Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Otto von Bismarck (2/3)


Krieg gegen Dänemark
Bismarck war fest entschlossen, die deutschen Länder unter der preußischen Krone zu vereinen, nicht mit der Kraft von Parlamenten sondern mit der "Kraft der Bajonette".
Als der Dänenkönig Christian IX das Herzogtum Schleswig in sein Reich einverleiben und von Holstein trennen wollte, kam es zu einem Konflikt mit dem Deutschen Bund. Bismarck, der den Plan hegte, Schleswig und Holstein unter die preußische Krone zu zwingen, brachte zunächst Österreich auf seine Seite.
Gemeinsam zogen die verbündeten Truppen am 1. Februar 1864 gegen die Dänen in den Krieg. Entschieden wurde der Deutsch-Dänische Krieg am 18. April 1864 an den Düppeler Schanzen. Preußen und die verbündeten Österreicher eroberten Jütland und besiegten damit Dänemark.
Dem Verlierer wurde im Wiener Friedensvertrag vom 30. Oktober 1864 der Verzicht auf die Herzogtümer Schleswig und Holstein diktiert. In der Gasteiner Konvention kam es am 14. August 1865 zur Teilung der beiden Herzogtümer. Holstein wurde österreichisch und Schleswig preußisch verwaltet. Das Herzogtum Lauenburg fiel an Preußen.
Am 16. September 1865 wurde Bismarck wegen seiner Verdienste in den Grafenstand erhoben.

Krieg gegem Österreich
Deutschland, das zu jener Zeit aus 35 Kleinstaaten bestand, hatte sich im Deutschen Bund zusammengeschlossen. Dieser war am 8. Juni 1815 auf dem Wiener Kongress gegründet worden, um den Frieden unter den Mitgliedsstaaten dauerhaft zu sichern und eine gemeinsame Verteidigung nach außen zu bilden.
Österreich hatte den Vorsitz.

Beim Versuch Preußens, die Herzogtümer Schleswig und Holstein gegen den Willen Österreichs zu annektieren, kam es zur offenen Konfrontation.
Entschieden wurde diese im Palais Thurn und Taxis am 14. Juni 1866 in der Freien Reichsstadt Frankfurt am Main, dem Sitz des Deutschen Bundes. Die Österreicher stellten den Antrag, gemeinsam gegen Preußen mobilzumachen.
Vertreten wurde Bismarck durch den Gesandten Carl Friedrich von Savigny. Als die Abstimmung unter den Mitgliedern mit 9:6 Stimmen gegen Preußen ausfiel, erklärte Savigny den bisherigen Bündnisvertrag für null und nichtig und verkündete, dass dieses Abstimmungsergebnis für Preußen einer Kriegserklärung gleichkäme.

Nicht nur in der Öffentlichkeit war ein Krieg gegen Österreich höchst unpopulär, auch Wilhelm I war nur schwer von der Notwendigkeit dieses "Bruderkrieges" zu überzeugen. Bismarck galt für viele Bürger im Reich als Kriegstreiber, der Demokratie und Parlament missachtete und nur eines im Sinne hatte - die Krone Preußens.
Der aus Tübingen stammende Student Ferdinand Cohen-Blind, der in Bismarck einen Vaterlandsverräter sah, versuchte in einer Verzweiflungstat, den Krieg doch noch zu verhindern, indem er den vermeintlich Schuldigen tötete.
Bismarck aber überlebte das Attentat vom 7.Mai 1866 unverletzt, da die Kugeln, die auf ihn abgefeuert wurden, in seiner dicken Bekleidung stecken blieben.
Die Waffe des Attentäters, der in der Zelle Selbstmord beging, behielt Bismarck sein Leben lang.

1866 wurden die Österreicher im sogenannten Deutschen Krieg in der Schlacht bei Königgrätz (Böhmen) vernichtend geschlagen. 44000 österreichische Soldaten bezahlten den Krieg mit ihrem Leben.
Der Generalstabschef Helmuth Graf von Moltke hatte sich entschieden, das preußische Heer in drei getrennten Armeen marschieren zu lassen, "getrennt marschieren, zusammen schlagen", wie er es ausdrückte. Aber nicht nur die Taktik war von entscheidendem Vorteil sondern vor allem auch die Waffen, denn die Hinterlader der Preußen erwiesen sich als effizienter als die umständlich zu handhabenden Vorderlader der Österreicher und ihrer Verbündeten.

Der Sieg über Österreich brachte für Preußen die Annexion Schleswigs, Holsteins, Nassaus, Sachsens, Hannovers und Kurhessens und es bedeutete auch das Ende des Deutschen Bundes.
Während Wilhelm I. darauf drängte, Wien zu erobern und Österreich harte Friedensbedingungen aufzuerlegen, setzte sich Bismarck mit einer versöhnlichen Gangart gegenüber dem Verlierer durch.
Bismarck, der eine Dotation über 400.000 Taler erhielt und in Berlin als Nationalheld gefeiert wurde, hatte sein erstes großes Ziel erreicht: die Vorherrschaft Preußens im deutschsprachigen Raum durch die Verdrängung Österreichs.

Die deutschen Kleinstaaten nördlich der Mainlinie vereinigten sich im Norddeutschen Bund.
Am 14. Juli wurde Bismarck Kanzler des neuen Bündnisses, dessen Verfassung weitgehend nach seinem Konzept ausgearbeitet wurde.
Nun galt es nur noch, den katholischen Süden Deutschlands unter die Krone Preußens zu vereinigen. Dies aber würde Frankreich unweigerlich auf den Plan rufen.

Krieg gegen Frankreich
Da geschah etwas Unvorhergesehenes. Als 1870 in Sigmaringen dem Erbprinzen Leopold aus dem Hause der Hohenzollern, einem katholischen Zweig der preußischen Linie, die spanische Krone angetragen wurde, sah Bismarck seine Chance gekommen, den Süden mit dem Norden Deutschlands unter preußischer Herrschaft zu vereinigen.

Wie erwartet protestierte Frankreich vehement gegen einen Hohenzollern auf dem spanischen Thron.
Eigentlich wollte Leopold die Krone ablehnen, aber Bismarck drängte ihn zur Annahme und provozierte damit ganz bewusst einen Krieg mit Frankreich.
Der Protest von Napoleon III erreichte Wilhelm I, als dieser sich auf einer Kur in Bad Ems befand. Wilhelm I wollte keine Konfrontation mit den Franzosen und so zog Leopold mit seiner Billigung die Kandidatur zurück. Aber dies reichte Napoleon III noch nicht. Er wollte eine öffentlich gegebene Garantie, dass kein Hohenzoller je den spanischen Thron besteigen werde.
Daraufhin wurde dem französischen Botschafter übermittelt, dass dem deutschen Kaiser der Verzicht Leopolds aus Sigmaringen bestätigt worden sei und dass er dem Herrn Botschafter nichts weiter mitzuteilen habe.
Der König informierte Bismarck über diesen Vorfall. Bismarck leitete das Telegramm an die Presse weiter, aber er fälschte es vorher, indem er es kürzte, so dass es nun lautete: "Der König hat dem Herrn Botschafter nichts weiter mitzuteilen". Jetzt war der Ton schärfer und erweckte den Eindruck, als habe Wilhelm I den Franzosenkaiser brüskiert.

Dieses Telegramm, bekannt als "Emser Depesche", verfehlte die erhoffte Wirkung nicht. Der Kaiser von Frankreich hatte zu hoch gepokert.
Nicht nur in Deutschland sondern auch in Frankreich schlug die Empörung hohe Wellen und so sah sich Napoleon III unter Druck gesetzt, Preußen den Krieg zu erklären.

Bismarcks Kalkül war aufgegangen und die Kriegserklärung - obwohl von ihm provoziert - machte Frankreich zum alleinigen Aggressor. Nun verbündete sich auch der Süden Deutschlands mit Preußen und zog mit dem Norddeutschen Bund in den Kampf gegen Frankreich.

Wieder hatte Helmuth Graf von Moltke die Kriegsleitung inne. Bei der Schlacht von Sedan setzte er diesmal nicht auf Gewehre sondern auf die Artillerie. Geschütze aus der Waffenschmiede Krupp sollten eine schnelle Entscheidung bringen. Die französischen Truppen, deren Moral sich durch lange Märsche und zu wenig Proviant ohnehin schon auf dem Nullpunkt befand, wurden von den Deutschen umzingelt und vernichtend geschlagen. Napoleon III kam in deutsche Gefangenschaft und starb drei Jahre später in Chislehurst, seinem englischen Exil.

In Paris kam es zum Aufstand, das Kaiserreich zerbrach, es war die Geburtsstunde der Dritten Republik. Doch der Krieg ging unvermindert weiter, denn die Deutschen belagerten die Stadt vier Monate lang und beschossen sie mit schwerem Geschütz.
Im Januar 1871 kapitulierte Paris schließlich vor der Übermacht des Feindes.

Der Reichsgründer
Befehligt wurden die deutschen Truppen aus Versailles, denn die Präfektur im Zentrum der Stadt war königlich-preußisches Hauptquartier.
Von hier aus wurden auch die Vorbereitungen zur Einheit Deutschlands getroffen. Bismarck wollte die allgemeine Euphorie über den Sieg von Sedan dazu nutzen, die süddeutschen Staaten dazu zu bewegen, dem Norddeutschen Bund freiwillig beizutreten.

Durch die Zubilligung von Reservatsrechten brachte man auch jene Staaten ins gemeinsame Boot, die sich zunächst weigerten.
Der größte Skeptiker der deutschen Einheit war der bayrische König Ludwig II. Da dieser aber durch den Bau seiner Märchenschlösser unter chronischer Geldnot litt, ließ er sich von Bismarck bestechen. Dieser sagte ihm nämlich großzügige Geldzuwendungen aus dem kurz zuvor beschlagnahmten Welfenfonds zu.
Als Gegenleistung schrieb Ludwig II an die anderen süddeutschen Fürsten einen von Bismarck vorformulierten Brief, in dem er im Namen aller deutschen Fürsten König Wilhelm von Preußen den Titel eines deutschen Kaisers anbot. Dieses Schreiben ging als "Kaiserbrief" in die Geschichte ein.

Nun stand Bismarck kurz vor dem Ziel: die Ausrufung Wilhelms zum Kaiser und die Einheit Deutschlands unter dem Dach Preußens.
Doch Wilhelm lehnte ab und bestand hartnäckig auf den Titel "Kaiser von Deutschland" und nicht wie vorgesehen "Deutscher Kaiser". Würde er diesen Titel nicht erhalten, wollte er die Kaiserkrone ausschlagen.

Bismarck ahnte, dass sich die süddeutschen Fürsten niemals darauf einlassen würden. Mit weichen Formulierungen harte Politik machen, so wollte es Bismarck, doch Wilhelm blieb stur.

Im Spiegelsaal von Schloss Versailles, einst die Residenz des Sonnenkönigs Ludwig IV und während der Belagerung von Paris Versorgungslager der Deutschen für ihre verwundeten Soldaten, sollte am 18. Januar 1871 endlich die Einheit der Nation vollendet werden.
Der große Augenblick der Proklamation nahte, aber die Titelfrage war bis zum letzten Moment nicht geklärt.
Großherzog Friedrich von Baden, der den neuen Kaiser ausrufen sollte, umschiffte diese Klippe mit den Worten: "Es lebe Seine Majestät, Kaiser Wilhelm".
Mit dieser geschickten Formulierung vermied der Großherzog den Eklat.
Wilhelms Zorn auf seinen Vertrauten Bismarck verflog schnell und schon zwei Monate später erhob er ihn zum Fürsten und machte ihm den Sachsenwald in der Nähe Hamburgs zum Geschenk.
Zwei Monate später wurde Bismarck zum ersten deutschen Reichskanzler ernannt.

Der Deutsch-Französische Krieg endete offiziell am 10. Mai 1871 mit dem Frieden von Frankfurt, in dem Elsass und Teile von Lothringen an Deutschland abgetreten wurden. Außerdem musste Frankreich Kriegsentschädigungen in Höhe von 5 Mrd. Goldfranc leisten.

Die Rückkehr nach Berlin wurde zu einem Triumph und beim Einzug der siegreichen Truppen durch das Brandenburger Tor kannte der Jubel der Berliner keine Grenzen, denn nun hatten sie die nationale Einheit, imperialen Glanz und auch Mitbestimmung, denn noch im selben Jahr wurde ein gesamtdeutsches Parlament gewählt, der Reichstag. Wählen durften alle Männer über 25 Jahre. Dennoch gab es eine entscheidende Einschränkung, denn die Regierungsgeschäfte und den Reichskanzler bestimmte nach wie vor allein der Monarch.

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