Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Otto von Bismarck (1/3)

Otto Eduard Leopold von Bismarck wurde am 1. April 1815 in Schönhausen (Altmark) geboren und starb am 30. Juli 1898 in Friedrichsruh bei Hamburg.
Er war Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes, Ministerpräsident von Preußen und der erste Reichskanzler des Deutschen Reiches, dessen Gründung maßgeblich auf ihn zurückgeht.

Kindheit und Jugend
Die wilden Jahre
Ehe und Familie
Der junge Politiker
Der Machtpolitiker
Krieg gegen Dänemark
Krieg gegen Östterreich
Krieg gegen Frankreich
Der Reichsgründer
Der Innenpolitiker
Die letzten Jahre

Kindheit und Jugend
Otto von Bismarck wurde als zweiter Sohn des Rittmeisters Karl Wilhelm Ferdinand von Bismarck, Spross eines alten Adelsgeschlechts aus der Altmark und dessen Ehefrau Luise Wilhelmine Mencken, Tochter eines preußischen Kabinettssekretärs und Verwaltungsreformers, geboren.
Bismarck wuchs in einem protestantischen Elternhaus auf. Er hatte fünf Geschwister, von denen drei früh verstarben. Sein Bruder Bernhard wurde 1810 geboren, seine Schwester Malwine 1827.
Als Sechsjähriger wurde Bismarck Schüler der Plamannschen Erziehungsanstalt. Dieses Knabeninternat wurde 1805 von dem Reformpädagogen Johann Ernst Plamann nach dem Vorbild Pestalozzis in Berlin gegründet.
Von 1827 bis 1830 besuchte Bismarck das Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums und danach das Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin. Am 31. März 1830 wurde er in der Dreifaltigkeitskirche von Friedrich Schleiermacher konfirmiert. Dieser gab ihm den Bibelspruch "Was ihr tut, das tut von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen" (Kol.3,23) mit auf den Weg.

Die wilden Jahre
1832 nahm Bismarck an der Universität Göttingen das Studium der Rechts- und Staatswissenschaften auf. Allerdings fiel er dort weniger wegen seiner Leistungen auf als vielmehr durch seine ausgiebigen Saufgelage und seiner Leidenschaft für das Fechten, das ihm durch die Zugehörigkeit zu einer schlagenden Verbindung ermöglicht wurde. Bismarck galt auf dem Fechtboden als unschlagbar.
Wegen "grober Verfehlungen gegen Sitte und Anstand", wozu öffentliche Trunksucht, Beleidigungen und nächtliche Ruhestörung zählten, musste Bismarck gar für 18 Tage in den Karzer.
Unbeeindruckt von dieser Strafe randalierte der Trunkenbold kurz nach seiner Entlassung erneut in einem Wirtshaus und wurde daraufhin an den Rand der Stadt verbannt. Die Stadt selbst durfte er fortan nur noch zu seinen Vorlesungen betreten.

Für Politik interessierte sich Bismarck damals noch nicht. Aber er war ein strammer Konservativer, der Monarchie treu ergeben und gegen jegliche Bestrebungen für Demokratie und Bürgerrechte. Daher zeigte er auch keinerlei Verständnis für seine Mitkommilitonen, die sich 1832 auf dem Hambacher Fest unter die über 20000 Demonstranten mischten und unter der schwarz-rot-goldenen Fahne Freiheit, Bürgerrechte und einen deutschen Nationalstaat forderten.

Nach seinem Wechsel an die Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin und nach Absolvierung seines ersten Staatsexamens ging Bismarck nach Aachen, wo er als Referendar der Provinzialverwaltung arbeitete. Viel lieber wäre er in den diplomatischen Dienst aufgenommen worden, aber dieser Weg blieb ihm versperrt.
Am 1. Januar 1839 starb Bismarcks Mutter im Alter von 48 Jahren.

Zahlreiche amouröse Affären und sein auch sonst ausschweifender Lebenswandel bescherten Bismarck schließlich den finanziellen Ruin und er dachte daran, seinem Leben ein Ende zu bereiten.
Die 200 Reichstaler, die ihm sein Vater zur Begleichung seiner Schulden schickte, verlor Bismarck im Spielcasino.
Zu seinen Schulden von 1700 Reichstalern kam nun auch noch die Entlassung, denn Bismarck war tagelang unentschuldigt seiner Arbeit ferngeblieben.
In Potsdam bot sich Bismarck die Möglichkeit, sein Referendariat fortzusetzen, aber nach nur fünf Monaten quittierte er den Dienst und beendete damit auch alle Aussichten auf eine spätere Beamtenlaufbahn.
Nach dem Militärdienst und dem Tod seines Vaters am 22. November 1845 übernahm Bismarck die Güter seiner Eltern.
Zwar erwies sich Bismarck als guter Landwirt und Geschäftsmann, dem es schließlich auch gelang, seine Schulden zu tilgen, aber noch immer suchte er sein Heil in wilden, ungezügelten Saufgelagen, die ihn aber immer weniger zufriedenstellten und ihn schließlich in eine tiefe Sinnkrise stürzten.

Ehe und Familie
Dieser Zustand änderte sich allerdings in dem Moment, als ein Nachbar ihm 1843 seine Verlobte, die aus einem pietistischen Elternhaus stammende, Marie von Thadden vorstellte. Hals über Kopf verliebte sich Bismarck in die junge Frau. Auch sie fühlte sich zu Bismarck hingezogen, war aber allein schon aus religiösen Gründen nicht gewillt, ihr einmal gegebenes Versprechen gegenüber ihrem Bräutigam zu brechen.
So blieb die Beziehung zwischen Bismarck und seiner Angebeteten rein platonisch, aber sie war geprägt von einer innigen und aufrichtigen Freundschaft.
Als Marie plötzlich und unerwartet im Alter von nur 24 Jahren an einer Hirnhautentzündung verstarb, zeigte sich Bismarck zutiefst erschüttert.
Kurz vor ihrem Tod hatte Marie den Wunsch geäußert, dass Bismarck ihre ebenfalls pietistische Freundin Johanna von Puttkamer heiraten möge.
Dieser erfüllte seiner Freundin den letzten Wunsch und machte Johanna, Tochter eines Gutsbesitzers, fortan den Hof. Trotz des höchst zweifelhaften Rufes, der Bismarck anhaftete, willigte der Brautvater in die Vermählung ein.
Am 28. Juli 1847 heiratete das Paar in Reinfeld/Pommern und bezog das Gut Schönhausen (Elbe). Das Paar bekam drei Kinder: Marie kam 1848 zur Welt, Herbert 1849 und Wilhelm 1852.
Johanna war Bismarck Halt und Stütze und brachte endlich Ruhe und Beständigkeit in sein bis dahin so unstetes Leben.

Der junge Politiker
Durch seine Frau gelangte Bismarck in die Kreise konservativer Pietisten, die beste Beziehungen zum Berliner Königshaus unterhielten. Hier knüpfte Bismarck jene Kontakte, die sich für seine spätere politische Karriere als überaus förderlich erwiesen.

1847 wurde Bismarck an den Vereinigten Preußischen Landtag berufen, wo er sich bald mit leidenschaftlichen Bekenntnissen zur Monarchie einen Namen machte.
Als 1848 in Europa die Märzrevolution losbrach, gingen auch in Berlin Menschen für Demokratie und nationale Einheit auf die Barrikaden. Bismarck war darüber dermaßen aufgebracht, dass er beabsichtigte, mit seinen bewaffneten Bauern nach Berlin zu eilen und mit ihnen den Aufstand blutig niederzuschlagen.
Als er die preußische Prinzessin und spätere Kaiserin Augusta im Auftrag des Prinzen Karl, mit dem er eine Gegenrevolution inszenieren wollte, aufsuchte, um sie zu überreden, mit ihrer Unterstützung den zaudernden König abzusetzen und ihren Sohn, den späteren Kaiser Friedrich III, an die Macht zu verhelfen, lehnte diese das Ansinnen voller Empörung ab. Seine Umsturzpläne machten sie ihm zur lebenslangen Feindin.

In der Frankfurter Paulskirche tagte indes das erste frei gewählte Parlament. Letztendlich aber zerplatzen die Träume von Demokratie und deutscher Einheit.
Im selben Jahr wurde Bismarck Mitbegründer der konservativen "Neuen Preußischen Zeitung".

Als Bismarck 1849 in die zweite Kammer des preußischen Landtages gewählt wurde, zog er mit seiner Familie nach Berlin, um sich fortan ganz der Politik zu widmen.
Im Parlament gehörte er zu den Erzkonservativen. Er stand für die Vormachtstellung der Monarchie und gegen die Demokratiebewegung der Bevölkerung. Wenn die Lage es allerdings erforderte, konnte er auch pragmatisch handeln. Sein oberstes Ziel, die Interessen des Staates zu wahren und Preußen im Konzert der Großen eine wichtige Stimme zu geben, verlor er dabei nie aus den Augen.

1851 wurde Bismarck zum preußischen Gesandten beim Deutschen Bund in Frankfurt/Main ernannt.
Endlich war er dort angekommen, wo er hinwollte - auf die große Bühne der Weltpolitik. Fortan verfolgte er seine Ziele mit geradezu missionarischem Eifer, fühlte er sich doch persönlich von Gott berufen: "Ich bin Gottes Soldat", schrieb er an seine Frau.
Der anfangs weit unterschätzte Bismarck lernte schnell, sich auf dem glatten Diplomatenparkett zu bewegen und er scheute auch nicht vor Provokationen zurück. Auch ohne diplomatische Ausbildung schaffte er es in kurzer Zeit, sich Respekt und Anerkennung zu verschaffen.
Bismarck sammelte nicht nur wertvolle Erfahrungen sondern nutzte auch die Möglichkeit, mit einflussreichen europäischen Politikern in Kontakt zu treten und so ein Netzwerk zu knüpfen, das ihm später als preußischer Ministerpräsident zugutekommen sollte.

1852 kam es zu einem Pistolenduell zwischen Bismarck und dem Abgeordneten Georg Freiherr von Vincke wegen einer heftigen Auseinandersetzung im Preußischen Landtag und einer von Bismarck beleidigenden Äußerung.
Beide Kontrahenten gingen unverletzt aus diesem Duell hervor.
Vierzehn Jahre später forderte er auch seinen politischen Kontrahenten und Arzt an der Charité, Rudolf Virchow, zu einem Duell, das ihm dieser aber mit der Begründung verweigerte, dass ein Duell keine zeitgemäße Form der Auseinandersetzung sei.

Im November 1854 wurde Bismarck in das Preußische Herrenhaus, der 1. Kammer des preußischen Landtags berufen.
Als Wilhelm I seinen erkrankten Bruder ablöste, besetzte er das Kabinett mit liberal gesinnten Aristokraten, die sich für eine Verständigung mit Österreich einsetzten. Bismarck mit seiner konsequent anti-österreichischen Haltung wurde abgezogen und als preußischer Gesandter an den russischen Hof in Sankt Petersburg abberufen.
Bismarck fühlte sich in Russland nicht wohl und seine Verbannung schmerzte ihn sehr.
Nach drei Jahren wurde er als preußischer Gesandter nach Paris versetzt.
Hier knüpfte Bismarck enge Kontakte mit dem preußischen Kriegsminister Roon und er lernte auch Napoleon III kennen.

Auf einem Urlaub in Biarritz im August 1862 lernte Bismarck Katharina Orlowa, die Frau des russischen Gesandten, kennen und lieben. Zwischen beiden begann ein Flirt, eine romantische Affäre. Den Olivenzweig, den seine Angebetete ihm zum Abschied schenkte, bewahrte Bismarck bis zu seinem Tode in einem Zigarrenetui auf.
Johanna, die schon so manche Schwärmerei ihres Gatten klaglos hingenommen hatte, erwies sich auch diesmal als duldsam und nachsichtig.

Der Machtpolitiker
Als das Parlament 1862 Wilhelm I die Gelder verweigerte, die dieser für eine geplante Heeresreform benötigte, kam es zu einer schweren Verfassungskrise, in deren Verlauf der König den Landtag auflöste und Neuwahlen anordnete. Als die Opposition die Wahlen mit großem Vorsprung gewann und ihre Blockadehaltung fortsetzte, wollte Wilhelm I abdanken.

Bismarck, der von Roon ein Telegramm erhalten hatte, verließ sofort Paris und eilte nach Berlin, um Wilhelm I umzustimmen.
Bismarck beschwor den König, im Amt zu bleiben, sicherte ihm seine unverbrüchliche Treue zu und versprach, die Krise beizulegen. Mit allen Mitteln wollte er eine Parlamentsherrschaft verhindern, auch mit diktatorischen Maßnahmen.
Wilhelm ließ sich überzeugen und legte sein Schicksal in Bismarcks Hände.

Im September 1862 versuchte Bismarck die Opposition durch eine flammende Rede für die Heeresreform zu gewinnen. "Nicht durch Reden oder Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden......sondern durch Eisen und Blut".
Damit machte Bismarck seine zukünftige Politik deutlich: Machtgewinn durch Kriege.
Am 8. Oktober wurde Bismarck zum preußischen Ministerpräsidenten und Minister des Auswärtigen ernannt.
Von Anfang an zeigte Bismarck eine rücksichtslose Politik. Selbst vor einem Verfassungsbruch scheute er nicht zurück. Er löste den Landtag auf und regierte jahrelang ohne Parlament und Budget. Preußen erlebte unter seiner Herrschaft eine Ära der Unterdrückung. Die Pressezensur wurde wieder eingeführt, über 1000 missliebige Beamte strafversetzt oder entlassen und politische Widersacher ausgewiesen.

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