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Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach
(die erste Deutsche Kaiserin)

Augusta Marie Luise Katharina von Sachsen-Weimar-Eisenach wurde am 30. September 1811 als zweitälteste Tochter von Großherzog Carl Friedrich (1783-1853) und Großfürstin Maria Pawlowna Romanowa (1786-1859) in Weimar geboren und starb am 7. Januar 1890 in Berlin.
Durch die Heirat mit Wilhelm I aus dem Hause Hohenzollern wurde sie Deutsche Kaiserin und Königin von Preußen.

Augusta wuchs mit ihrer älteren Schwester Marie und ihrem jüngeren Bruder Karl Alexander am Weimarer Hof auf, der wegen seiner für damalige Zeiten liberalen Gesinnung zu den fortschrittlichsten Europas zählte. Dies war vor allem Herzogin Anna Amalia (1739-1807) zu verdanken, die Kunst und Literatur an ihrem Hofe förderte. Herausragende Persönlichkeiten wie Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller gehörten zu ihren oft und gern gesehenen Gästen.
Augustas Mutter war die Schwester von Zar Alexander I und eine Enkelin von Katharina der Großen. Schon früh wurden ihre Töchter gründlich auf spätere Repräsentationspflichten vorbereitet und sie genossen eine umfassende Ausbildung, wozu auch der damals übliche Zeichen- und Musikunterricht gehörte.

Ihren späteren Ehemann lernte die damals fünfzehnjährige Augusta 1827 auf der Hochzeit ihrer Schwester Marie mit Carl von Preußen, dem Bruder des Kronprinzen, kennen.
An eine eheliche Verbindung mit Augusta dachte Wilhelm zu diesem Zeitpunkt indes nicht, denn erstens fand er Augusta wenig attraktiv und zweitens war er heftig in die polnische Prinzessin Elisa Radziwill verliebt.
Friedrich Wilhelm III untersagte seinem Sohn schließlich jeglichen Kontakt mit Elisa Radziwill, da diese eine nicht ebenbürtige Partnerin für einen Preußenprinzen war. Stattdessen drängte der Vater seinen Sohn zu einer Ehe mit der vierzehn Jahre jüngeren Augusta und so heiratete das Paar schließlich am 11. Juni 1829 im Schloss Charlottenburg.
Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Der Kronprinz Friedrich, der als Friedrich III seinem Vater auf den Thron folgte und als "99-Tage-Kaiser" in die Geschichte eingehen sollte, wurde am 18. Oktober 1831 geboren. Am 3. Dezember 1838 brachte Augusta Tochter Luise zur Welt. Diese heiratete im Jahr 1856 den badischen Großherzog Friedrich I.
In den Jahren 1842 und 1843 hatte Augusta zwei Fehlgeburten.

Die Charaktere des Paares waren wohl zu verschieden, als dass die Ehe hätte glücklich werden können. Zudem gingen ihre politischen Ansichten weit auseinander. Wilhelm schätzte es nicht, wenn sich seine Ehefrau in politische Dinge einzumischen versuchte und es entsprach wohl auch nicht seinem Frauenbild.
Wilhelm, der sich von seiner Gattin körperlich nicht angezogen fühlte und ihre fehlende Weiblichkeit bemängelte, pflegte zahlreiche Liebschaften. Zwar war er dabei stets um taktvolle Diskretion bemüht, konnte allerdings nicht verhindern, dass seine Ehefrau davon Kenntnis erhielt.
Augusta, die im Laufe der Jahre immer häufiger unter manisch-depressiven Schüben litt, zog sich zunehmend in das Schloss in Babelsberg zurück, Wilhelm hielt sich lieber im Stadtpalais in der Straße Unter den Linden auf.

Während ihr Ehemann ein Freund der Russen war, lehnte Augusta alles Russische ab und bevorzugte stattdessen Frankreich, die Sprache, die Kunst und die Literatur.
Zudem vermisste Augusta den liberalen Geist des Weimarer Hofes und langweilte sich in Preußen.
Enttäuscht wurde die liberal gesinnte Augusta auch durch die konservative Politik ihres Schwagers Wilhelm IV, in den nicht nur sie sondern auch große Teile des lieberalen Bürgertums einst große Hoffnung gesetzt hatten. Aber die hohen Erwartungen konnte Wilhelm nach seiner Thronbesteigung am 7. Juni 1840 auch nicht nur ansatzweise erfüllen.
Als es während der Märzrevolution im Jahre 1848 darum ging, dem Volk größere Rechte einzuräumen und eine längst überfällige Verfassung zu verabschieden, eine Verfassung, wie man sie in Weimar bereits schon 1816 verabschiedet hatte, kam es zum Einsatz der Waffen und die Revolte in Preußen wurde blutig niedergeschlagen. Besonders belastend für Augusta war die unrühmliche Rolle, die ihr Ehemann in diesem Konflikt spielte und ihm gar den Beinamen "Kartätschenprinz" einbrachte.

Als Ihre Ehemann 1849 zum Generalgouverneur der Rheinprovinz ernannt wurde, siedelte die Familie im Frühjahr 1850 nach Koblenz über, wo sie ein am Rhein gelegenes Schloss bewohnten. Die Parkanlagen ließ Augusta von den preußischen Gartenbaukünstlern Peter Joseph Lenné und Hermann von Pückler-Muskau gestalten.
Die Koblenzer Jahre führten selbst bei Augustas Ehemann zu einer toleranteren Haltung, was jedoch bei seinem Bruder Wilhelm IV auf Befremden und Unverständnis stieß.
Argwöhnisch beäugte man in Berlin Augustas wohlwollende Haltung gegenüber der katholischen Kirche. Besonders aufgebracht darüber zeigte sich ihr Widersacher Otto von Bismarck.

Kronprinz Friedrich, der auf Betreiben seiner Mutter in Bonn ein Jurastudium absolviert hatte und damit der erste preußische Thronfolger mit einer akademischen Ausbildung war, heiratete 1858 Viktoria, die Tochter von Königin Viktoria von England. Augusta, die diese Ehe eingefädelt hatte, versprach sich dadurch einen liberalen Einfluss auf Preußen, da Großbritannien über eine vergleichsweise moderne Monarchie verfügte.
Noch im selben Jahr gingen Augustas relativ unbeschwerten Jahre in Koblenz vorüber, denn ihr Ehemann musste die Regierungsgeschäfte für seinen durch mehrere Schlaganfälle schwer gezeichneten und kinderlos gebliebenen Bruder üebernehen.

Ihre zutiefst pazifistische Gesinnung verwickelte Augusta in einen jahrelangen erbitterten Konflikt mit Otto von Bismarck. Augusta war gegen die Kriegstreiberei des Reichskanzlers, aber sie verfügte über zu wenig politischen Einfluss und so konnte sie weder den Deutsch-Dänischen Krieg (1864), noch den Preußisch-Österreichischen Krieg (1866) oder den Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) verhindern.
Da Augusta in ihren politischen Ansichten und Bestrebungen Diplomatie, Geduld und Nachgiebigkeit vermissen ließ und stattdessen unbeirrt auf ihren Standpunkten beharrte, verprellte sie nicht nur ihr unmittelbares Umfeld sondern machte es Otto von Bismarck leicht, immer wieder gegen sie Stellung zu beziehen.
Der einzige Mensch, zu dem Augusta ein wirklich gutes Verhältnis pflegte, war ihr Enkel Wilhelm.

So fokussierte Augusta zunehmend ihre Kräfte auf karitative Einrichtungen und Organisationen, die sich um verwundete und kranke Soldaten kümmerten. Sie initiierte den Bau mehrerer Krankenhäuser und war auch an der Gründung der Genfer Konventionen im Jahre 1864 beteiligt.
1866 gründete Augusta den Deutschen Frauenverein zur Pflege und Hilfe für Verwundete im Krieg, aus dem später das Deutsche Rote Kreuz hervorging.

Als die bereits sechzigjährige Augusta am 18. Januar 1871 Kaiserin wurde, bedeutete dies für sie eher ene Niederlage als ein Triumph. Zwar hatte auch sie sich ein vereinigtes Deutschland gewünscht, aber nicht um den Preis der unzähligen Toten und Verletzten der vergangenen Kriege....

Das Jahr 1888, das als "Drei-Kaiser-Jahr" in die deutsche Geschichte einging, war auch für Augsta zu einem Schicksalsjahr. Zunächst starb ihr Enkel Ludwig Wilhelm von Baden am 23. Februar im Alter von nur 22 Jahren, ihm folgte ihr Ehemann am 9. März 1888.
Ihr an Kehlkopfkrebs erkrankter und bereits vom Tode gezeichneter Sohn Friedrich übernahm für 99 Tage die Regierungsgeschäfte, bis auch er schließlich am Morgen des 15. Juni 1888 seiner schweren Krankheit erlag.
Auch Augustas Gesundheitszustand verschlechterte sich stetig. Zu ihrem Rheumaleiden gesellte sich eine Gehbehinderung, die sie sich als Folge eines Sturzes zugezogen hatte. Außerdem litt sie an Krebs und Parkinson.
Am 7. Januar 1890, rund zwei Jahre nach ihrem Ehemann, starb auch Augusta im Alter von 78 Jahren.
Beigesetzt wurde sie im Mausoleum im Schlosspark Charlottenburg neben Wilhelm I.
Fast alle der nach Kaiserin Augusta einst benannten Straßen, Plätze und Organisation wurden im Laufe der Zeit umbenannt. Doch es gibt in Berlin noch eine Kaiserin-Augusta-Allee, eine Kaiserin-Augusta-Straße und eine Kaiserin-Augusta-Brücke.

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