, Migräne und einiges mehr. Zudem war Bismarck 15 Jahre lang morphiumsüchtig und litt unter schweren Depressionen.
Seine Fresssucht verursachte zudem ein lebensgefährliches Übergewicht, das er aber mit der Hilfe des jungen Arztes Schweninger deutlich reduzieren konnte.

Bismarck weilte immer häufiger und immer länger auf seinen Gütern, genoss die Zweisamkeit mit seiner Frau und die ausgedehnten Spaziergänge mit seinen heißgeliebten Doggen. Seine Hunde waren ihm überaus wichtig und nur allzu gern rückte er sie in den Mittelpunkt seiner Gespräche. Seine Doggen enthüllten unerwartete Seiten des "Eisernen Kanzlers": Weichheit, Sensibilität und tiefes Mitgefühl. Starb eines seiner Tiere, weinte und trauerte tagelang.

Im Frühjahr 1875 reichte Bismarck sein Rücktrittsgesuch ein als Außenminister, preußischer Ministerpräsident und als Kanzler des Deutschen Reiches.
Wilhelm I reagierte bestürzt auf diesen Rückzug und weigerte sich, das Gesuch anzunehmen. Bismarck, der sich in der Rolle des Unersetzbaren bestätigt sah, ließ sich schließlich umstimmen.
Bismarck holte sich seinen ältesten Sohn Herbert an seine Seite, denn er war einer der wenigen Menschen, denen er wirklich vertraute. Er wurde sein engster Berater, er sollte sein Nachfolger werden.

Am 9. März 1888 starb Wilhelm I. Ihm folgte sein bereits todkranker Sohn Friedrich III auf den Thron. Nach nur 99 Tagen starb auch er.
Am 15. Juni 1888 bestieg Kronprinz Wilhelm II den Thron, aber der 29-jährige dachte gar nicht daran, Bismarck in seine Regierungsgeschäfte einzubinden. "Sechs Monate werde ich den Alten verschnaufen lassen, dann regiere ich selbst", tönte er großspurig.
Zwischen dem liberalen und fortschrittlichen Monarchen und dem "eisernen Kanzler" kam es nicht zuletzt wegen der Sozialistengesetze zu nicht überbrückbaren Konflikten. Wilhelm II wollte sich mit der SPD versöhnen, Bismarck lehnte eine Annäherung kategorisch ab. Bei einer heftigen Auseinandersetzung der beiden legte Wilhelm II Bismarck den Rücktritt nahe.
Verzeihen wollte und konnte Bismarck Wilhelm II seine Entlassung nie und so mischte er sich auch weiterhin über die Presse in die Tagespolitik ein.

In der Öffentlichkeit wurde die Entlassung Bismarcks zunächst mit Erleichterung aufgenommen. "Es ist ein Glück, dass wir ihn los sind", urteilte auch Theodor Fontane. Aber die Bewunderung und Verehrung für Bismarck wuchs von Jahr zu Jahr.

Bismarck begann, seine Memoiren zu verfassen, wobei ihm Lothar Bucher helfend zur Seite stand. Dieser beklagte sich schon bald darüber, dass Bismarck oft die Wahrheit verfälschte: "Bei nichts, was misslungen ist, will er beteiligt gewesen sein, und niemand lässt er neben sich gelten".
In der Tat ging Bismarck mit der Wahrheit eher sorglos um, verschwieg oder manipulierte sie und so wurden seine Memoiren "Gedanken und Erinnerungen" eher eine Selbstdarstellung und eine Rechtfertigung seiner Regierungszeit als eine ehrliche Bilanz. Dennoch wurden seine Memoiren zu einem Bestseller.

1894 verstarb Johanna. Der Verlust seiner Frau traf Bismarck tief. Vier Jahre später, am 30. Juli 1898, starb er an einer Lungenentzündung.
Kaiser Wilhelm II, der den Leichnam nach Berlin überführen lassen wollte, scheiterte am Widerstand der Familie, denn Bismarcks Wunsch war es gewesen, in Friedrichsruh neben seiner Frau bestattet zu werden.

Heute erinnert die Siegessäule in Berlin an die Einigungskriege gegen Dänemark, Österreich und Frankreich. Die Sockelreleliefs zeigen neben der Schlacht bei den Düppeler Schanzen auch die Schlacht bei Königgrätz und die Schlacht bei Sedan.

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